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Der Israelit · 1890-04-21 · Heft 31 (21.4.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 31 (21.4.1890)
Date
1890-04-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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547 leistet werde, obwohl an denselben öfters durch Feiertage der Unterricht unterbrochen wird. Das katholische Oesterreich und mehrere deutsche Mittel¬ und Kleinstaaten, namentlich Bayern und Baden, üben den jüdischen Schülern gegenüber die weitestgehende Toleranz und gestatten ihnen, ohne weiteres, d. h. ohne jedesmalige Erlaubuißeinholung, an ihren Feiertagen von der Schule sernznbleiben. Nur in Preußen sollten der Unterrichtsverwaltnng durch die in einzelnen Gymnasien befindliche große Zahl der jüdischen Schüler so schwierige Aufgaben erwachsen? Glaubt übrigens der Herr Minister, daß die Schule auf die Konfession der Minderheit nicht Rücksicht zu nehmen hat, so möge er in Gottes Atomen den Direktoren der höheren Lehranstalten eine entsprechende Weisung zugehen lassen, wie er es ja schon vor Jahren hinsichtlich der Abitnrientenprüfung gethan hat. Die Juden, die für sich kein Sonderrecht begehren, müssen dann Zusehen, wie sie das an ihren Feiertagen Versäumte nachholen. Die an den religiösen Satzungen Festhaltcnden sind ohnehin daran gewöhnt, für ihre Religion Opfer zu bringen, und werden sich zu trösten wissen, wenn ihre Kinder im allerschlimmsten Falle durch die Hcilighaltung der Festtage ein oder zwei Semester länger die Schule besuchen oder durch Nachhilfestunden die entstandenen Lücken ansfüllen müssen. Nimmermehr aber werden sich die Synagogengemeindeu auf den ihnen vom Unterrichtsminister angedenteten Weg der Gründung von jüdisch-konfessionellen höheren Schulen drängen lassen, weil sie dadurch das ihnen verfassungsmäßig zustehende Recht der Mitbenutzung der öffentlichen Anstalten, zu deren Erhaltung sie beisteuern, tatsächlich preisgeben und ein gefährliches Präjudiz schaffen würden, dessen Konsequenzen sich gar bald auch auf anderen Gebieten geltend machen können." Straßburg, 5. April. Gestern ist hier nach einer kurzen Krankheit und im Alter von 83 Jahren der Oberrabbiner und Präsident des israelitischen Consistoriums, H. Arnaud Aron gestorben. Aus Sulz a. W. gebürtig, hatte er zu Hagenau und Frankfurt studirt, wurde Rabbiner in Hegenheim (Oberelsaß) und bald darauf berief ihn die französische Regierung mit Altersdispens als Oberrabbiner nach Straßburg. Der Verstorbene war eine hochgeachtete Persönlichkeit und ein unermüdlicher Förderer aller Wohlthätigkeits-Werke. Die französische Regierung hatte ihm im Jahre 1868 die Ehrenlegion und Kaiser Wilhelm I. int Jahre 1874 den Kronenorden verliehen. Oesterreich. - Ung. Monarchie. Wien, 30. März. Obwohl wir seiner religiösen Richtung halber sonst nicht zu den Verehrern des hiesigen Predigers Herrn Dr. Jellinek zählen, können wir es uns doch nicht versagen eine Predigt, die derselbe Nipn 'o na ff im Stadttempel gehalten, welche hier große und allgemeine Sensation erregt, in diesen Blättern Erwähnung zu thun. Herr Dr. Jellinek nahm die massenhafte Uebertritte vom Jndenthum zum Christenthum, die seit den letzten Jahren in Oesterreich vorgekommen, zum Thema und indem er konstatirte, daß seit 10 Jahren hier 2210 Taufen von Juden vorgekommeu, geißelte er diese feige Fahnenflucht mit beredten hinreißenden auf die Zuhörer eine mächtige Wirkung hervorbringenden Worten. Wie wir hören hat diese sensationelle Predigt schon ihr Nachspiel, indem das Vorstandsmitglied der israel. Cultusgemeinde, Herr Thorsch, in Folge der Taufe eines weiblichen Mitgliedes seiner Familie, welche die Anregung zur Rede Dr. Jellineks gab, seinen Austritt aus dem Vorstande der hiesigen israel. Cultusgemeinde dem Präsidenten derselben angezeigt. Lö.r. Pefth. Ein Schneidergeselle aus Mähren, der in Wien ins Judenthum sich aufnehmen ließ, wollte in Sreinamauger ein jüdisches Mädchen heirathen. Der Rabbiner wollte die Trauung nicht vollziehen, da nach ungarischen Gesetzen der Uebertritt zum Judentyume nicht gestattet ist. Eultusttiinister Ezaky entschied jedoch, daß, da der Schneidergeselle in Eisleithanien geboren und auch daselbst zum Judenthume übergetreten, er auch in Ungarn als Jude zu betrachten sei. Budapest. Im Abgeordnctenhause trat nach mehrjähriger Pause Jstoczy wieder mit einem Angriff gegen den „Jndenlibcralismus" auf, der bloß reiche Geldprotzen und rechtlose Proletarier schaffen wolle. Es war dies anläßlich der Verhandlung des Gesetzes über die Fabriksbegünstigungen. Der Abgeordnete György erwiderte, Jstoczy habe offenbar keine Ahnung, was der Liberalismus bedeute, denn derselbe wolle eben die Mittelclasse schützen. Finanzminister Wekerle sagte, es sei sehr mißlich, sich mit aus verflossenen Jahrhunderten überkommenen Dingen herumzuschlagen, da die Probleme der Zukunft alle Interessen absorbiren sollten. Erfreulich sei aber, daß Jstoczy in und außer dem Parlamente ganz isolirt dastehe. Darauf replicirte Jstoczy, mau solle nicht glauben, doß er ganz die Sprache verloren habe, weil er so lange geschwiegen. Das bisherige Schweigen der ungarischen Antise-

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