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Der Israelit · 1890-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1890) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1890)
Date
1890-04-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. Erfte Beilage M.4» 27 & 28 des „IsraM" L „Ieschurun". Leitender Artikel. MeGillMmgdesNerrnNillib.vr.K.Kreüer in sein Amt als Rabb. der israel. Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. (Telegraphischer Bericht des „Israelit und Jeschurun".) Frankfurt a. M., 2. April 1890. 8. Heute Mittag betrat der bisherige Oberrabbiner zu Papa, Dr. S. Breuer, die Stadt seines neuen Wirkungskreises. Eine Deputation der Religionsgesellschaft, 'bestehend aus zwei Mitgliedern des Vorstandes und einem Mitgliede des Ausschusses und dem Dajau waren dem Rabbiner schon bis Aschaffenburg zur Begrüßung eutgegcngefahren, während eine andere Deputation denselben hier an der Bahn erwartete. Abends 63/4 Uhr fand nun die feierliche Einführung in der blumengeschmückten, festlich erleuchteten vollgcdräugteu Synagoge statt. Nachdem der Chor das mo no gesungen?, betrat der Rabbiner vom Gesammtvorftaude geleitet, das Gotteshaus, begrüßt vom Chor mit dem Gesänge >on Tna. Hierauf wurde minb tdtd gesungen und nach Schluß dieses Lüdes der Rabbiner durch Herrn Em. Schwarzschild im Namen des Vorstandes mit einer an denselben gerichteten kurzen Ansprache begrüßt. In derselben warf der Redner einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Religionsgesellschaft; die Zeit der Einführung Rabbiners Husch vor 38*/2 Jahren mit der Gegenwart, der Zeit der Einführung seines Nachfolgers, vergleichend, dann wandte sich derselbe an den Rabbiner ihm den Dank für die Annahme der Mahl ausdrückcnd, und mit dem Willkommensgruß der Ueberzeugung Ausdruck gebend, daß der Rabbiner das Vertrauen, das man in seine zukünftige Wirksamkeit setze, auch rechtfertigen werde. Nachdem der Redner daun noch die Gemeinde aufgefordert hatte, das Vertrauen, das sie durch die Wahl dem Rabbiner cntgegeugebracht, auch in der Zukunft bethätigen möge, schloß er seine wirkungsvollen Worte: „Indem wir Sie, hochverehrter Herr Rabbiner, in Ihr Amt hierdurch eiusetzen, bitten wir den allgütigen Vater im Himmel, daß er unsere gemeinsamen Bestrebungen zur Ehre seines heiligen Namens in seinen mächtigen Schutz nehmen und sie gelingen lassen möge." Aller Blicke richteten sich jetzt gespannt nach der Kanzel, die Herr Rabbiner Breuer nun betrat, um seinerseits das herzliche Willkommen, das ihm die Gemeinde geboten, zu beantworten. Es war eine Rede ebenso formgerecht wie reich au geistvollem Inhalt, die, unterstützt von einem klangvollen Organe, das bis in dem letzten Winkel des großen Raumes der Synagoge zur Geltung kommt, mit Macht die Hörer packre und einen gewaltigen Eindruck hervorrief. Anlehnend an den Thoras-Kohanim, der dieWorte des Wochenabschnittes mion znp als eine von Moscheh an Aharon besonders dringend gegebene Ermuthigung auffaßt, der sich fürchtete das Priesteramt zu übernehmen und, der vor dem Altar scheu zurückgewichen sei, da dieser die Gestalt eines Stieres anznnehmen schien, legte der Redner dar, wie auch ihn die Augst vor der Verantwortung, welche eine Stellung wie die hiesige dem Führer auferlege, ergriffen, als an ihn der Ruf nach hier ergangen. Allein, weil er diese Verantwortung fühle, weil er sich der Schwere seiner Aufgabe bewußt sei, darum glaube er sie mit Gottes Hilfe lösen zu können, und gerade, daß er der Nachfolger seines großen Schwiegervaters y'xr sei, das erleichtere ihm die Annahme des Amtes. Moscheh bedachte sich sieben Tage, nachdem der Ruf Gottes an ihn ergangen war, Führer des Volkes zu werden, Josua bedachte sich gar nicht und nahm die Führerschaft gleich nach dem Anerbieten aus der Hand Moschehs entgegen. Moscheh hat die schwere Aufgabe gehabt, dem Volk die Thora zu bringen, den Boden für dieselbe zu bereiten, alle Hindernisse fortzuräumen, er mußte lauge zögern, ehe er das schwierige Amt auf sich nehmen konunte; Josua fand die Schwierigkeiten besiegt, den Boden bereitet, er konnte mit Recht bei Uebernahme seines Amtes, das nur der Erhaltung galt, mit Recht ausrusen: ivpb min inw 'n ynn ntpo T3 btOB'1 „Gelobt sei Gott, der seinem Volke Israel die Thora bereits durch Moscheh gegeben hat", so daß er bei seinem Amtsantritte das Schwierige überwunden vorfiude. Und gerade, weil die Zeitgenossen, welche Moscheh mit der Sonne, Josua mit dem Monde vergleichen, sich über den großen Abstand, der zwischen beiden Führern herrschte, sich klar waren: so konnte Josua um so leichter sein Amt antreten, als er sicher war, daß man an ihn nicht die Anforderung der großartigen Thaten stellen werde, wie man sie von Moses gewohnt war, deßgleichen, wie man ja wußte, nicht wieder

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