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Der Israelit · 1890-04-28 · Heft 33 (28.4.1890) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 33 (28.4.1890)
Date
1890-04-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. Beilage ju M 33 ins „Israelit" L „Ieschurun". Leitender Artikel. Literarische Umschau. 8. Unter dem Titel „Die Rhetorik und jüdische Homiletik. In Briefen und Abhandlungen von Dr. Ludwig Philippson" (Leipzig 1890. Grieben.) hat Dr. Kayserling die verschiedenen das obige Thema behandelnden Aufsätze des verstorbenen Verfassers gesammelt, so daß sie in Buchform ein zusammenhängendes Werk über Rhetorik bilden. Als bedeutender Kanzelredner und formgewandter Schriftsteller darf der Verf. als eine Autorität in der Rhetorik angesehen werden, sobald es sich um die allgemeinen Regeln der Redekunst, die der Kanzelredner zu beachten hat, handelt. So find es denn namentlich die ersten sieben Briefe, die wir dem Anfänger empfehlen, und die auch der im Amte gereifte Mann nicht ohne Nutzen lesen wird. Die Lehren, die hier geboten werden, beruhen auf tiefer Kenntniß der menschlichen Seele. Nicht so bedingungslos können wir den Abhandlungen des zweiten Theiles zustimmen, der die „Jüdische Homiletik" behandelt. Die Bestimmung des jüdischen Predigers ist hier recht trefflich aufgefaßt und erläutert: der Verf. erklärt sich gegen diejenigen, die vom Prediger ein ewiges Moralisiren verlangen, er will dem Belehrenden den Löwenantheil einräumen; er räumt der Deraschah meinem der Zeit angemessenen Gemeinde für bestimmte Zeiten volle Berechtigung ein — alles Punkte, denen wir beiftimmen. Allein den in dem vierten Aufsatz „Der Midrasch und die jüdische Predigt" entwickelten Gedanken können wir nicht beistimmen; dem Midrasch wird hier mehr ein dekorativer Platz innerhalb der Predigt zugewiesen, während die Anwendung desselben als Text, als ein Mißbrauch bezeichnet wird — wir halten dieses Urtheil für verfehlt und die angeführten Gründe für unzulänglich. Wäre der Verf. ein ebenso guter Midraschkenner gewesen, als er ein guter Redner war, er würde über die Verwendung des Midrasch als Text anders gedacht und anders geschrieben haben. Von allgemeiner Bedeutung ist die neunte Abhandlung „Die jüdische Kanzel", die eigentlich aus dem Rahmen einer Redetheorie hinaustritt und mehr in das gemeindlich-politische Gebiet, wenn wir uns, so ausdrücken dürfen, gehört; sie will dem Prediger die Redefreiheit wahren und tritt den Censurgelüsten empfindlicher Gemeindevorsteher entgegen, eine Abhandlung, die wir der ungetheilten Aufmerksamkeit des Publikums empfehlen. — „Der jüdische Soldat im DeutschenHeere" betitelt sich eine bei A. Goldschmidt in Hamburg erschienene Schrift, die sowohl durch Ton als auch durch Inhalt geeignet ist, einen wirksamen Eindruck auf die Leser zu machen. Nachdem die bekannten Zurücksetzungen und unhöflichen Behandlungen, welche die zu den Uebungen einberufenen Volksschullehrer zu erdulden hatten, besprochen worden, geht der Verf. zu der Behandlung über, die oftmals die Juden als solche sollen zu leiden haben. Der Verf. scheint aus Erfahrung zu sprechen: ob da die Angaben desselben im allgemeinen zutreffend sind, oder sich nur strichweise bestätigen, und der Verf. das Unglück gehabt hat, gerade in einem ungünstig gelegenen Striche seine Erfahrungen zu machen, laßt sich nicht leicht feststellen. Wir müssen bekennen, daß wir in unserer Gegend nicht Gelegenheit wahrzunehmen hatten, daß der jüdische Soldat eine besonders ungnädige Behandlung zu erdulden hätte. Allein die Zurücksetzung, die dem Juden nicht nur die Offizierskarriere verschließt, sondern ihn nicht einmal zum Unteroffizier avanciren läßt, ist nicht auf einen beschränkt, sondern eine allgemeine in Preußen, daß wir hier nicht im Zweifel sind, daß die Worte des Verf. auch über seinen Erfahrungskreis hinaus Geltung haben. Was der Verf. mit der Schrift will, braucht er nicht besonders in Worte zu kleiden: die Thatsachen sprechen eine beredte Sprache, die keines Kommentars bedarf: sie bitten um Abhilfe. Hoffentlich wird sie kommen, nachdem der Kaiser selbst die Weisung einer gerechten Behandlung der Soldaten hat ergehen lassen und seinen Willen über den Offiziersstand kundgegeben hat, den wir, da nicht von „christlicher Gesinnung", sondern von „christlicher Gesittung" in demselben die Rede ist, nicht im Sinne derer, welche den Juden den Eintritt in den Offiziersstand wehren wollen, auffassen. — Die in Veranlassung des Rabbiners Dr. N. Adler b"sjt vom Dajan B. Spiers in der Hamburger Synagoge zu London gehaltene Gedächtnißrede ist unter dem Titel -n"v nTED bv "iv nspa b"'ü;ron;nj »ndxh p'12 rrn im Druck erschienen. An der Hand trefflich erklärter Talmud- und Midraschstellen erzählt uns der Verf. in einem klassischen Hebräisch das Leben des Verblichenen, das

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