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Der Israelit · 1890-04-21 · Heft 31 (21.4.1890) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 31 (21.4.1890)
Date
1890-04-21
Page
– (sequence 20)
Language
German
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556 löchier. Von einem Rest kann man nur dann sprechen, wenn der kleinere Theil einer Anzahl übrig bleibt. Wenn jemand von einem Stück Zeug 1 oder 2 Ellen verkauft, so nennt man das übrige Zeug doch natürlich nicht Rest. Erst wenn man über die Hälfte verkauft hat, kann von einem Rest die Rede sein. Hier blieben nun von Elimelechs Familie, wie schon gesagt, übrig die Wittwe, 2 Schwiegertöchter und 2 Söhne, also die Majorität der Familie und doch sagt die h. Schrift DNti'm, „es blieb als Rest", wie ist das zu verstehen? Dieselbe Frage ist bei den mnj£, den Speiseopfern, aufzuwerfcn. Man hat von den Speiseopfern eine nL'ep genommen, also nur 3 Finger voll und das har man auf den Altar gebracht, die zurückbleibcnde größere Menge der Speiseopfcr atzen die Priester. Und diese größere Menge heitzt mnje mir, also R e st, wie kann inan da von einem Rest sprechen? Diese Frage ist dahin zu beantworten, daß quantitativ hier allerdings die Bezeichnung „Rest" nicht am Platze ist, wohl aber qualitativ, denn die “S'ep war ja geweiht, war also das Hauptsächliche. Und in diesem Sinn meint der Midrasch, ist Elimelech als das Hauptsächliche seiner Familie geschätzt, da seine Hinterbliebenen „Rest" genannt werden. Ganz ähnlich dürste es sich bei N*n*DNi D~.3 verhalten. Es heißt iin Anfang der Erzählung nre “Om , cnnvn v;d nemN sn‘ mpsN Tn* phn Tn. Also von fünf Angcbörigcn der Familie waren zwei gestorben und drei am Leben geblieben, und dennoch werden diese drei, die Majorität, Ucbriggebliebene genannt, eben weil die Verstorbenen vorzüglicher alS die Uebcrlebenden gewesen waren. Run verstehen wir den vorbin erwäbnten von Raschi eitirten Midrasch: Moscheh hat Nadab und Abihu für größer als sich und Ahron gehalten, da ja die h. Schrift die Ueberlcbenden im Verhältnitz zu den Dahingeganaencn als Dmriü als Rest bezeichnete. sstachmanides bemerkt zu dieser Stelle in seiner Schristerklärung: die Sünde des Radab und Abihu habe in dem L'N 7T?>' bestanden, wie es heitzt eD inp” mcr npj? icxn itn po em; irrne itn ri’DN, pnx sie nahmen jeder seine Pfanne, legten daraus Feuer und ihaten daraus Räucherwerk: dagegen heitzt es bei dem Ausstand der Korachitcn, P.“iL;p Cup>’ iC'ü'* und ferner cnnji mcp CHPy, da heißt cs also nicht npy, sondern CH’Ty* Tie Art, in der viachinonides dies darstcllt, beweist, daß hiesür eine natürliche Erklärung ganz am Platze ist. Versuchen wir daher naher in den Sinn einzudringen. Er dürste wohl folgendes sagen wollen: Radab und Abihu legten das mep nicht, wie es in mp P gesagt wird, nrivy aus die Pfannen unmittelbar, sondern aus das Feuer. Sic betrachteten das Feuer als nöthiges Mittel zwischen niDp und nnnc. Nadab und Abihu waren in ihren Eontemplationen sehr weit gedrungen, fehlten aber dadurch, daß sie als Mittel, als t£’N ihre persönliche, feurige Begeisterung zwischen der nnne ihrer Person, und dem mep, der Religion unbedingt nothlvcndig hielten. Nun aber ist's wohl sehr schön und herrlich, wenn der Jude auch durch Wissen und profane Erkenntniß das Medium zwischen sich und seinen himmlischen Vater einzufügen vermag, aber unbedingt nothwendig ist es nicht. Auch bei demjenigen, der ganz ungebildet in Bezug auf wissenschaftliche Dinge ist, kann eine unmittelbare Verbindung zwischen ihm und seinem Gotte statlhaben. Das Verhältnis; Israels zu Gott bedarf eines Mittels nicht, vielmehr ist das Band zwischen Gott und Israel unmittelbar geschlossen. Nachmanides dürfte also gemeint haben, daß die Sünde von N>,-,'2N> znj darin bestand, daß sie ein Medium zwischenGott undJsrael für nothwendig hielten und detzhalb sei die Sühne dafür nach dem Aufstande Korachs in den. Worten ausgesprochen, in denen befohlen wurde DN np cnpy i5D) 'ui L'N my ,m .innen. Aus dieses Mittel komme es bei der hohen Beziehung Israels zu seinem Gotte nicht an. Ter Verblichene selbst hat das Mittel in reichster Fülle, in erhabenster Weise erstrebt und erreicht, Aber sein ganzes! Leben, sein ganzes Wirken ging dahin, darzuthnn, daß so schön und so herrlich eine solche wissenschaftliche Vermittlung auch ist, sic aber nothwendig nicht sei. Er hat durch seine publizistische Tbätigkeit gezeigt, daß das ercdTd cm cdmTn 'id mrenn ensr ein Unmittelbares sein könne, er hat den .kleinsten, der die Erkenntnis; nicht besaß, wie den Größten, der die wissenschaftliche Höhe erklommen, begeistert. Tetzhalb dürste auch die Stelle in der Agada von ihm gelten, in welcher es heißt: R. Jochanan weinte bei dem Verse in Hiob : „Siehe auch dem Heiligen glaubt er nicht." Wem; er selbst dem Heiligen nicht glaubt, wem denn? Da trat er einen Wanderer, der reise Feigen stehen ließ, unreife pflückte und mit sich nahm; da sagte Jemand: Diese sind doch reis, warum nimmst du die unreifen und nicht die reisen? Ja, antwortete er, ich brauche sie auf meinem Wege, die reisen Feigen verdorreit da, die unreifen aber halten sich. Lolche Erkenntniß har meinen unvergeßlichen Schüler erfüllt, er hat sich nicht an die Reisen gewandt, die ohnedies sich schon der strengen Religiösität befleißigten. Er hat diejenigen gepflückt, an sich genommen und durch sein Wort entstammt, die noch unreif waren, und hat sie erfüllt mit seinem Geiste, erfüllt mit seiner Lehre zur Begeisterung für das Judenthum. Aber nicht nur belehrt hat er, nicht nur spornte er Alle zur Frömmigkeit und zinn Wohlthnn an, nein, er mirftc und schasste selbst unermüdlich für die Armen Palästinas, wie auch außerhalb des heiligen Landes, er gehörte zu den hervorragendsten Verfechtern der Interessen der?NT£" piN “’jp, hat Tausende und Abertausende für dieselben gesammelt, unermüdlich, unermattet. So möge er ein ->L'" ppe für uns alle sein, für die Uebcrlebenden, für die greisen wie die jugendlichen Bekenner unseres Gottes, .ees: td Tpe 'n nne; mm men j>td ^Fortsetzung folgt.) Verantwortliche Redaction: Joseph Kahn in Mainz. — Expedition des «JLraeliP und „Jeschurun"Schvttfiraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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