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Der Israelit · 1890-02-06 · Heft 11 (6.2.1890) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 11 (6.2.1890)
Date
1890-02-06
Page
– (sequence 18)
Language
German
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d- 194 durch welches einem schon seit Jahren gefühlten Bedürfnisse abgeholfen wurde. Bulgarien. Sophia. Dem V. und VI. Jahresberichte des deutsch-israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsvereines „Unterstützung" in Sophia entnehmen wir Folgendes: Das Jahr 1888 war für unseren Verein von ungemein erfreulichen Ereignissen erfüllt. Schon Anfangs, gelegentlich der Abhaltung unseres Vereinsballes, haben wir von Seite Seiner königlichen Hoheit dem Fürsten Ferdinand I. von Bulgarien und dessen durchlauchtester Frau Mutter, Ihrer königlichen Hoheit der Prinzessin Clementine von Sachsen-Coburg-Gotha, Beweise von höchster Huld und Gnade erhalten, indem Hochselbe dem Verein hochherzige Spenden zukommen ließen. Die hierauf erfolgte hohe Auszeichnung des Vereines durch Empfang unserer Vereinspräsidentin Frau Charlotte Margulies seitens ihrer königlichen Hoheit der Prinzessin Clementine in Audienz, wurde noch durch die wahrhaft Begeisterung erregende allerhöchste Entschließung Hochderselben auf den Gipfelpunkt gestellt, daß die hochherzige Prinzessin auch das Ehrenpräsidium unseres Vereines anzunchmen geruhte. Dieses Ereigniß wird in den Annalen unseres Vereines mit goldenen Lettern der Nachwelt verkündet bleiben. Wenn diese Beweise allerhöchster Huld und Gnade uns vornehmlich auch nur in erster Linie wegen der hiedurch unserem Vereine erschlossenen Prosperität mit unendlicher Freude und Begeisterung erfüllen, so sind dieselben von noch weittragenderer Bedeutung für alle unsere Glaubensgenossen. Hat schon das Versprechen Seiner königl. Hoheit des Fürsten Ferdinand I. von Bulgarien anläßlich Seiner Thronbesteigung Seinen treuen Unterthanen ohne Unterschied der Nationalität und Religion, gleiches Recht und Gerechtigkeit angedeihen zu lassen, uns mit wahrer Befriedigung erfüllt, so ist die unserem Vereine erwiesene Huld und Gnade ein Beweis dafür, daß die Toleranz nicht nur in Seinem erhabenen Herzen, sondern auch in jenem Seiner durchlauchtigsten Frau Mutter tiefe Wurzeln geschlagen hat. Wenn wir Deutsch-Israeliten uns vermöge der ritterlichen Tugenden und der wahrhaft toleranten Gesinnungen der bulgarischen Nation auch schon früher nicht in unserer neuen Heimath Bulgarien fremd gefühlt haben, so werden wir uns künftighin hier vollkommen heimisch fühlen können, denn sowohl die Gesinnungen der Nation als diejenigen ihres gewählten Herrschers stimmen in Beziehung auf Toleranz vollkommen überein. Dieses erhabene Bewußtsein wird allen unseren Glaubensgenossen in der Ausübung ihres Berufes und ihrer Bürgerpflichten gegen den Staat als Impuls dienen und wir versprechen uns durch das harmonische Zusammenwirken aller Elemente für das Wachsen und Gedeihen, für den Ruhm und die Ehre unseres neuen Vaterlandes den besten Erfolg. Ebenso möge uns das erhabene Beispiel des geliebten Herrschers und Seiner erlauchten Frau Mutter zur Aneiserung dienen und wollen wir in der Ausübung unseres Wohlthätigkeitsstnnes die uns kundgegebenen Grundsätze Hochderselben treu und unerschütterlich befolgen. Mit edlem Wetteifer wollen wir Mitglieder des deutsch-israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsvereines zu Sofia an die Aufgaben unseres Vereines herantreten, um dem glückverheißenden Namen unserer erhabenen Ehrenpräsidentin, Ihrer königlichen Hoheit der Prinzessin Clementine alle Ehre zu machen und um andererseits das wahrhaft edle Ziel unseres Vereines in selbstloser Aufopferung zu verwirklichen, indem wir uns alle geloben, bei allen unseren Aktionen den Spruch stets vor Augen zu halten: „Wohlthun trägt Zinsen", „denn jede edle That findet in sich selbst ihren vollen Lohn, gewährt dem Herzen wahre Befriedigung und der Seele die reinste Labung!" i P a l ä st i n a. I Jerusalem, 17. Januar. Der Gesundheitszustand in unserer Stadt hat sich neuerdings verschlimmert. Nach dem Denguö-Fieber tritt nunmehr die Influenza sehr heftig auf, die oft in Lungenentzündung ausartet, von der nicht nur viele Kinder, Greise, sondern auch kräftige Männer befallen werden und in vielen Fällen an ihr sterben. Die Sterblichkeit ist eine außergewöhnlich große; das Elend bei der armen Bevölkerung ist unbeschreiblich. Diese Woche hatten wir starken, zwei Tage andauernden Regen; die Aussichten auf eine gute Ernte sind in Folge dessen gestiegen. Nach dem uns vorliegenden Jahres-Bericht des von Herrn Dr. S. B. Saunders geleiteten Alterasyls hatte dasselbe im verflossenen Jahre eine Ausgabe von 173,233 Piastern, während nur 117,048 P. eingingen. 36 Greise wurden in demselben verpflegt. Die Cassierstelle wurde Herrn N. Z. Hamburger, dem Chef der Firma Hamburger u. Co. übertragen.

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