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Der Israelit · 1890-04-24 · Heft 32 (24.4.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 32 (24.4.1890)
Date
1890-04-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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563 Feuilleton. a k 1 u » g e n. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.'» Seit Bärwald obigen Brief erhalten, hatte er den größten Schmerz seines Lebens überwunden, war die schwerste Last von seiner Brust genommen. Der starre Ernst, der sonst säst nie von seinem Angesicht gewichen, hatte einem milden, freundlichen Ausdrucke Platz gemacht und Mittags und Abends, wenn er nach Hause kam aus dem Comptoir, da konnte der ehedem stets trüb gestimmte Mann mit Frau und Kind so heiter scherzen, daß ihn seine früheren Bekannten kaum Wieoer erkannt haben würden. Daß er gleich am folgenden Tage nach Empfang jenes Briefes, an das in New-Z)ork erscheinende Blatt geschrieben und die von Adolf betonten Worte hatte einrücken lassen, bedarf kaum erwähnt zu werden. Er hatte die dringende Bitte hinzugefügt, der Sohn möge ihm seine Adresse mittheilen. Diesem Wunsche hatte Adolf jedoch nicht entsprochen. So lange er nicht, wenigstens einen großen Theil der von ihm entwendeten Summen dem Vater zurückcrstattet habe, so lange, hatte er geschrieben, wäre er nicht werth, daß sein Vater an ihn schreibe. Alljährlich jedoch zum Neujahrsfeste sandte er den Eltern seine ehrfurchtsvollen Wünsche und fügte stets die Versicherung hinzu, daß er seinen Vorsatz treulich halte und als streng frommer Jude lebe. Daß Gott jedoch, in Seiner Gerechtigkeit, ihn noch büßen lasse für die ehemals begangenen Frevel, daß er hart arbeiten müsse, um seinen Unterhalt zu verdienen, daß es ihm jedoch nicht gelingen wolle, Ersparnisse zu machen, durch die er dem Vater zurückgeben könne, was er ihm geraubt. O, wie gern verzichtete Bürwald daraus, fühlte er sich doch so froh, so glücklich in seinen gegenwärtigen Verhältnissen. Zwar war sein Einkommen ein sehr bescheidenes, aber es genügte seine und seiner Familie bescheidenen Bedürfnisse zu befriedigen; die ihm ungewohnte Arbeit als Buchhalter hatte ihn zwar in den ersten Wochen angestrengt, doch sehr bald hatte er sich daran gewöhnt und seine Gesundheit war jetzt fester als je zuvor. Auch Frau Bärwalds ehedem oft schwankende Gesundheit hatte sich gefestigt, die häusliche Arbeit hatte ihr wohlgethan. Und Bella wuchs heran und entwickelte sich so Herrlich. * * Der Unfall, der ihn jetzt getroffen und ihn mehrere Wochen oft unter heftigen Schmerzen an das Zimmer gefesselt hielt, vermochte nicht einmal seinen frohen Muth zu lähmen, seiner heitern Stimmung Eintrag zu thun. Wie er gleich am ersten Abend seiner Frau versichert hatte, der Umstand, daß er durch seinen Unfall gezwungen war, ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen, daß sie sich dadurch werde mehr anstrengen müssen, das schmerzte ihn am meisten. Aber er bemühte sich, ihr seine Pflege so leicht als möglich zu machen, und war recht von Herzen froh, als ihr Schwestersohn, der in der Hauptstadt seinen Studien oblag, sich erbot, sic in seinen freien Stunden darin zu unterstützen. Max Ehrmann war ein blühend schöner junger Mann von nahezu zwanzig Jahren, er studirte Medizin, und pflegte seine freie Zeit im Hause seiner Verwandten zu verbringen. Namentlich war es seine Cousine, die er in sein Herz geschlossen hatte, und der große junge Mann ließ sich von dem kleinen zierlichen Mädchen oft recht derbe Wahrheiten sagen und wenn er, ihrer Ansicht nach, zu lange bei den Verwandten verweilte, dann behauptete sie, er könne nicht fleißig studiren und spornte ihn zu fleißigerem Studium an. Max, obgleich ein geistvoller und überaus gutherziger junger Mann, war in der That ein wenig lässig. Er ließ sich gern von seiner Cousine schelten, aber zuweilen entgegnete er lachend, er habe keine Eile mit seinem Studium fertig zu werden, sie wäre doch noch gar so klein, darum müsse er ohnehin noch lange warten, bevor er sie heirathen könne. Dann konnte die Kleine ernstlich böse werden und konnte Tage lang mit ihm schmollen. Doch als sie ihn jetzt am Krankenlager ihres Vaters sah, stets hilfsbereit, stets bemüht, dem Leidenden Erj leichterung zu verschaffen, oder wenigstens Zcrstreuj ung oder Unterhaltung, da bat sie im Herzen dem großen Vetter manches unfreundliche Wort ab, das sie ehedem zu ihm gesprochen, und sie gelobte sich, nie wieder mit ihm zu schmollen. Hielt sie sich doch überzeugt, und zwar mit Recht, daß ihr Vater noch mehr hätte leiden müssen, wenn Max sich nicht so treu seiner angenommen hätte. Denn einen Wärter zu halten, das erlaubten ihre Verhältnisse nicht, aber wenn sie sich auch noch so sehr anstrengen mochten, so waren ihre Mutter und sie selbst mit vereinten Kräften nicht im Stande, dem Leidenden jene Bequemlichkeit zu verschaffen, die Max allein ihm so oft bereitete. Zwar fürchtete sie auch jetzt oft, daß der junge Mann seine Studien vernachlässige, aber sie wagte es doch nicht mehr, ihn deßhalb zu tadeln. Die Heilung des Bruchs machte gute Fort-

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