Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-02-27 · Heft 17 (27.2.1890) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 17 (27.2.1890)
Date
1890-02-27
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448042--29587-2477326
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MWWVHWW^WWVWWWWWW XXXI. Jahrgang. Zweite Beilage 17 des „Israelit^L„Iesthurun Zeitungsnachrichten and Correspondenzen. Deutschland. 8. Frankfurt a. M. Beim Herannahen des Purimfestes möchten wir auf eine Anstalt aufmerksam machen, die allen Juden Deutschlands gleich nah am Herzen liegen sollte, und die sich bereits auch viele Freunde in weiten Kreisen erworben hat; es ist das erst seit wenigen Jahren bestehende aber schon erfolgreiche Wirksainkett aufweisende D euts ch- I sraelitische Kinderheim in Diez. Der vorige Jahresbericht konnte mit Genugthuung sowohl aus das Wirken dieses wohlthätigen Institutes, wie auch aus das freundliche Entgegenkommen, das demselben von allen Seiten zu Thcil wurde, Hinweisen, und man darf sich der Hoffnung hingeben , daß das öffentliche Wohlwollen demselben erhalten bleibe. Sind es doch arme, verlassene jüdische Waisen, die sich in dem ebenso schön gelegenen wie gesunden freundlichen Landstädtchen Dietz körperlicher Pflege und einer gewissenhaften religiösen Erziehung erfreuen, und darf sich da ja jeder, der nur ein kleines Scherflein zu dem wohlthätigen Werke beisteuert, sagen, daß auch er Theil an dem Werke edelster und erhabenster Wohlthätigkeit hat. Da ist es nun gerade das Purimfest, welches Gelegenheit bietet, schon die Kleinen zur Mithilfe anzuhalten, ihrer kleinen Altersgenossen in Liebe zu gedenken, denen der sorgende Vater, die liebende Mutter leider schon im zarten Alter entrissen, sind, denjenigen aus ihrer Sparbüchse ein Liebesgeschenk zu reichen, die nicht von Vater oder Mutter mit Pnrimgeld erfreut werden. Namentlich auf dem Lande waren die Lehrer bisher so freundlich die Einsammler bei der ihnen anvertrauten kleinen Schaar zu machen, und sie haben ein recht Erkleckliches dem Kinderheim zugcführt; diese werden gewiß auch dieses Jahr sich zu Scheluche Mizwa gern hergeben, an diese brauchen wir uns hier nicht zu wenden. Aber diejenigen, die bis jetzt noch abgehalten werden, diesen Liebesdienst zu verrichten, niögen sie dieses Jahr nicht hinter ihren anderen Kollegen zurückstehen und auch dem edlen Werke sich anschließen. Und die Väter und Mütter, die Gott begnadet hat von einer glücklichen Kinderschaar umgeben zu sein, mögen sie, wenn sie den Ihrigen das Purimgeld reichen und in die freudestrahlenden Augen der Kleinen blicken, der armen Verwaisten gedenken und die Kleinen veranlassen, an ihrer Freude auch die theilnehmen zu lassen, auf welchen die liebevollen Elternblicke nicht mehr ruhen. Zugleich sei hiermit der Wunsch des Vorstandes des Vereins, der seinen Sitz in Frankfurt hat, Erwähnung gethan, daß in allen größeren Städten Deutschlands sich Zweigcomites bilden, damit das Institut sich so herausgestalte, wie es der Größe und Würde Deutschlands entspricht. Bis jetzt können von den vielen Anmeldungen, die alljährlich aus allen Gegenden Deutschlands einlaufen, nur wenige berücksichtigt werden; hoffen wir, daß der Verein bald in der Lage sei, allen gerechten und berechtigten Wünschen seitens der Bittsteller genügen zu können. (Im Uebrigen verweisen wir auf den heute einliegenden Aufruf dieses Vereins. D. Red.) Schubin, 19. Februar. Vor wenigen Wochen starb in hiesiger jüdischen Gemeinde ein ISjähriges Mädchen und wurde Freitag Nachmittag gegen drei Uhr beerdigt. Es dürfte jedem Israeliten bekannt sein, daß nach dem pn nicht gestaltet ist, an Nüsttagcn oder an einem gebotenen Feste am Grabe eines Laien eine Leichenrede zu halten. Trotzdem hat unser \tn, aus dem Osten stammend, eine Trauerrede auf dem Friedhofe bei Beerdigung des erwähnten Mädchens gehalten. Auf meine Vorstellung, daß er wider den yn gehandelt habe, erwiderte mir der Pseudo-Rabbi: „Ich weiß es genau, daß es gar nicht erlaubt ist, an solchen Tagen Grabreden zu halten; allein ich handle nach meiner eignen Ansicht und werde jedesmal predigen, so oft ein solcher Fall vorkommt." Eine solche Aeußerung bedarf wohl keines weiteren Commentars. Die religiösen Zustände in den kleineren Gemeinden unserer Provinz, wo keine Rabbiner fungiren, bieten wahrlich kein erfreuliches Bild. Der einzige Cultus-Beamie bildet in seiner Person ein Triumvirat; er ist nämlich pm rm, di, entscheidet rituelle Fragen, hält Predigten aller Farben und reformirt auf eigene Faust. Auf diese Weise glaubt man mit einer solchen Persönlichkeit den Rabbiner gänzlich entbehren zu können, um so mehr, da dadurch eine bedeutende Minderausgabe erzielt wird. Der hebräische Unterricht liegt gar im Argen. Der angestellte Elementarlehrer ertheilt gegen gute Bezahlung wöchentlich einige Stunden im hebräischen Lesen und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.