Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1890)
- Date
- 1890-03-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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414 (1614—16) vieles Aktenmaterial der Gemeinde zu Grunde gegangen, der dürftige Rest desselben mit dem neu hinzugekommenen ging bei dem großen Brande zum großen Theil 1711 verloren, so war man nur auf die 1796 neu abgefaßten Statuten und eine ältere Urkunde von 1654 angewiesen. Es ist aber unzweifelhaft, daß schon früher Statuten bestanden. Nach einer Ueberlieferung soll der Rabbiner der Gemeinde, R. Jesaiah Hurwitz OWbO, der kurz vor dem Fettmilch'schen Aufstande hier fungirte, Mitglied der Chewra gewesen sein. Eine historische Notiz im Zemach David weist auf R. Akiba Frankfurter als auf den Begründer der Bruderschaften hin (niö*pn l^nnn uddi) hin; allein dies wird Wohl dahin zu verstehen sein, daß er die bereits bestehenden Bruderschaften in feste Formen brachte. Eine wichtige Urkunde bilden die silbernen Becher, die bei dem großen Vereinsesseu den Tisch zieren, unter welchen solche sind, die einen großen Werth repräsentiren. Namentlich ist es einer eine Burg darstellend, die von Eckthürmen flankirt ist, welcher von allen Alterthumskcnuern bewundert und zu den künstlerisch großartigsten Werken der Silbcrschmiedekunst des 16. Jahrhunderts gezählt wird. Diese Becher zeigen nun auf kleinen Schildchen die Namen der Mitglieder, die, wie noch heute üblich, bei dem Eintritt mit Symbol und zumeist Jabreszahl und Monatsnamen, auf denselben eingravirt wurden. Das Symbol bestand in früherer Zeit aus dem Familienwappen oder dem Namen des Hauses in der Judengasse, das das betreffende Mitglied bewohnte — jedes Haus hatte über der Thür ein Bild in Stein ausgehaueu, wonach dasselbe benannt wurde —, in späterer Zeit fügte man der Inschrift im Becher das Sternbild des Monats, in welchem der Eintritt erfolgt war, bei. So sind wir durch diese Becher im Besitz der Namen der Mitglieder vom Jahre 1617 bis aus die Gegenwart, die der Vers, des historischen Anhangs in zeitlicher Reihenfolge gibt. — Früher durfte die Zahl der Mitglieder der Bruderschaft Gomle Chassadim die Zahl von 18 ('"n vj03) nicht überschreiten; da aber die Ausdehnung der Stadt und die Vermehrung der Gemeinde eine Verfügung über eine größere Anzahl von Kräften erforderte, wurde die Anzahl der Mitglieder auf das Doppelte erhöht. Dieser kurze Geschichtsabriß wird auch dazu beitragen, den Jrrthum zu beseitigen, der sich bei vielen Neuhergezogenen gebildet hat, die nur die Gegenwart und nicht die Vergangenheit kennen, als ob es je den Reform bestrebungen gelungen wäre, der Thätigkeit der beiden Bruderschaften ein Ende zu bereiten, und es erst der Erstarkung der Orthodoxie in neuerer Zeit gelungen sei, dieselben wiederum zum Leben zu erwecken und gleichsam von neuem zu gründen. Es hat vielmehr die Thätigkeit dieser Bruderschaften nie geruht, und es gereicht gerade jenen Männern, die in der Zeit einer reformsüchtigen Verfolgung lebten, zur größten Ehre, daß sie ohne kräftige Führung, ohne imponirenden Zusammenschluß der streng-religiösen Elemente, allen Stürmen Trotz boten und unentwegt den Pfad gingen, den ihnen ihre Pflicht vorzeichuete. Die kleine Schrift wird gewiß sich viele Freunde erwerben und nicht nur zur Belehrung dienen, wie im Geiste des Judenthums Wohlthätigkeit begriffen, sondern auch geübt wird. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Schlüchtern, 14. März. Am 4. d. Mts. wurden die sterblichen Reste eines ehrwürdigen Mitgliedes unserer Gemeinde zu Grabe getragen. Rabbi Elias Grünst ein, der erst vor 3 Jahren mit seinem Schwiegersohn aus Romsthal hierher übersiedelte, war in seiner Jugend 16 Jahre lang Lehrer in Romsthal und ist später zunr Geschäftsstande übergetreten. 36 Jahre lang war er Vorsteher der Gemeinde Romsthal-Eckardrorh und widmete sich unter allen Verhältnissen dem Thoraftudium bis in sein hohes Alter von 82 Jahren. So lange es seine Kräfte erlaubten, war er ein eifriger Förderer der >'n "jy und stets bestrebt zu mm rnnyi auzueifern. Rührend war es auzusehen, wie der alte Mann, dem das Augenlicht nur noch mangelhaft zu Gebote stand, stets einer der frühesten Andächtigen in unserer Synagoge war. Sein Bestreben war es stets, auch seine Kinder und Enkel nach den Vorschriften des heiligen Religionsgesetzes zu erziehen, und zeigte sich die allgemeine Verehrung des Verlebten in der zahlreichen Betheiligung bei dem Leichenbegängniß aus der Nähe und Ferne. Möge das Beispiel des anspruchslosen, wahrhaft frommen Mannes aueifernd auch nach seinem Hinscheiden wirken. M. S. Hamburg, 18. März. In hiesiger Stadt hat sich vor ca. 6 Wochen ein angeblich aus d^wit stammender isid aufgchaltcN, welcher mit der Persönlichkeit identisch zu sein scheint, vor welcher in Ihrer geschätzten Zeitung und im „Hamagid" gewarnt wird. Er nannte sich npjr -p-D ’rmo ■wk und führte ein auf diesen Namen lautendes, von 6 Rabbinern Jerusalems — an deren Spitze N. Sam. Salant — unterfertigtes und geftempel-