Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 35 (5.5.1890)
- Date
- 1890-05-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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U. lJPiy7W,j.wii,v iij1? «ft.. ->v^v:r-^c.- 636 Anlässe einer gründlichen Reform unterzogen werden. Die jetzigen sogenannten deutsch-jüdischen Schulen, die in den czechischen Gegenden als Germanisations-Jnstitute angesehen werden, können ihren bisherigen Character nicht beibehalten. Die jüd. Kinder gehören zunächst in die czechische Volksschule, und dort, wo die örtlichen Verhältnisse consessionelle Schulen als unentbehrlich erscheinen lassen, sollen dieselben in czechische Schulen umgewandelt werden." Weiter wird in dem Aufrufe dahingewiesen, daß bei den Czechen der Antisemitismus noch nicht Wurzel gefaßt habe. Die Juden in Böhmen mögen, f dem Beispiele der Juden in Ungarn folgend, sich jener Nation anschließen, welche es gut mit ihnen meint und ihre Interessen bisher bestens geförj. dert hat. j Hidalmüs (Siebenbürgen.) Vor Jahresfrist 3 haben sich auf Anregung unseres verehrten Ober- | rabbiners eine größere Anzahl von min no'fc hier j und in benachbarten Gemeinden zu dem Zwecke ver- I einigt, um alljährlich ein dvd auf ganz ncbn | zu begehen. Zu diesem Behufe wurde einem!! Jeden ein bestimmter Theil zum Studium überj tragen. Am tk versammelten sich hier die j eifrigen Talmudgelehrten und feierten in erheben-! der Weise bas D"^n qvq. Möge die Liebe für!j die heilige Wissenschaft und das Studium der mm; in unserer Stätte niemals erkalten, dann dürfen wir trotz des betrübenden Abfalls unserer Brüder vertrauensvoll der Zukunft entgegenblicken. Das j heilige Erbe der Väter ist uns unverloren.! Italien.!’■ Rom. Unter den Schätzen des vatikanischen Palastes befindet sich ein uraltes Buch. Ein Manuscript ist's, welches wohl viele Jahrhunderte, ji bevor die schwarze Kunst erfunden ward, von der!! Hand gelehrter Schristkünstler gefertigt ward, eine;! Bibel mit hebräischen Charakteren und von kolossalem j Formate, denn mit seinen massigen Einbanddeckeln i wiegt es nahezu vierthalb Zentner, nämlich 325 Pfund. Dieses heilige Buch ward zu Anfang des 16. Jahrhunderts seitens der israelitischen Bevölkerung Roms als hohes Heiligthum verehrt, und - um 1512 herum, also im Jahre des lateranischen Concils, vereinigten sich die Notablen des Ghetto der ewigen Stadt, sowie Juden aus andern italie-! nischen Landen, um den Papst zur Ueberlassung jenes Werkes zu vermögen. Damals trug Julian della Rovere, als Papst Julius II. genannt, der Schirmherr Raffael's und Michael Angelo's, die Tiara. Er hörte die Bitte gütig an, wie er auch das Angebot entgegennahm, welches jenes Notabelnsyndikat machte — das Bibelmanuscript mit Gold aufzuwiegen. In runder Summe mochten 325 Pfund lauteren Goldes einer Million unserer heutigen Geldwährung gleichkommen. Aber Julius II. überlegte und widerstand schließlich der Versuchung, so blieb dann das werthvolle Buch, wohl das theuerste des Erdkreises, der Bibliotheca Vaticana erhalten. Holland. Amsterdam. Unsere uralte portugiesische Gemeinde hat ihr langjähriges geistliches Oberhaupt, den RabbinerD. Lopez Cardozo verloren. Vor beinahe 50 Jahren erhielt er die Morenu, und während des größeren Theiles dieser Zeit war er Prediger und Rabbinats-Assessor dieser Gemeinde, da es keinen portugiesischen Ober-Rabbiner hier gibt. Vor einigen Jahren nach dem Tode des Rabbiners Vaz Dias, wurde Herr Cardozo zum dauernden Oberhaupte des Beth Din ernannt. Seine energischen Bemühungen für das öffentliche Wohl wurden officiell durch Verleihung des Ordens des Niederländischen Löwen belohnt. Seiner Beerdigung wohnten viele Tausende von Personen bei. Frankreich. A Paris Der Pariser Korrespondent des „Daily Chronicle" schreibt: Es wäre thöricht zu leugnen, daß die antisemitische Bewegung in Frankreich zunimmt. Die Hauptursachen mögen verschiedene sein, aber derselbe unsinnige Haß und dieselben Anschuldigungen, die den Kreuzzug in anderen Ländern begleiten, haben auch wir. Baron Alphonse von Rothschild, den ich gestern sah, sagt mir, die Bewegung sei jetzt intensiver, als während der Commune, wo er und die Mitglieder seiner Familie nicht belästigt wurden, alle Arten von Anschuldigungen werden offen gegen die Rothschilds gethan. Freitag Abend kam es in dem Salle des Conferences, wo Herr Drumont einen Vortrag hielt, zu Tumulten. Herr Daniel Levy, ein angesehenes Mitglied der israelitischen Gemeinde, wurde von drei jungen Leuten in einer Weise angegriffen, daß er kaum dem Tode entging. In einer Unterredung, sagte mir Herr Levy, daß die antisemitische Bewegung in Frankreich vollständig von derjenigen in Oesterreich und Ungarn abweiche. Hier entstehe sie sauptsächlich aus Neid, weil die Juden ihren Antheil an den Aemtern des öffentlichen Lebens haben; eine gewisse Anzahl von Juden sind Präfecten, es giebt 7—8 jüdische Genräle und eine große Anzahl von Magistratsbeamten. Ein gleiches Verhältniß