Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1890)
- Date
- 1890-02-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448039--29521-2477257- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■ i^A^Az^jH^SW^WWW^IW^WWWPWM! V-ffWWWWWWWWWWWMW 239 des Seemannes freundlichst erwidert hatte, „mein Großpapa verlangt in's Freie, es ist ihm in der Cabine zu dumpf, ich fürchte, er hat in der Nacht nicht gut geschlafen." „Daran wird das Gewitter schuld gewesen sein, es war ein fürchterliches Unwetter." „Wirklich?" sagte Emmi verwundert, „ein Gewitter war?" „Und das haben Sie nicht gewußt? — Gott segne Ihren gesunden Schlaf," entgegnete der Kapitain lachend, „es dürften Sie viele darum beneiden." „Mich ärgert es aber, daß ich das Gewitter verschlafen habe," erwiderte das junge Mädchen, die klare Stirn in Falten ziehend, „ein Gewitter auf hoher See, das muß einen prachtvollen Anblick gewähren." „Und Sie hätten sich nicht gefürchtet?" „Fürchten? — was hätte ich fürchten sollen?" „Na, na, na," lachte der Kapitain, „sind Sie denn ein zweiter Ritter Bayard? wissen Sie wirklich nichts, was Sie hätten fürchten können? fürchten Sie sich niemals?" „O, gewiß, ich fürchte mich oft und sehr, wenn mein armer Großpapa starke Schinerzen hat — aber was ich gerade beim Gewitter hätte fürchten sollen. —" „Sie sind eine tapfere junge Dame." Der Kapitain nickte ihr freundlich zu. „Sollte sich während Ihres Aufenthaltes auf dem Schiffe nochmals ein ähnlicher prachtvoller Anblick darbieten, so werde ich nicht verfehlen, Sie davon benachrichtigen zu lassen, selbst wenn ich Sie Morpheus Armen entreißen müßte. — Was jedoch Ihren Großpapa betrifft, so würde ich Ihnen empfehlen, den alten Herrn heute nicht heraufkommen zu lassen, es ist ein Sturm im Anzug." „Es droht doch keine Gefahr?" fragte Emmi ängstlich. „Also fürchten Sie sich doch," lachte der Kapitain, „aber wo ist denn nun Ihre gerühmte Courage geblieben?" „Ich habe mich nie meiner Courage gerühmt." entgegnete sie mißmnthig, „ich gestehe im Gegentheil, daß ich sehr ängstlich bin, namentlich, wenn es sich um meinen Großpapa handelt. — Ach, er leidet oft so sehr, die geringste Aufregung schadet ihm — und wenn uns nun Gefahr drohen wurde —" „Seien Sie unbesorgt, liebes Fräulein, ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, es ist auch nicht die leiseste Gefahr vorhanden. Einen tüchtigen Sturm wirds freilich geben, aber Gefahr — keine Rede." „Aber — mein Großpapa fühlt sich unten sehr unbehaglich — glauben Sie, daß es ihm schaden würde, wenn er auf ein Weilchen heraufkommen würde." „Wüßte nicht, was ihm der Aufenthalt auf dem Verdeck schaden sollte. Aber sobald der Sturm beginnt — und er wird nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen — dann werden die Schwankungen des Schiffes stärker werden und es wird dem alten Herrn sehr schwer fallen, die Stiegen zu passiren. - Aber es scheint Ihnen viel daran zu liegen, daß Ihr Großpapa ein bischen frische Luft schöpft. — Wissen Sie was? — ich habe einen sichern Schritt, auch wenn das Schiff noch so sehr schwanken sollte, ich werde den alten Herrn jetzt herauf holen und bevor der große Tanz beginnt werde ich ihn wieder herunter geleiten, Sie können unbesorgt sein." Emmi war dem freundlichen Manne recht von Herzen dankbar. Die Schwankungen des Fahrzeuges waren schon jetzt bedeutend stärker als in den verflossenen Tagen, nur die Seeleute vermochten die Sicherheit des Schrittes zu bewahren, und wenn nun erst der von dem Kapitain prophezeite Sturm beginnen würde. — Der alte Müller befand sich nun auf dem Verdeck und sog nn't sichtlichem Behagen in tiefen Zügen die frische Seeluft ein. Emmi hatte ihn in einen großen Plaid sorgsam eingehüllt, sie saß wie gewöhnlich an seiner Seite, heute jedoch ohne irgend eine Arbeit in den Händen. Eine gewisse nervöse Unruhe hatte sich ihrer bemächtigt, bald blickte sie hinüber zum Horizont, an dem einzelne weiße Wölkchen wie im Aether schwimmend, sichtbar waren. Einige Schiffsleute halten diese Wölkchen als Verkünder des herannahendcn Sturmes bezeichnet — seltsam, sie sahen doch so leicht, so harmlos aus — bald zog sie den Plaid dichter um den alten Mann, oder hüllte seine Füße noch besser ein. „Emmi, Emmi, was treibst Du nur heute! ich werde doch nicht athmen können, wenn Du mich so fest einwickelst." „Ach, verzeihe Großpapa, wenn ich den Shawl zu fest angezogen habe, aber ich fürchte immer, die rauhe Luft könnte Dir schaden." „Wie Du nur immer für den alten Mann fürchten und sorgen kannst, und niemals denkst Du an Dich. — Potztausend, Mädchen, das geht ja nicht an, mir wickelst Du Deinen. Plaid auch noch um die Füße und Du sitzest da im einfachen, leichten Kleidchen — nein — nein — Er schien sich aus seiner Umhüllung herausarbeitcn zu wollen, sie umschlang ihn mit beiden Armen. „Ich bitte Dich, Großväterchcn, wirf die