Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1890)
- Date
- 1890-03-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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335 Rabbiner nach dem Sinne des Verfassers beschaffen sein muß, und wahrlich einen ehrenhaften Platz werden diese Herren innerhalb der Gemeinde und innerhalb der Judenheit einnehmen, wenn sie so sein werden, wie der Vers, sie wünscht. Dieses aber darzustellen, dazu ist cs nöthig den Vers, selbst sprechen zu lassen, man spart damit für jeden denkenden Menschen einen langen Kommentar. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Darmstadt, 4. März. Der Rabbiner der hiesigen Resormgemeinde, Dr. Julius Landsberger, der dieses Amt über 30 Jahre verwaltete, starb heute nach kurzem Kranksein. Karlsruhe. Die Großherzogin von Baden ließ ein großes Vildniß der Kaiserin Augusta im prachtvollen Majolikarahmen Frau Lina Morgenstern in Berlin mit folgendem Handschreiben überreichen: „Ich bitte Sie in dem Bilde meiner Heimgegangenen Mutter, welches ich Ihnen bestimmt habe, ein Zeichen der aufrichtigen und dankbaren Gesinnung zu erkennen, mit der ich Ihrer so erfolgreichen Thätigkeit auf dem Felde der Wohlthätigkeit folge. Die Erinnerung an die in Gott ruhende Kaiserin, deren wohlwollende und fördernde Theilnahme Sie so vielfach erfahren durften, wird Sie, dessen bin ich überzeugt, auch bei Ihrer künftigen Arbeit der gemeinnützigen Nächstenliebe fortwährend begleiten und sich so auch bis in fernere Zeit segensreich erweisen. Karlsruhe, 22. Februar. Louise." Leipzig, den 5. März. Hier ist gestern der Geh. Kirchenrath Professor Franz Delitzsch, der berühmte Exeget und Hebraist, gestorben. Am 23. Februar 1813 in Leipzig geboren, besuchte er dort das Gymnasium und widmete sich später auf der Universität theologischen und orientalischen Studien. 1842 habilitirte er sich als Privatdozent, wirkte in der Folge als ordentlicher Professor der Theologie in Rostock und Erlangen, bis er im Jahre 1867 nach seiner Vaterstadt zurückbernsen wurde. In seinen ersten wissenschaftlichen Leistungen zeigte sich Delitzsch bereits als ein gründlicher Kenner der nachbiblischen jüdischen Literatur. In seinen späteren j Arbeiten beschäftigte er sich vornehmlich mit der Exegese des alten Testaments. In weiteren Kreisen wurde Delitzsch bekannt durch sein mannhaftes Einireten gegen den Antisemitismus. Oesterreich. - Ung. Monarchie. Wien, 26. Februar. Der Präsident der „österr. israel. Union" und Cultusvorstand, Universitäts-Docent Dr. Grünfeld, hat gestern Abends zu Ehren der durch ihre ausgezeichneten Parlamentsreden sich so grobe Verdienste um die österreichische wie die Gesammtjudenheit erworbenen Abgeordneten Dr. Bloch und Professor Dr. Zucker ein Festbankett gegeben, welchem auch mehrere Mitglieder des Vorstandes der Cultusgemeinde anwohnten, die begeisterte Toaste auf das Wohl dieser wackeren Vertreter des Judenthums ausbrachten. Am Sabbat nn' 'z hielt der auf der Durchreise hier weilende, aus Aboi Szanto gebürtigte und seit 20 Jahren in Jerusalem wohnende Rabbi Tubia Goldberger, einer der ü’jiöd des pwiw V?io in der h. Stadt, im hiesigen Beth hamidrasch in der Schiffgasse, auf Einladung des Vorstandes, einen agadifchen Vortrag, in welchem er auch die Verhältnisse und das Leben in nrnpn ps in den lebhaftesten Farben schilderte und die Liebe zu diesem Lande zu erwecken sich bestrebte. Die Kopf an Kopf gedrängten Anwesenden waren von seiner interessanten Ausführung ganz ergriffen. Lö.r. Wien, 27. Februar. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses beantwortete Minister-Präsident Graf Ta affe im eigenen und im Namen des Unterrichtsministers die Interpellation des Abg. Fiegl und Genossen, betreffend die Ansprache des Bezirkshauptmannes in Währing an die Bezirks- Lehrer-Couferenz. Nach den dem Ministerium zugekommenen Informationen müsse der in den Zeitungen veröffentlichte Wortlaut der Ansprache zum großen Theil als erfunden bezeichnet werden. Der Bezirkshauptmann hat in seiner Ansprache die vom Interpellanten citirtcn Redewendungen nicht gebraucht, er hat insbesondere weder des Antisemitismus noch der Agitationen und Hetzereien Erwähnung gemacht, von einer Ueberwachung in der Schule und Beobachtung außer derselben hat er keine Sylbe gesprochen; ebenso erfunden ist die Wendung, daß er antisemitische Tendenzen absolut nicht dulde und daß er antisemitssche Lehrer vertreiben werde, wo immer er sie treffe. Er hat, was die Disciplinar- Angelegenheiten anbelangt, lediglich erklärt, daß er sich nicht scheuen werde, dort strenge vorzugehen, wo Milde nicht am Platze wäre, da er die Ansicht habe, daß die Ehre des Lehrerstandes dann am besten gewahrt wird, wenn solche Mitglieder ausscheiden, welche der Lehrerschaft keine Ehre machen. Zugleich hat er der Lehrerschaft die sorgsamste