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Der Israelit · 1890-05-01 · Heft 34 (1.5.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 34 (1.5.1890)
Date
1890-05-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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608 Dr. Bloch schrie den sauberen Patron mit den Worten an: „Sie sind ein Missionär!" und wies ihm die Thür. Priluker, überrascht und consternirt, suchte sich erst zu vertheidigen; dochDr. Bloch schmetterte ihn mit den Worten nieder,: „Wenn Sie kein Missionär sind, haben Sie nichts Anderes, Dringendes zu thun, als auf Ihre Kosten eineMissionspredigt herauszugebend Es giebt hier so viele Sehenswürdigkeiten, wie kommt es, daß Sie, kaum zwei Tage in Wien, gerade in eine Missionskirche hineingerathen, um dort eine Predigt zu hören? Sie sind ein MissionärP. war ganz perplex und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Ich hoffe, daß unsere Glaubensgenossen in Odessa, nachdem sie nunmehr den Namen des sauberen Patrons erfahren, ein wachsames Auge auf denselben haben und dafür sorgen werden, daß ihm recht bald die Möglichkeit genommen wird, als „jüdischer Lehrer" die jüdische Jugend zu vergiften und zum Abfall zu verleiten. H. L—r. Wien, 27. April. Angesichts der traurigen Zustände, welche bei uns in Oesterreich herrschen, von welchen auch die in Ihrem Blatte geschilderten schändlichen Ausschreitungen seitens des antisemitischen Pöbels gegen die Juden, das beredte Zeuguiß geben, kommt es leider auf ein oder zwei Gewaltakte mehr oder weniger, welche in unserem Reiche geschehen, nicht an, und dürfte es auch Ihre Leser nicht überraschen, wenn ich von zwei Fällen berichte, in denen jüdische Mädchen vom Hause ihrer Eltern entführt und gewaltsani im Kloster gehalten und voraussichtlich zur Taufe gezwungen werden, wenn nicht die Behörde diesen Schritt verhindert. Der Reichsrathabgeordnete Dr. Bloch hat während kamn 3 Wochen von 2 an verschiedenen Orten wohnhaften Familien in Galizien an ihn gerichtete Hilfrufe erhalten, sich ihrer entführten und in Klöster gewaltsam gehaltenen Töchter anzunehmen. Den ersten Hilferuf erhielt er von den Ehepaaren Lemel und Elka Diller aus Lysznc bei Sansk in Galizien, welche die Mittheilung machen, daß ihre 13jährige Tochter Stachel Diller. die bei den Schwiegereltern in Taruovee bei Krasiczyn, unweit Przmysl in Pflege war, den 19. Januar 1890, während sein Schwiegervater Herr Eisig Lauter mit seiner Frau von der Früh bis Abends abwesend und in Przmysl waren, von den Mägden derselben, unter Entwendung von Effecten im Werthc von 200 st. zum Pfarrerstellvertreter Namens Zemba nach Krasiczyn abgeführt wurde. Herr Lemel Diller. der Vater des Mädchens, kam sofort in Folge telegraphischer Berufung seiner Schwiegereltern nach Taruovee, wo er Anfangs trotz seines eifrigens Recherchtrens keine Erfolge erzielte. Doch schien ihm ein Schimmer von Hoffnung aufzuleuchteu. Der obenerwähnte Pfarrer, der ihm Tag für Tag versicherte, er wisse nicht wo seine Tochter sei, versprach endlich ans das Weinen und Bitten der Eltern des Kindes, ihr Kind am 31. Januar l. I. vorznführen, jedoch unter der Bedingung, daß sie ihm die Versicherung geben, dem Kinde gegenüber nicht zu weinen und im Falle es aus freien Stücken nicht mit ihnen gehen wolle, mit demselben nicht zu rechten. Doch des anderen Tages, als die Eltern um ihr Kind zu umarmen kamen, hatte der ehrenwerthe Priester schon sein gegebenes Wort bereut. Er entdeckte in ihnen die Absicht, wie er sagte, ihre Tochter mit Gewalt mitzunehmen und weigerte sich daher, denselben das Kind zu zeigen. Der Bezirkshauptmann Statthaltereirath Herr Gorocki, ein humaner Herr, an den sich die Eltern wendeten, beauftragte den Gendarmen nach dem Kinde zu fahnden und befahl dem Geistlichen das Kind auszulieferu. Doch Letzterer erwiderte, daß das Mädchen wohl am 19. Januar l. I. bei ihm war, wo es aber jetzt sei, dies wisse er nicht. Eine krasse Unwahrheit, da er es noch am 30. Januar den Eltern vorführen wollte. — Der zweite Hilferuf, der an Herrn Dr. Bloch gerichtet, ist von dem jüdischen Familienvater Jsnmer Hcllmann aus Marjampol. Diesem entfloh seine 16jährige Tochter Inte Lea Hellmann und wurde von dem Gendarmen Zowerski, der in Marjampol stationirt ist, und welcher das Mädchen schon seit Monaten verfolgt und verführt hat, in das Kloster der barmherzigen Schwestern in Marjampol gebracht. Schoit am zweiten Tage nach der Entführung brachten Bauern und Juden den Eltern die Mittheilung, daß ihr Kind fortwährend weine und bitte, nach Hause zurückkehren zu dürfen. Der Vater des Mädchens wendete sich an den k. k. Bezirkshauptmann von Stanislau um Hilfe. Dieser gab dem Vater einen Auftrag an den Postenführer in Marjampol und entsendete später einen Bezirkscommissär ins Kloster. Trotz der zweimaligen Intervention ließ man den Vater die Tochter nicht sehen, er stand jedesmal hinter der Thüre und hörte den Jammerruf seines Kindes, welches bat, nach Hause gehen zu dürfen. Allein man ließ weder das Kind zum Vater, noch selben zum Kinde. Sowohl der Postenführer als auch der Eommissär erklärten, das Mädchen habe angeblich zu Protokoll gegebetk, ihren Vater nicht sehen zu wollen, während er selber seine Stimme vernommen, wie es nach ihm gerufen. In beiden Fällen rufen die Eltern die Hilfe des Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch an, ihnen zu den Theuersten, das ihnen entrissen, zu ihren Kindern zu ver-

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