Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 29-30 (16.4.1890)
- Date
- 1890-04-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXi. Jahrgang. M29 & BO* Israelit.« Ieschar»». 3riUd)iift jue Förderuilg B. Geistes unö jiid. Kevens in Ans. Gmeinde nnh Klhnie. Kenlrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 10. April 5650 (1890). Dr. Markus Fehmann. Rabbiner der isr. Religionsgesellschaft, Begründer und Chefredakteur des „Israelit". Mainz, 14. April. Wenn die dieswöchentliche Doppelnummer des „Israelit und Jeschurun" in die Hände unserer geehrten Leser gelangt sein wird, werden die meisten derselben schon durch den Telegraph die erschütternde Nachricht empfangen haben, daß ,^1-un mn p»ony^ m Dontöon imi ,i“wbi Genien ,Gütern iw unser hochverehrter und hochgeschätzter Herr Rabbiner Dr. Markus Lehmann, Begründer und Chefredakteur dieser Blätter nach dreimonatlichem schweren Leiden heute Morgen 10 Uhr von seiner thatenreichen irdischen Laufbahn abberufen worden ist. Mit Angst und Zittern ergreifen wir die Feder in dem Bewußtsein der überaus schweren Pflicht, das Leben, die großartige, in unserer Zeit fast beispiellose Wirksamkeit des theuern Dahingeschiedenen und den unermeßlichen Verlust, den wir und die Welt durch seinen Tod erlitten, zu schildern. Werden wir die in uns auffteigenden Gedanken der Wehmuth und der tiefen Trauer in die richtigen und passenden Worten zu kleiden im Stande sein, angesichts eines solchen herben Schlages, der uns nach Gottes weisen Rathschlüssen getroffen? Haben wir doch die Aufgabe, nicht allein dem unendlichen Schmerz, von dem seine Hinterbliebenen, seine Gemeinde und wir, sondern auch das ganze Judenthum und insbesondere das orthodoxe ergriffen sind, beredten Ausdruck zu verleihen! Dr. Lehmann! Wo auf dem weiten Erdenrund, im Norden und Süden, im Osten und Westen, ist dieser Name in jüdischen Kreisen nicht bekannt? Seit drei Jahrzehnten, während welcher der Dahingeschiedene mit aller Kraft und mit seinem ganzen Sein, mit seiner großen Gelehrsamkeit und seinen umfassenden Kenntnifsen für die Interessen unserer heiligen Religion eingetreten, ist sein Ruf und sein Ruhm bei allen unseren Glaubensgenossen der Diaspora, welcher religiösen Riätung sie auch angehören, immer mehr gestiegen und immer mehr zur Anerkennung gelangt, und darum wird auch die Trauer um ihn keine familiäre, keine örtliche, vielmehr eine allgemeine sein, und gleich unserem großen Lehrer ntera können wir, ohne Uebertreibung, die in der dieswöchentlichen rmD zu verlesenden Worte ausrufen: iwx hd-ibm n« raa» ^Miier rvn to '“t „Ganz Israel betrauert und beweint diesen htntrz -w, diesen Geistesfürsten und Großen in Israel." Wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn wir behaupten, daß das Judenthum in dem letzten Vierteljahrhundert keinen größeren, thatkräftigeren, in seiner Wirksamkeit innerhalb des Judenthums erfolgreicheren Mann aufzuweisen hat als Dr. Lehmann, dessen Thaten ein großes Blatt in der jüdischen Geschichte dieses Zeitraumes einnehmen werden. Werfen wir einen kurzen Rückblick auf die letztverflossenen drei Decennien und auf die religiösen Zustände, wie sie damals im jüdischen Lager herrschten. Kühn erhob die Reform ihr Haupt, die neologeu Rabbiner beriethen in Rabbinerversammlungen und Synoden, wie sie das Erbe unserer Väter, die heilige, alle Zeiten und Verhältnisse überdauernde, von Gott auf dem Sinai uns überkommene schriftliche und mündliche Lehre umzugestalten vermöchten. Kein Wunder, wenn der Abfall von der h. Religion immer größere Dimensionen annahm und ein großer Theil des irregeleiteten Vol-