Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 27-28 (3.4.1890)
- Date
- 1890-04-03
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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499 höchsten Schmeichelworte des Predigers, noch Jngendgottesdienste mit allem nur erdenklichen Ponip der Neuheit. Wir können uns darum keineswegs für die Meinung erwärmen, als wenn diese Einrichtung der Neuzeit doch eine Zukunft hätte. Wir meinen: Jeder Gottesdienst muß nicht nur ein Gottesdienst für die Alten, sondern auch für die Jungen sein, Mb 'n an ’r -j*?a u’jpm unyjD. Jeder Gottesdienst hat auch die Jugend zu berücksichtigen, wie denn auch in den Predigten zur Jugend sowohl wie zum Alter gesprochen wird. Alle sollen theilnehmen und vernehmen die religiösen Heilswahrheiten und darnach ihr Leben einrichten. Doch alles Erkünstelte, das Entfernen vom Althergebrachten, und dazu zählen wir auch die Einführung von gesonderten Jugendgottesdiensten an den Sabbatnachmittagen, hat erfahrungsgemäß für die Dauer sich nicht als segensreich erwiesen. Selbst derEinwaud, daß der Dispens vom Schulunterricht am Sabbat früher eher zu ermöglichen gewesen als jetzt, und also ein Ersatz für den Hauptgottesdienst am Sabbat nothwendig erscheine, kann als stichhaltiger Grund, wie weiter unten erörtert werden soll, nicht angesehen werden, weil auch hierin auf naturgemäßere Weise Abhilfe geschaffen werden kann. (Fortsetzung folgt.» Aus der Schule. Eines der edelsten Ziele, welches die isr. Schule erstrebt, ist das, die Schüler dazu zu veranlassen an dem Gottesdienste thätig theilzunehmeu. Dieses setzt voraus, daß auch die Religionslehrer regelmäßig im Gotteshause erscheinen und dort das vorgeschriebene Gebet verrichten. In größeren Gemeinden, wo der Gottesdienst in der Synagoge alltäglich zweimal abgehalten wird, sollten deshalb 1. die Religionslehrer verpflichtet sein, selbst diesem Gottesdienste regelmäßig beizuwohncn und 2. die Eontrole und Aufsicht über ihre Schüler und deren Erscheinen und Verhalten im Gotteshause führen. Nichts unterstützt den Ncligionsnnterricht mehr, als der Besuch des Gottesdienstes. Hier kann das Kind die Theorie des Religionsunterrichts theilweise praktisch verwerthen, hier fühlt es sich eins mit den Seinen, ein Mitglied der Gemeinde, ein Nachkomme unserer großen und heiligen Ahnen. Aber cs muß sehen, daß der Lehrer selbst seine Worte in Thaten umsetzt. Das Gotteshaus muß nicht nur am Sabbat, sondern auch an Wochentagen zur Gebetszeit das Ziel sein, wohin der Religionslehrer seine Schritte lenkt. Aller Religionsunterricht verliert seinen Werth, wenn er nicht auch in die Praxis übertragen wird, und darum fordern wir ein regelmäßiges Erscheinen und Theilnehmen von Lehrern und Schülern beim Gottesdienste. Wir kennen Religionsschulen in Landgemeinden, wo die Verhältnisse den täglichen Gottesdienst in der Synagoge nicht gestatten und wo der Lehrer seine Schüler nach Beendigung des Unterrichts zum Gebete in der Schule veranlaßt und gemeinsam mit denselben das Mincha- und Maariwgebet verrichtet. Der Segen solchen Thuns folgt der That auf dem Fuße; denn eine heilige Weihe ruht alsdann auf der Schule und aus dem Unterrichte; Kinder und Lehrer betrachten alsdann den Religionsunterricht, den Unterricht im Hebräischen als das, was er wirklich sein soll, als einen Gottesdienst der Jugend, der sie vorbereitet, Theil zu nehmen am allgemeinen Gottesdienst der Erwachsenen im Gotteshanse. Unser ganzes Leben sei ja dem Dienste Gottes geweiht, deßhalb sollen wir frühe beginnen, Gott zu dienen, denn „Jung gewohnt — alt gcthan!" Civis. Aus den Lehrervereinen. Aus der Pfalz. Post festum. Am 25. Dezember 1889 versammelten sich die israelitischen Lehrer des Rabbinatsbezirks Zweibrücken zu einer freien Konferenz. Ein allgemeiner israelitischer pfälzischer Lehrerverein besteht bisher noch nicht. Hier stehen sich überhaupt die Lehrer aus den verschiedellen Rabbinalsbezirkeu fremd gegenüber. Der Eine kennt den Andern nicht, und es ist deßhalb wünschenswerth, vielleicht auch möglich, daß der Lehrerverein sich über die ganze Pfalz ausdehnc. Doch gut Ding will Weile haben; der Anfang ist gemacht und h"»"n wird es schon gelingen. — Um 11 Uhr wurde die Konferenz eröffnet, und mit herzlichen Worten begrüßte unser allverehrter Rabbiner Dr. Mayer die anwesenden Lehrer, sowie die Vertreter der israelitischen Eultusgemeinde Zweibrückeu. In der Begrüßungsrede stellte Herr Beziiksrabbiner sich gleichsam als College vor, indem derselbe in seiner humorvollen Rede mit treffenden und kernigen Worte bemerkte, daß ja auch ein großer Theil der Wirksamkeit des Rabbiners der Neuzeit der Schule angehöre. Der Zweck der heutigen Eonferenz sei, so führte Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer weiter aus, l. Feststellung eines Lehrplanes für den isr. Religionsunterricht an der Volksschule 2. gegenseitiges Kennenlernen der Lehrer des Rabbinatsbezirkes selbst, (was bisher