Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1890)
- Date
- 1890-02-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Ztveite Beilkge M M11 des „Igratlir &, Jefdjurutt”. Zeitungsnachrichten und Corresponden^en. Deutschland. Hungen (Oberhessen), 3. Febr. Dr. Böckel, welcher im Augenblicke bemüht ist, die antisemitischen Lehren zur Wahlagitation in unserem Wahlkreis zu verkünden, hatte auf gestern hier eine Versammlung ausgeschrieben. Nachdem ihm zwei Wirthe ihre Säle abgesagt, versuchte er, die Versammlung im Freien abzuhalten, indem er von dem Fenster der Wohnung seines Freundes und Gesinnungsgenossen Dr. Suffert seine Ansprache zu halten begann. Bis zur Darlegung des politischen Programms der Antisemiten kam der neue Apostel übrigens gar nicht, denn er hatte erst einige seiner bekannten Witze über die polnischen Schnorrer losgelassen, als der Bürgermeister erschien und die Versammlung, die zuni größten Theil aus der Schul- und anderer Jugend bestand, für aufgelöst erklärte. Ottensoos (Mittelfrankeu). Einen neuen Beweis ihrer Loyalität in religiösen Angelegenheiten gibt die bayrische Regierung durch die Schlußworte eines Erlasses ä. ä. München, den 13. Juli 1889, das Schächten der Thiere betreffend. Es heißt dort wörtlich: „Es ist darauf hinzuwirken, daß diese Grundsätze, welche auch mit den jüdischen Religionsgesetzen im Einklang stehen, beim Schächten der Thiere allenthalben beobachtet werden. A. Gr. Frankfurt a. M. Dem Bericht der Verwaltungs-Commission der Israelitischen Volksschule zu Frankfurt a. M. vom 1. October 1887 bis dahin 1889 entnehmen wir: Es freut uns, constatiren zu können, daß die Jsr. Volksschule sich in erwünschter Fortentwickelung befindet. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen hat sich seit unserem letzten Bericht wiederum gehoben und jetzt die gewiß nicht unbedeutende Zahl von 318 erreicht. Es sind zwei weitere Klassen errichtet und damit die normale Zahl von acht erreicht worden, so daß die Schule nach dieser Richtung hin ausgebaut ist. Dem entsprechend ist auch das Lehrerpersonal vergrößert worden und sind nunmehr acht ständige! lind drei Hilfslehrer und Lehrerinnen an der i Schule thätig. Was die Resultate des Unterrichts betrifft, so! glauben wir mit Ruhe sagen zu dürfen, daß den j Ansprüchen, welche an eine solche Anstalt zu stellen sind, voll genügt wird. Man darf dabei nicht übersehen , daß die Schule auf eine gedeihliche Mitwirkuug des Hauses nicht rechnen darf, daß sie vielmehr die dem Hause zufallende erziehliche Aufgabe mit übernehmen, ja in so mancheu Fällen bestrebt sein muß, ans das Haus selbst einzuwirken. Der in unserem letzten Bericht auf Mk. 47712.60 ansgewiesene Bestand des Schulbaufonds hat sich durch ein Geschenk der Freifrau Carl Mayer von Rothschild aus der von ihrer Tochter Freifrau Salomon von Rothschild in Paris zum Andenken an ihren verewigten geliebten Vater Freiherrn Carl Mayer von Rothschild für hiesige mildthätige Stiftungen und Arme bestimmte Summe um den Betrag von Mk. 6000 vermehrt. Wir verfehlen nicht, der gütigen Vermittlerin sowie der mildthärigen Spenderin auch an dieser Stelle unseren herzlichsten Dank auszudrücken. Rach vielseitigen Bemühungen und langwierigen Verhandlungen ist es uns gelungen, ein für den beabsichtigten Schulbau sehr geeignetes Grundstück zu erwerben. Die nach Zahlung des Kaufpreises und der unvermeidlichen Kosten verbleibende Restsumme von Mk. 2082.94 wird nebst der bereits mitgetheilten Schenkung von Mk. 100.000.—, welche von dem edlen Spender dem Vorstande der Israel. Religionsgesellschaft zur Verwendung für ein Volksschulhaus übergeben wurden, für den Bau eines solchen verwendet werden. Der Rechnungsüberschuß in dem ersten Jahrgange war ein ansehnlicher, während er in dem letzeren ein geringer war. In dem nächsten Jahre werden die Ausgaben voraussichtlich auf über Mk. 20,000 steigen, welchen nur Mk. 18,000 regelmäßige Einnahmen gegenüberstehen. Die Schule ist daher auf Geschenke angewiesen, um deren Zuwendung wir ebenso dringend wie ergebenst bitten. Frankreich. Jn Naney wurde jüngst unter entsprechenden Feierlichkeiten ein neues israelitisches Asyl eröffnet,