Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1890)
- Date
- 1890-02-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang VCttC Beilage y&M 15 des „IsraM"L„Ieschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. In verschiedenen Städten Preußens wurden bei der nach den Neuwahlen stattgefnndeuen Constituirung des Stadtverordneten-Collegiums Israeliten zum Stadtverordneten - Vorsteher gewählt. So in Gleiwitz Herr Sanitätsrath Dr. Freund, in Mtzslowitz Herr Simon Freund, in Posen Herr Rechtsanwalt Orgel er und in Schönlauke Herr M u n t e r. Rosdzen, O.-S. Herr Moritz Reich von hier hielt in Benthen, O.-S., in der Generalversammlung des „Gastwirth-Vereins für den Oberschl. Industrie - Bezirk" einen mit großem Beifall aufgenommenen Bortrag, der uns gedruckt vorliegt, in welchem er die von dem Königs. Vergmeister Ernst Matthias öffentlich erhobenen Beschuldigungen gegen die jüdischen Krämer und Schanker schlagend widerlegte. Die sehr zahlreich besuchte Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: 1. Weder die bereits beendeten strafgerichtlichen Verhandlungen gegen die Excedenten während des diesjährigen Strikes der oberschlesischen Bergarbeiter, noch die jetzt ebenfalls abgeschlossene Untersuchung der von der hohen Staatsrcgierung eingesetzten Commission zur Prüfung der Entstehungsursache dieses Strikes bieten auch nur den allergeringsten Anhalt für die von boshafter Seite verbreitete Verdächtigung, daß die Krämer oder Schänker, gleichviel welcher Confession, die Bergarbeiter zum Ausstande aufgereizt haben. 2. Es muß daher als ganz unerklärlich und höchst bedauerlich bezeichnet werden, daß in der der Oeffentlichkeit übergebenen Schrift des Königlichen Bergmeisters Ernst Matthias: „Der nächste allgemeine Strike der deutschen Bergarbeiter und seine rationelle Bekämpfung" solchen bodenlosen Verdächtigungen nicht nur sehr willig ein weiter Raum gewährt, sondern auf Grund dieser Verdächtigungen sogar allen Ernstes vom Staate gefordert wird, die Existenzen der Krämer und Schänker durch die Ermöglichung von Eonsumvereinen oder durch die Einrichtung von staatlichen Waaren-Verkaufsanstalten zu beseitigen. 3. Die gewerkschaftlichen Arbeiter - Consumvereiue im oberschlesischeu Judustriebezirke, von deren Vermehrung der Königliche Bergmeister Matthias in seiner Schrift alles Heil für die Arbeiter und eine Verminderung der Gefahr des Ausbruches neuer Strikes erwartet, können als Wohlfahrtseinrichtungen zur Verbesserung der Lage der Arbeiter oder ihrer Familien im Sinne der §§ 115 bis 117 der Gewerbeordnung nicht gelten, da in diesen Cousumvereincn wohl Culmbacher Bier, echter Jamaica-Rum, srauz. Cognac, feine Rhein-, Roth¬ und Ungarweine, sowie echt importirte Cigarren billiger als bei den Gastwirthen geliefert werden, was aber selbstverständlich nicht den Arbeitern, die in diesen Artikeln keinen Consum haben, sondern ausschließlich nur den besser gestellten Mitgliedern der Consumvereine. nämlich den gewerkschaftlichen Beamten zu Gute kommen kann; dagegen erhalten die Arbeiter, wie ihnen wohl bekannt ist, die zum Leben nöthigstcu Artikel in den Cousumvereiuen zumeist noch theurer, als in den übrigen Geschäftslokalitäteu der betreffenden Ortschaften oder der benachbarten Städte. 4. Die völlig aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen gegen den Stand der kleinen Gewerbetreibenden im Allgemeinen, sowie gegen die Gewerbegeuossen einer bestimmten Confession insbesondere sind, auf die Anfachung eines jedes sittliche Gefühl empörenden Klasscnhasses berechnet und kennzeichnen dadurch für jeden Unbefangenen und Vorurtheilslosen die Schrift des Herrn Matthias als eine Hetzschrift niedrigster Art. 5. Die nicht qualifizirbaren Angriffe der Matthias'schen Schmähschrift prallen an dem stolzen Bewußtsein jedes einzelnen oberschlesischen Gaft- und Landwirthes zurück, daß er den Besitz der staatlichen Conzession zur Ausübung seines Gewerbes seinem makellosen Rufe, seinem unbescholtenen Charakter und seinem rechtschaffenen Lebenswandel zu verdanken hat und daß seinen Gegnern nur niedrige Gesinnung oder grosser Eigennutz die Waffen in die Hand drücken. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 18. Febr. Das Abgeordnetenhaus ging mit großer Majorität über die antisemitischen