Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-05-01 · Heft 34 (1.5.1890) · page 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 34 (1.5.1890)
Date
1890-05-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448057--29941-2477695
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

TC’ Dip befremdend „deine Zeit naht", das klingt gleichsam wie eine Entschuldigung und augenscheinlich wollte der Schöpfer damit sagen: Sieh mein Liebling! Deinem unermüdeten Schassen und Wirken in meinem Dienste, deinem thatenreichen Leben und Streben für meine höchsten Angelegenheiten, deiner unvergleichlich verdienstreichen Thätigkeit hätte ich gern noch weitere 120 Jahre für ihre Geltendmachung gewährt; allein -s'Q' lllp das Gesetz der Sterblichkeit, dem ich im Urbeginne unbedingte Geltung zusicherte, fordert nun sein Recht. So scheint auch die strenge Botschaft gelautet zu haben, bie der unerbittliche Engel dem ausgezeichneten Manne hinterbrachte, den wir hier betrauern. Viel zu früh freilich traf ihn diese Botschaft, viel zu früh für seine theueren Angehörigen, die ja von feiner liebevollen, hingebenden, zärtlichen Sorgfalt so viel zu erzählen haben, viel zu früh für die zahllosen Freunde und Verehrer, die ja von der Gediegenheit seines Charakters, dem Reichthume feines Gemüthes und der Liebenswürdigkeit seines ganzen Wesens stets mit Entzücken und Bewunderung sprachen; viel zu früh für seine Gemeinde und hundert andere Gemeinden mit ihr, deren Angelegenheiten er mit aller Opfersreudigkeit und mit lichtvoller weiser Umsicht erfolgreich besorgte; viel zu früh endlich für den ganzen Kreis aller echt gläubigen Bekenner nuferer heiligen ~Ji£N, wo auch an den Enden der Erde die Mitglieder dieses Kreises zerstreut sich befinden mögen. Doch im Himmel, vor dem Throne des Weltenherren werden Menschenleben nicht gemessen, nicht nach der Zahl der Tage wird ihr Werth berechnet, sondern sie werden gewogen, nach ihrem Inhalte an großen Thaten, nach ihrem Gewichte an verdienstlichen Handlungen wird ihr Werth berechnet. Ein einziger Tag, der ein edles, gemeinnütziges Werk, eine große verdienstvolle Schöpfung zum Inhalte hat, wiegt ein langes, aber in thatenloser Trägheit verbrachtes Dasein völlig aus. Der Verklärte konnte sich aber mit einer Anzahl solcher Tage ausweisen. Wenn nun ein Mann, der durch eine lange Reihe von Jahren von einem großen Kreise mit Recht als Mittelpunkt edlen, frommen Strebens gefeiert wurde, unerwartet vom Schauplatze seiner scgenreichen Thätigkeit abgerufen wird, ist der Eindruck für die weitere Umgebung ein gewaltig erschütternder; für die engere Umgebung aber liegt viel Trost in dem Bewußtsein: Wir genossen so und so viele Jahre die Auszeichnung, daß ein Mann Py PN12" iD D'y itt'N, auf den die Blicke von ganz Israel als seinen Führer und Schützer gerichtet waren, unseren Kreis als Familienhaupt zierte. Wir werden da an die Betrachtung erinnert, die der tJHia an der erwähnten Stelle weiter ansführt: Zu FZIvn CPpP Ni wird dort bemerkt und zwar mit Bezugnahme ans Moses pTn nx iuyt> rpi vbojji nc'orn nty itwi honx ID' Gestern noch wußte er mit der Schwungkraft von Adlerfittigen den Himmel zu erreichen, heute, aber stieß selbst sein bescheidenes Verlangen pl’n UN miyp auf unüberwindliche Hindernisse. Zu dem Satze nen^QN Q'l'lP N^ finden wir die Bemerkung: '1 inyi V&b pnniC D’IN^JE VH PlQllN NQll.li ^NI Q1Q TTP" „Gestern noch wichen in schüchterner Ehrfurcht Engel vor Moses zurück, heute aber, legt er selbst eingeschüchtert das Bekenntniß ab: Ich bin gegenüber dem Unwillen Gottes von Schrecken erfüllt. Der Satz Np DJl Crf? Q'Qin^ wird ferner durch den Vergleich erläutert: pQNN '■Ol DQQ n’PO’J V&5QJ/1 Din IiPy D’IQJ 1>y „Gestern noch wußte der Weise in das Reich der Unüberwindlichen einzudringen, und von dort das unvergängliche Kleinod herabzuholen, heute aber wurde ihm unerwartet alle geistige Macht entrissen. Eine dunkle Vorstellung von solchem unfreundlichen Wechsel wird uns erst möglich an der Bahre eines Mannes, wie der Verklärte war. Wer Gelegenheit suchte, an der unverwüstlich scheinenden Jugendfrische seines reichen Gemüthes sich zu erwärmen, aus seiner unerschütterlichen Willenskraft und eisenfestcn Thatkraft ermunternde Anregung für die eigene Seele zu gewinnen, ein belehrendes Beispiel zn nehmen an der mit Sanftmuth gepaarten ernsten Würde, die der Verklärte allenthalben bethätigte, wo cs galt, das Gute zu fördern und das Böse zu verhüten; wer wißbegierig genug war, um fleißig aus der Fülle geistiger Schätze zu schöpfen, über die der Verklärte selbst verfügte, und die er auch freudig der Mitwelt erschloß, der erinnert sich lebhaft an die angeführten Vergleiche des L711Q. Auch die ferneren Worte dort passen wohl aus den unvergleichlichen Mann, den wir hier betrauern. Zu dem Satze nP DJi IL'y DDiDii Np ]fl C’jni’b wird dort bemerkt: VtPDyi 1'Q'yi H'lL'Q ITH plQllN in n"ipn "b idin vicoyi mail yiv rrn bicnx tcni mpo Im 111 Fplil Das erhebende und stärkende Bewußtsein seines tiefinnigen gottgefälligen Strebens tönte bei dem Verklärten durch in all seinem Thun und Lassen, in seinem gesprochenen wie geschriebenen Worte. Ein schwacher Ersatz für den großen Verlust und geeignete Verherrlichung seines Andenkens ist für uns nur daun denkbar, wenn wir in der Nachahmung des herrlich anregenden Beispieles uns anstrengen, und jeder von uns mit gleicher Freudigkeit, wie der große Verklärte seine Kraft für die Förderung edler, frommer Zwecke einsetzt. Den hartgetroffenen Angehörigen möge Gott Trost und Kraft gewähren, und erhöhten gnadenreichen Schutz angedeihen lassen, Pi PyQ nyei mppN 'i nnei na;1 men yPi .111 'i >1 pNn tye TD* ley nsim ddd Berichtigungen. Tie Rede des Herrn Direktor Dr. M. Hirsch schloß sich unmittelbar an die des Herrn Rabbiner Dr. Marx an und ist nur aus Rücksicht der Raumökonomie von der thatfächlichcn Reihenfolge abgewichcn worden. Red. In Zeile 26, Spalte 2, S. 574, Z. 4, Sp. 1 und Z. 5, SP. 2, S. 575 der Rede des Herrn Rabbiner Tr. Breuer ist statt des FragezeigenS ein Punkt zu setzen. Extrabeilage zu Nr. 32 d. Bl. ist tu der Rede des Herrn Rabbiner Dr. Salseld, Spalte 2, Z. 25 v. o. der Nebensatz: „. . . der meine Bestrebungen, sofern sie seinem Sinne entsprachen, geint die volle Anerkennung widerfahren ließ ..." zu streichen. Die bei dem Trauergottesdienst in der Synagoge gehaltenen Reden der Herren Dr. Sänger und Dr. Bondi, wie auch die der Herren Dr. Buttenwieser, Dr. Kahn und Dr. Schisser folgen in den am nächsten Montag und Donnerstag erscheinenden Nummern. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" und „Jeschurun"Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.