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Der Israelit · 1890-03-17 · Heft 22 (17.3.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 22 (17.3.1890)
Date
1890-03-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. M SS. Israelit ««> Jeschmun. Zkttslhrist ist MerW iöö. ©eitles unö {SU. Gebens in laus, ©eieinüe und Mule. GenLrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von Dp. Lehmann in Mainz. Montag, den 17. März 5650 (1890). gjdfr Da mit dem 1. April 1890 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Leitender Artikel. Orthodorle. AusKlörung und Kildung. Von I s a a c Hirsch. V. Auch die von dem Manne, der als der „Altmeister" der modernen jüdischen Wissenschaft des Judenthums so oft bezeichnet wird, angebaute Wissenschaft ist für das Lebeü unftnchlbM ytblieben. Sie Nlußte unfruchtbar bleiben, weil sie den Geist des orthodoxen Judenthums verleugnete. Es kann selbstverständlich nicht in den -Rahmen dieser Betrachtungen fallen, eine eingehende Kritik an seinen Werken zu üben; zur Erhärtung des aufgestellten Satzes genügt ein kurzer Hinweis auf einige wenige Resultate seiner meisterschaftlichen Forschung. Derselbe Mann, welcher z. B. für die Milah, für die Belebung des religiösen Sinnes und dessen Bethätigung eintrat, glaubte der Wissenschaft des Judenthums zu dienen, wenn er die Grundsäule des Judenthums, die Göttlichkeit und Authenticität der Thora, zertrümmerte. So versetzte er das dritte Buch Mosis in seiner Entstehung um ein Jahrtausend nach der Sinaitischen Gesetzgebung, das fünfte in die Zeit des Untergangs des Reiches Juda u. s. w. Man mag über diese durchaus chimärischen Behauptungen denken wie auch immer, so viel ist doch evident, daß es nur ein Entweder — Oder gibt: entweder sie sind wissenschaftlich begründet und demgemäß wahr, oder sie sind es nicht und also eitel Hirngespinst. Ist das Erstere der Fall, so stürzt das ganze Judenthum zusammen und zählt nur noch zu den Mythen und Legenden längst verschollener Zeiten, in welche sich der Alterthumsforscher vertiefen mag, um an ihnen seinen Scharfsinn zu erproben. Thor aber dann derjenige, welcher die Lehren und Gesetze des Judenthums zur Norm seines Handelns sich erkürt und sie als heilig und göttlich verehrt, und einer Blasphemie macht sich dann der schuldig, welcher den weihevollen Segensspruch über die Thora spricht und Gott dafür preist, daß Er sie uns gegeben. Es ist deßhalb geradezu unverständlich, wie man einerseits dem Judenthum die Berechtigung seines Anspruchs aus Anerkennung als Gesetz und Lehre Gottes streitig machen kann — und das geschieht doch unzweifelhaft, indem man die Göttlichkeit der Thora in vornehmer wissenschaftlicher Kritik als eine Unwahrheit erklärt —, andererseits aber auf die Belebung des „göttlichen Geistes der Frömmigkeit und Erkenntniß" dringt, die sich kundgeben soll „in den Worten des Lehrers und Rabbiners, das voll ist dieses Geistes, in der Anstalt, die das Wort zur That macht, der Lehrschule und dem Gotteshause." Was ist denn „der göttliche Geist der Frömmigkeit", wenn er nicht aus der Thora und den Propheten geschöpft werden kann, da diese ja nach der vermeintlich wissenschaftlichen Forschung gar nicht göttlich sind? Welche Erkenntniß soll denn einziehen in das Volk, damit dieses zu der wahren religiösen Anschauung sich erhebe? Daß die Thora nicht von Gott durch Moses uns geworden, daß Lug und Wahn ist, was uns die Väter überliefert? Was soll denn der Lehrer lehren und der Rabbiner predigen, „die voll dieses Geistes" (welchen?) sind? Was soll in dem Gotteshause bekannt, in dem Lehrhause studirt werden? Wahrlich, nicht Aufklärung, sondern Verwir

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