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Der Israelit · 1890-04-16 · Heft 29-30 (16.4.1890) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 29-30 (16.4.1890)
Date
1890-04-16
Page
– (sequence 28)
Language
German
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536 Verdoppele und verdreifache nur immer Deinen Beitrag, - aber erlahme um des Himmels willen auch nicht in Deiner Privatwohlthätigkeit. Beide — Vereins- und Privatwohlthätigkeit sind dringend nöthig. Denn siehe meine Liebe! Tie Aufgabe der unermeßlichen 'Noth zn steuern ist eine so schwierige, ausreichend ja kaum je zu losende, daß Vcrcinshilse allein nicht ansreichr, daß die Privatwohlthätigkeit der Einzelnen absolut nicht zu entbehren ist. Einigermaßen entsprechende Hilfe ist bei dem so mannigfachen zn jeder Zeit und an jedem Drte austretenden Elend nur zu erhoffen, wenn neben der Eentralisirung, jeder Einzelne, sich verpflichtet fühlt der 'Noth, dem Elend bciznspringeu, Ivo und wie immer es ihm entgegentritl. '.K it r a u s gleichzciti g c r, sich gegenseitig e r g ä n z e nd e r T h ä t i g keit beide r i st E r s p r i e ß l i ch e S z tt e r w a r t e u. Beide haben ein überreiches Feld d e r T h a t i g k c i t. Ueberall wo größere Beträge nöthig sind, wo es sich z. B. darum handelt, ganze Familien oder Einzelne auf längere Zeit zn unterstützen, wo Eentralorganifationen geschaffen werden sollen zur Bekämpfung der Noth im Allgemeinen, zur Beschaffung von Arbeit, von Stellen u. s. w. bei plötzlich auftretendcn Ealamitäten u. s. w. -- kurz überall wo Privatwohlthätigkeit nicht ansreicht, nicht ausreichen kann, hat die Vereinsthätigkeit ergänzend einzutreten. Es gibt andrerseits aber eine unendliche Zahl, neunen wir sie acuter Fälle, wo schon geholfen werden muß, ehe der VereinSaPparat nur in Bewegung gefetzt werden, ehe der Verein die Sache überhaupt „in die Hand nehmen" kann. 'Andere dauern so lange, daß sie schließlich auch der Vereinsthätigkeit wiederum entwachsen, und doch noch der Hilfe bedürfen. In allen diesen und ähnlichen Fällen kann die Privatwohlthätigkeit absolut nicht entbehrt werden. Soll der hungernde Wanderer, soll das hungernde frierende Kind, dessen „opulentes" Abendmahl den Magen leer und knurrend zurückgelassen hat, wenn er am andern Morgen aus dem Schwächeschlafe hungernd und frierend erwacht, bis 10 oder 11 warten bis sich das Vereinsbüreail ihm öffnet, und wird es sich auch ferner öffnen, wenn er Morgen und Uebermorgen wiederum anpochen muß au seine Pforten? Es ist deßhalb ein wahres Verbrechen an 'Noth und Elend, wenn man, wie cs leider nicht selten geschieht, unter einseitiger Hervorhebung der Vereine, die Privatwohlthätigkeit für überflüssig oder gar in die Acht erklärt. Ist man darin ja so weit gegangen einen Landmann zu einer Geldstrafe zu verurtheilen, weil er einem Bettler, der in einem der letzten Winter hungernd und frierend an seine Thüre gepocht ein Almosen gereicht! Sieht man denn nicht, daß man außer dem Hohn auf die werkthätige Menschenliebe, der Wohlthrigkeit überhaupt die Ader zu nnterbinden Gefahr läuft? A'ekurrirt die Vereinswohlthätigkeir in letzter Linie doch auch nur auf die Wohlthätigkeit des Einzelnen! Drum verdopple und verdreifache nur immer Deinen Vercinsbeitrag, laß aber um des Himmels willen Dir Deine Privatwohlthätigkeit nicht vergellcn. Vergiß niemals: Hunger thut weh, Frost thut weh. Jammer und Elend verlangen dringend auch der -Wechlthätigkeit der Einzelnen. Steuere redlich bei zu allen Wohlthätigkeitsvereinen, aber weise keinen Bettler weg von Deiner Thüre! „Aber Betteln ist ja ein Laster, ein Vergehen und dem sollte ich Vorschub leisten!" 'Nein Liebe! Tausendmal Nein! Betteln ist kein Verbrechen. Betteln ist in erster Linie ein Unglück, auch der sogen. Gewohnheitsbettel in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle. Betteln ist keine selbstständige K r a n k h e i t, Betteln i st nur Folge, i st e i n S h m pt o m d e r N o t h kl U d N o t h ist die vielleicht weitverbreitet st e K r a n k h e i t d e s M e u i ch e n g e s ch l e ch t e s. Und so wie das eigentliche Heilvbjekt der Wissenschaft die Krankheit und nicht das Spmptvm, wie der ein schlechter Arzt, ein Charlatan ist, der sein Hauptaugemerk auf die Unterdrückung der Symptome und nicht auf die Heilung der Krankheit selbst richtet: so heilen wir vor Allem die Pc oth, d ann wird ih r läst i g e s S hmpto in, der Bettel, schon von selbst verschwinden. Thun wir also Alles, was in unsern Kräften steht, um die Noth aus der Welt zu schaffen: Sorgen wir für gute intellectuelle und moralische Bildung der sog. Massen, stützen wir den wirthschaftlich Strauchelnden, verschaffen wir lohneude 'Arbeit dem unverschuldet Feiernden, heilen wir den Kranken, stärken wir den Schwachen, verschaffen wir Nahrung dem unverschuldet Huiigernden und Wärme dem Frierenden mit einem Worte: lösen wir die soziale Frage! Hüten wir uns aber, vor ihrer entgiltigen, allen den uiannigfachen, oft sich gegenseitig bekämpfenden 'Ansprüchen Genüge leistenden, Lösung — und das kamt ja dauern bis ans Ende der Tage und sehnsüchtig harret ihrer die Menschheit wie eines neuen Messias - hüten wir uns bis dahin dasjenige Mittel, das bis zu den uiientbehrlichsten der menscheiigcsellschaftlichen Pharmakopoö gehört, hüten wir uns die Humanitatsidee, die reine Menschenliebe, das Mitleid oder noch besser das Gefühl der Pflicht, überall zu helfen, wo 'Noth und Elend und Jammer uns entgegcntritt, zu diskreditiren oder gar zu untergraben. Heilen wir die 'Noth — aber werfen wir keinen Stein auf ihren unglücklichsten bejainmernswerthesten Boten — den Bettler! Heilen wir die 'Noth — aber sperren den Bettler nicht zu Dieben und V e r b r e ch e r n i n s G e f ä n g n i ß! Arllhmogriph. 3 4 5 6 6 2 «Hebräisch.) 7 Ein Beamter Davids. Ein Sohn Jacobs. Eine Blume. Ein berühmter Jager. Ein Fluß Palästina's. Eine Banmfrncht. Eine Prophetin. senkrecht, wie auch wagrecht, ergeben den Namen eines Hosbeamten Davids. Wilhelm Löffler aus Budapest. Die Buchstaben 1 Auflösung des Räthsels in voriger Nummer: 1) Pekach. 2) Elbaal. 3) Tchalrnenasar. 4) Artachschaschta. 5) Chosra. 6) Hoscheah. Verantwortliche Redaction: Joseph Kahn in Mainz. — Expedition des „Israelit" und „Jeschurun"Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbnchdrnckerei-Actien-Gesellschaft in Maim.

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