Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1890)
- Date
- 1890-02-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. JSs ly. Mslhrist W FSrüerillig Ud. GMrs M jM. Krbess ill Am. (Mißt n) Klhlltk. KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von ür. Lehmann in Mainz. Donnerstag, de» 27. Februar 5650 (1890)* Leitender Artikel. Htnsere Irühkingsöoten. in. (Zu Paraschath Sachor.) Mainz, 24. Februar. Die Frühlingsbotschaft der Schekellehre wurde im heiligen Lande einst durch das ganze Volk verkündet, sobald der Monat Adar einzog. An jeden erging dann der Aufruf seinen halben Schekel zu spenden und von den gesammten Spenden wurden im heiligen Tempel die Opfer des ganzen Jahres bestritten. Die Opfer, nu:np, erforderten keine Opfer mehr, sobald jeder seinen Theil, wie gering und unscheinbar er auch war, mit den andern Gaben vereinigte. Diese vereinigten Gaben ließen, wie bereits erwähnt, alle Spender als Glieder einer Gesammtheit erscheinen, in welcher keiner mehr und keiner weniger als der andere gilt, und der einzelne daher als solcher nicht mitzählt. Wie in der Natur die stämmige Eiche und das an ihr emporstrebende Moos, die Rose und die Dornen, der Weizen und das Unkraut unentbehrliche Theile des Ganzen sind, so sicherte auch im Menschenkreise die gleiche Leistung gleiche Rechte. Nun kann man sich in Wirklichkeit aber nicht der Thatsache verschließen, daß diese Gleichheit im Reiche der Natur doch nur eine scheinbare ist. Thatsächlich haben die Früchte des Baumes doch einen höheren Werth als seine Blätter, und ist der Weizen von größerer Bedeutung als das Unkraut. Auch im Menschenkreise ist diese vollständige Gleichheit nicht denkbar, solange es begabte und weniger begabte, hohe und niedere, gute Menschen und schlechte giebt. Aeußerlich betrachtet mögen alle e.in große? Ganzes bilden, aber jeder einzelne Theil behält deßhalb in Wirklichkeit doch seinen Werth und Unwerth für sich und muß ihn behalten. Auf diesen Gegensatz und seine Bedeutsamkeit weist die zweite Frühlingsbotschaft, Paraschath Sachor, hin. Schekalim lehrt die Einheit in der Mannigfaltigkeit, Sachor, die Mannigfaltigkeit in der Einheit. Wir sollen diesen Gegensatz nicht nur nicht ignoriren und vergessen, sondern recht lebhaft an ihn denken. „Denke daran was dir A m alek gethan, auf dem Wege, als ihr aus Mizrajim zogt." (5. B. M., 25, 17.) Rache und das Nachtragen von Groll sind uns durch Gottes Wort verboten. Wenn uns nun hier zur Pflicht gemacht wird, das was uns Amalek gethan, niemals zu vergessen, so kann daher diese Aufforderung nur den Sinn haben, uns durch dieses Gedächtniß die bedeutsamen Wahrheiten immer gegenwärtig zu halten, welche unser erstes Zusammentreffen mit Amalek in so reichem Maße lehrt. Amalek ist längst untergegangen, und es wäre schon deßhalb unmöglich, einem nicht mehr existirenden Volke einen Haß nachzutragen. Es gibt noch heute Judenfeinde und hat auch schon vor Amaleks Auftreten solche gegeben, aber die Eigenart der amalekitischen Judenfeindschaft ist es, welche ihr ein ewiges Gedächtniß sichert. Gewiß war die hundertjährige Tyrannei, welche an unseren Vorfahren in Egypten verübt wurde, noch um vieles härter und nachhaltiger, als es die Folgen des vorübergehenden amalekitischen Ueberfalles in der Wüste waren. Aber früher und später war der Judenhaß wenigstens bestrebt, einen, wenn auch fadenscheinigen Vorwand, für seine Berechtigung zu finden. Von den Egyptern wissen wir, daß sie eine Lift ersannen, um die Staatsgefährlichkeit der Juden mundgerecht zu machen und von den heutigen