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Der Israelit · 1890-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1890)
Date
1890-04-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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i .lM -jiibjumi.ju I JJjWJJ.ft 487 erlangt haben könne, aber auch keine Veranlassung dazu, da ihm ja faktisch das Kommissorium übertragen worden sei. Das „Berl. Tagbl." gibt diese Mittheilung wieder, wie sie ihm zugegangen, in der Hoffnung, daß sie Gelegenheit zu einem Dementi von zuständiger Seite geben möge. Aus Breslau wird „ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels" sogar unter hebräischem Titel versendet. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß diese Sendung von der Missionsgesellschast ausgeht, welche die Proseiytenmacherci handwerksmäßig betreibt. Oesterr. - llngar. Monarchie. Wien. Angesichts der unerhörten Persidie, mit welcher die Herren Lueger, Türk und Genossen den berüchtigten Prozeß von Tisza-Eszlar agitatorisch auszubeuteu sich nicht schämen', dürfte es umsomehr von Interesse sein, ein Urtheil über jenen Prozeß von einem Manne zu vernehmen, welcher jahrelang an der Spitze des ungarischen Unterrichtswesens stand, das Volksschulwesen in Ungarn aus das europäische Niveau gehoben hat; der nicht blos als Politiker im Dienste des Staates, sondern auch als hervorragender Gelehrter an der Spitze der ungarischen Akademie der Wissenschaften glänzende Thaten vollbrachte. A u g u st von Tresort, der langjährige Enltus- und Unterrichtsminister, stand, wie viele andere Führer der alten Deak-Partei, in freundschaftlichen Beziehungen zu dem berühmten Schriftsteller Herrn Dr. Gustav Ritter von Schlesinger in Wien. Dr. Gustav Ritter von Schlesinger war in den ersten Kreisen Budapests als ein Freund Ungarns und des ungarischen Volkes wohlbekannt und geschätzt. Er hatte Jahre hindurch nach vielen Richtungen besonders aber publicistisch das Recht Ungarns mit warmem Eifer verfochten und vermittelte persönliche Beziehungen zwischen den leitenden Männern der Deak-Partei mit Kaiserfeld und jeinen politischen Freunden. Als der Tisza-Eszlaer Scandal sich abspielte, stand Herr Gustav Ritter von Schlesinger nicht an, gegenüber dem damaligen Cultusminister von Tr e fort seiner Entrüstung über diese Vorgänge brieflich Ausdruck zu gebe». Er erhielt hieraus nachstehendes der „Oesterr. Wochenschrift" im Originale vorliegendes Schreiben, welches wir den Herren Lueger, Türk und Genossen zur freundlichen Beherzigung vorlegeu: Pesth, am 8. Juli 1883. Lieber Freund! „Wenn ich Ihren Brief vom 22. v. M. bis jetzt nicht beantwortet habe — bitte ich darin weder Mangel an Höflichkeit, noch Mangel an Theilnahme zu sehen. — Es gibt Materien, die man im Rahmen eines Briefes nicht erschöpfen kann und einige Bemerkungen hingeworfen, führen nur zu Mißverständnissen. Ich begreife, daß der Nyiregyhazaer Prozeß Sie und alle Ihre Stammesgenossen im hohen Grade ausregt. Mich ekelt die Sache an. Ich lese die Verhandlungen nicht — das Ganze ist eine kolossale Stupidität. Juden und Christen haben sich in dieser Affaire von allem Anfang dumm beuommen. Ich bin als Minister und als Mensch der Vertheidiger der allgemeinsten Gleichberechtigung, sie ist die Grundlage des politischen Gebäudes in ganz Europa — folglich ist der Antisemitismus, der Rechte nehmen will, ein Unsinn. Diese Judenhetze ist eine Bestialität.- Traurig für ein Jahrhundert, das die Prätcnsion hat, ein Jahrhundert der Wissenschaft zu sein. Wir Beide sind nicht Schuld daran, daß es so geht — also bleiben Sie ruhig. Mit Schluß des Jahres 1884 wird Niemand mehr vom Nyiregyhazaer Prozeß reden. Nichts ist wahrer als der französische Spruch: tont lasse, tout casse, toiit passe. Leben Sie nur recht wohl. Ihr herzlich ergebener Tresort." Palästina. Jerusalem, 28. Schcbat. Der Rechenschaftsbericht der Gesellschaft Lrmj miy über die verflossenen acht Monate gibt wiederum eine ausführliche Schilderung über die segensreiche Wirksamkeit dieser Gesellschaft. Zehn neue Häuser, in denen 45 arme Familien Wohnung gefunden, wurden errichtet und als Miethebeistener 9310 P. bezahlt; im Ganzen hatte der Verein, dessen Thätigkeit auf verschiedene Gebiete der Wohlthätigkeit sich erstreckt, eine Ausgabe von 100763 P., denen eine Einnahme von 96828 P. gegenüberstehen, schließt also mit einem Deficit von 3935 P. ab. Die Gesellschaft hat sich schon längst die volle Sympathie alle Zionsfreunde erworben und verdient daher mit Recht die nachhaltige Unterstützung derselben. 7 7 ■ i

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