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Der Israelit · 1890-03-24 · Heft 24 (24.3.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 24 (24.3.1890)
Date
1890-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. M 24. Israelit »* Jeschurun. ZkNslhüftW FSrderllllg inö. Grlstes miö jöö. ftftctts in Mus. GrmlM uud Kchule. Kenlrat-Hrgan für das ortfiodore IudenLhum. Herausgegeben von Dr. Lehman« iu Mainz. Mo>tag, den 24. März 8«S0 (48S0). Da mit dem 1. April 1890 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Leitend er Artikel. OrWimIe. Auftlöruns uud Bildung. Von Jsaac Hirsch. VI. Wir begegnen dieser Unklarheit überall, wo man den Standpunkt der Wahrheit in Wissenschaft und Leben verläßt, wo man dasorthodoxe J^deu»« tyum verleugnet und gleichwohl für die Wissenschaft des Judenthums, für die Hebung jüdischen Geistes, für die Förderung jüdischen Lebens zu wirken vorgibt. So kann man sich kaum ein kläglicheres Schauspiel denken als die Verhandlungen und Beschlüsse der Rabbiner und Lehrer, die unter der sinnlosen Devise „Ausschluß der religiösen Differenzpunkte" über religiöse Angelegenheiten in Berathung treten wollen. Beispielsweise fei nur auf die famose Rabbinerversammlung vom Juni 1884 und die Lehrerversammlung vom December 1884, beide zu Berlin, hingedeutet. Achtundsechzig Rabbiner, welche die Anmaßung besaßen, unter dem Namen einer Versammlung „der deutschen Rabbiner" zu tagen, wollen die „Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes und zur Förderung des Religionsunterrichts" erwägen und feststellen. Sie wollen einen Verband von Rabbinern gründen, „um durch den Zusammenschluß ihrer Kräfte die heiligen Pflichten ihres Berufs desto wirksamer erfüllen zu können." Nichts als eitel Humbug und Phrase, um so hohler und leerer, als diese achtundsechzig Rabbiner so zerfahren und unklar über den Begriff des Judenthums und sich dieser Zerfahrenheit und Unklarheit selbst bewußt sind, daß sie von vornherein einer jeden Erörterung über den Inhalt der jüdischen Religion vorbeugten, indem sie als obersten Grundsatz für ihre Berathungen jegliche Erwähnung religiöser Differenzpunkte verpönten. Zu diesen Differenzpunkten zählten sie auch das Werkverbot am Sabbat! und so sprachen sie denn auch fortwährend in allgemeinen Phrasen von der jüdischen Aufgabe, der jüdischen Geschichte u. s. w. aber ÄLilcibe MMder jüdischen Pflicht zur Erfüllung der Gesetze des Judenthums. Der Referent entwarf ein klägliches Bild von dem Verfall des religiösen Sinnes und Lebens, wagt aber um des Himmels Willen nicht, genau anzugeben, worin dieser Verfall eigentlich bestände, wagt auch nicht den Au.tsbrüdern wirklich substanziirte Vorschläge zu unterbreiten aus Angst, dieselben zu verletzen, da man ja wisse, wie verschieden ein Jeder von ihnen sich den Inhalt der jüdischen Religion vorstelle, ein Jeder müsse nach seinem Parteistandpnnkte handeln. Sv einigten sich denn die 68 Männer über ein Paar bedeutungslose Sätze, welche ebensowohl von christlichen und muhamedanischen Priestern ausgesprochen werden könnten, ja welche mutatis mutandum auf jeden anderen Gegenstand anzuwenden wären. Und die Directoren, Lehrer und Rabbiner, welche als jüdische Schulmänner zusammen tagten, wollten einen Normalplan für den Religionsunterricht feststellen und schlossen von vornherein ebenfalls jede Erörterung über die Religion aus, weil keiner darüber genauen Bescheid zu geben vermochte oder weil Jeder wußte, daß sein Nachbar darunter etwas ganz anderes verstand als er. Wahrlich, es ist keine kühne Behauptung, daß unter der Aegide der Reform eine solche Zerfahren-

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