Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 13 (13.2.1890)
- Date
- 1890-02-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Zweite Beilage zuM3 des „Israelit"L,,IeschilrM". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Breslau, Ende Januar. Eine Entscheidung, welche für weitere Kreise Interesse hat, ist vom Minister des Innern getroffen worden. Zwei jüdische Gefangene in der hiesigen königl. Strafanstalt, deren Seelsorger Herr Rabbiner Dr. D. Frankel ist, hatten am letzten Jom-Kippur die Tbeilnabme am Gottesdienst verweigert. Aus eine spätere Beschwerde erklärte der Anstalts-Direktor, daß in dieser Hinsicht zwischen Juden und Christen ein Unterschied bestehe, indem nur letztere gezwungen werden können, an dem gemeinsamen Gottesdienste sich zu betheiligen. Herr Rabbiner Dr. Frankel beruhigte sich nicht bei dieser Entscheidung, sondern wandte sich an den Minister und erhielt nunmehr folgende Antwort: „Ew. Hochwohlgeboren erwidere ich aus den gefälligen Bericht vom 14. vorigen Monats ergebenst, daß kein Anlaß vorliegt, hinsichtlich des Besuches des Gottesdienstes Seitens der jüdischen Gefangenen nach anderen Grundsätzen -m verfahren, als hinsichtlich der christlichen Gefangenen, lind daß mithin dem Anträge des dortigen Rabbiners Dr. Frankel, auch den jüdischen Gefangenen die Tbeilnahmc am Gottesdienste zur Pflicht zu machen, Folge zu geben sein wird. Der Minister des Innern, (gez.) Herrfurth. KatLowitz, 4. Februar. Der Rechenschafts- Bericht des hiesigen Krankenpflege- und Beerdigungs- Vereins pro 1889 weist incl. Bestand eine Einnahme von 6135 M. und eine Ausgabe von 3138 M. auf. Das Vereinsvermögen beträgt 2996 M. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Budapest. Bei der baute volee wachsen die Scheidungsgeschichten wie Pilze aus dem Boden. Heute erzählt sich die Leopoldstadt den folgenden, nicht gewöhnlichen Fall. Der Rentier A., erst seit drei Jahren mit einer reizenden jungen Frau verheirathet, hat die Scheidungsklage angestrengt. Es ist eine Heirath aus Liebe gewesen, und was merkwürdiger: die Liebe war noch vorhanden, und die Ehe geht in Trümmer. Herr A. kann seiner Frau und diese hinwieder kann ihrem Gatten nicht den geringsten Vorwurf machen, und trotzdem „muß geschieden sein". Ein hübsches Kind, das einzige, welches dieser Ehe entsproß, ist die Ursache, daß dieser Herzensbund der Gatten gelöst werden wird. Frau A. hatte nämlich, ohne Wissen ihres Mannes, dieses Kind — taufen lassen und Herr A., der in der hiesigen israelitischen Gerneinde eine Ehrcnstelle innehat, ist über diese That in Verzweiflung gerathen. Der vollendeten Thatfache gegenüber, welche nach ungarischem Gesetze nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, sieht Herr A. keinen andererl Ausweg als die Scheidung und Ueberlassung des Kindes an die Mutter. Es gibt noch Neues unter der Sonne! t a l i e u. Modena. Wir haben in der Person des wohlverdienten Obersten E e f a r e R o v i g h i, der vor einigen Tagen starb, einen bedeutenden Verlust erlitten. Besonders muß die jüdische italienische Presse mit Stolz daran erinnern, daß dieser ausgezeichnete Mann seine Laufbahn damit angefangen, daß er in Modena und Parma eine Zeitung unter dem Titel „Israelitische Revue" von 1846—1848 heransgegeben. Aufrichtiger Patriot legte Rovighi die Feder nieder, als der Unabhängigkeitskampf ausbrach. Er ergriff den Degen und begann seine glänzende militärische Laufbahn. Er machte sümmtliche Feldzüge von 1848 bis 1866 mit. Auch war er Seeretair des Generals Cialdinie während der Dictatur in Neapel und während des Krieges von 1866. Er schrieb eine Geschichte des Krieges und eine Biographie des Herzogs von Genua. Sein Leichenbegängniß war großartig und bewies wie hochgeachtet und geliebt der Verstorbene bei allen Elasten seiner -Mitbürger war. Rovighi war Ehren-Adjudant des Königs Victor Emanuel. König Humbert sandte an die Familie folgendes Telegramm.: „Sr. Majestät der König, der Gelegenheit hatte, die hervorragenden V e r d i e n st e des O b e r st e n Rovighi zu erm essen, hat mit tiefem Bedauern seinAblebenerfahrenund schließt sich dem Schmerze der Familie an. L. M.