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Der Israelit · 1890-02-17 · Heft 14 (17.2.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 14 (17.2.1890)
Date
1890-02-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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KT^mV* '-L XXXI. Jahrgang. ^'VATUPT 14. Israelit««-. Jeschurun. ZMslhrtst M FSrdtMS D. Geistes md W. Krbers in Asus. Gknirinüt und Mir. Emirat-Hrgan für das orfßobore ZudenLHum. Herausgegeben von Dr. Lehmaurr in Mainz. Montag, den 47. Februar S«SV (18S0). Leitende Artikel. OrWdokle. AuftlSrung und Klldung. Von I s a a c Hirsch. I. Ein verehrungswürdiger Freund äußerte kürzlich, es sei nicht wohlgethan, daß den Bestrebungen, welchen ich meine geringe Kraft widme, die Bezeichnung „Interessen des orthodoxen Judenthums" beigelegt werde. Warum nicht „des Judenthums" schlechthin? Gibt es denn mehr als ein Judenthum? Paßt denn der Ausdruck „orthodox" überhaupt auf das Judenthum? Nun kann und soll am wenigsten meinerseits verneint werden, daß es nur ein Judenthum gibt, insofern man mit diesem Begriff die wahrhaftige Lehre und das wahrhaftige Gesetz treffen will, die den Inhalt der unauflöslichen Verpflichtung bilden, für welche ein jeder von einer jüdischen Mutter Geborene ins Dasein tritt, eine Verpflichtung, die das ganze Leben in allen seinen Beziehungen erfüllt, von der Wiege bis zum Grabe. Ebensowenig kann in Abrede gestellt werden, daß so lange im jüdischen Kreise von keiner Seite ein Zweifel darüber gehegt wird, was der Inhalt des Judenthums, d. i. des jüdischen Religionsgesetzes, sei, eine jede nähere Bezeichnung desselben entbehrt werden kann. Angesichts der nicht zu leugnenden Thatsache jedoch, daß in der Gegenwart in der Theorie und durch die Praxis die Integrität eben dieses einzigen Judenthums nicht nur in Zweifel gezogen, sondern geradezu geleugnet wird, diese Verleugnung nicht als solche, sondern mit der Prätension der eigentlichen Wahrheit auftritt und als das wirkliche Judenthum betrachtet werden will, erscheint eine unterscheidende Bezeichnung für das alte, einzige und wahrhaftige Judenthum nicht nur gerechtfertigt, sondern auch durchaus nothwendig. Ist doch die Sprache der Ausdruck des Gedankens und das Wort die in Laute gefaßte Wiedergabe eines Begriffs. Der Inhalt des Begriffs muß aber durch das Wort dergestalt sich decken, daß dieses in möglichst erschöpfender Vollständigkeit und Ausschließlichkeit jenen wiedergibt. Ein Wort kann demnach nur dann als das geeignete Mittel zum Ausdruck des Begriffs benutzt werden, wenn es in dem Hörenden dieselbe Vorstellung erweckt, die dem Sprechenden von dem Objecte innewohnte, als er dieses Wort zum Ausdruck jener Vorstellung wählte. Die Zeit liegt aber leider hinter uns, in welcher das deutsche Wort „Judenthum" in erschöpfender Weise das Religionsbekenntniß der Juden zum Ausdruck brachte. Man verband damals noch allgemein den Begriff des jüdischen Religtonsgesetzes, das in der Anerkennung der schriftlichen und mündlichen Lehre und der Verpflichtung auf die Erfüllung des Gesetzes, wie es in den autoritativen rabbinischen Codices niedergelegt ist, seine Verwirklichung findet. Heute hingegen muß dieser Ausdruck sich gefallen lassen, die grundverschiedensten Begriffe zu bezeichnen. Es gibt schwerlich ein größerer Gegensatz wie zwischen Judenthum und Reformjudenthum. Das eine ist die Verneinung des andern, das eine hebt das andere auf. Das Judenthum lehrt, daß alle durch die schriftliche und mündliche Tradition uns überkommenen Gebote und Verbote unmittelbar von Gott geoffenbart und die Juden aller Zeiten zur treuen Erfüllung derselben verpflichtet sind, daß das Prophetenwort im buchstäblichen Wortsinne Gotteswort ist, daß die authentische Echtheit der vierundzwanzig Bücher der heiligen Schrift außer jedem Zweifel steht, daß die Juden auch die unabweisbare Verpflichtung haben, alle durch die rab-

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