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Der Israelit · 1890-03-13 · Heft 21 (13.3.1890) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 21 (13.3.1890)
Date
1890-03-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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«WWW V XXXI. Jahrgang Zweite e ju M 21 bes „Israelit” & „lefdjuruu Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. - D c u t s ch l a ti d. Darmftadt , 9. Biärz. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer sind verschiedene Eingaben um Gewährung von Staatsbciträgen zu den Cnltuskosten der israelitischen und denrsch-katholischen Religionsgemeinschaften dahin erledigt worden , daß man der Regierung die Berücksichtigung dieser Wünsche bei Aufstellung des nächsten Budgets empfahl. Hamburg. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die orthodoxen Rabbiner stets und in allen Lagen selbst mit Hintanstellung ihres materiellen Vortheils ihren festen Prinzipien treu bleiben. Dies hat auch jüngst unser ehrwürdiger Oberrabbiner bezeugt. Der junge Baron Königswartcr in Wien hatte sich mit der christlichen Schauspielerin Formes verlobt; die Eltern des Barons waren gegen diese Verbindung, gaben aber dem entschiedenen Willen ihres Sohnes schließlich nach. Fräulein Formes! trat zum Judeuthum über, und dieser Tage wollte sich das Brautpaar vom Oberrabbiner Hirsch dahier trauen lassen. Oberrabbiner Hirsch verweigerte! dies ans naheliegenden Gründen; der Reformrabbincr Leimdörfer aber hatte kein Bedenken die Trauung zu vollziehen. Oesterreich. - Ung. Monarchie. Prag. Der Minister für Eultns und Unterricht hat laut Erlasses vom 24. Dec. 1889 in Erledigung des Berichtes des Landcsschulrathes, die Remuneration für die Ertheilung des israelitischen und evangelischen Religionsunterrichtes an den Staatsgymnasien, Realgymnasien und Realschulen in Prag und den Vororten voni 1. Januar 1890 an von bisher 50 fl. aus 60 fl. jährlich für jede Stunde der Woche zu erhöhen befunden und zugleich angeordnet, daß die Bestellung der betreffenden Religionslehrer in Hinkunft, nicht wie bisher für die Dauer des jeweiligen Schuljahres, sondern für die Dauer des Bedarfes erfolge und daß die Remuneration nicht wie bisher nur für 10 Monate des Schuljahres, sondern fortlaufend in zwölf gleichen Monatsraten anzuweisen ist. In Mattersdorf (Ungarn) verschied am 25. v. Wt. im Alter von 37 Jahren ein Enkel des a"-iriD, der gleich seinem berühmten Urahne Rabbi Meier Eisenstätter hieß und ein Schwiegersohn des vor 5 Jahren verstorbenen Rabbiners Samuel Ehrenfeld gewesen. Es bedarf jedoch zum Ruhme des Verstorbenen nicht der Aufzählung seiner Ahnen, er selbst hat sich ein unsterbliches Verdienst um die rrcmpn mm durch die Begründung des hiesigen mmn mo* Vereins, welche Institution nicht genug gewürdigt werden kann, erworben. Der dahin Geschiedene hat trotz seiner schwächlichen Constitution einen großen Thcil Ungarns bereist, um Mitglieoer für den oben genannten Verein zu gewinnen, wobei er in seiner strengen Religiosität keine Fleischspeise genoß und sozusagen zum Märtyrer seiner religiösen Ueberzeugung geworden. In unserer Zeit, in welcher gewöhnlich das geistige ewige Wohl vor den materiellen Interessen in den Hinter, grund tritt, ist das Hinschciden eines solchen Mannesder in seiner Selbstlosigkeit keine Mühe scheute, wenn es sich um eine n&rnp 13" handelte, ein grösst r Verlust des orthodoxen Judenthums. E. Glück. Frankreich. Paris, 3. März. Der bekannte Antisemit Drumont hat wieder ein neues Buch: „Die letzte! Schlacht" geschrieben. Die Weltausstellung erklärt! er in demselben für ein jüdisches Fest. „Der Jude" j sagte er, „hat auf derselben alle Jüdinnen von Algerien, alle Verkäufe von türkischen Pantoffeln und Haremsleckereien gesunden, er hatte bei allen Ausbeutungen des Lasters und der ungesunden Neugier die Hand im Spiele: bei den Cafes, den Vorstellungen der Almcen u. s. w.; sie haben kleine Kabuls (? Gemeinden?) oder Fremdenausschüsse gebildet, in denen einige in ihrer Heimath unbekannte „Juddis" Rußland oder Rumänien vertreten ... In alle Orchester der Lautars, der Zigeuner, der Gongschläger, der Geiger des Kasbas von Tunesien und Marocco mischte der Jude seine Stimme und ließ ein Hosiannah auf das Jahr 1889 ertönen." — Herr Drumont sehnt sich fort aus dieser verjudeten Welt nach Canada, wo er ungestört als Christ leben könne. Er fürchtet nur, daß es in zehn Jahren auch dort von Juden wimmeln werde.

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