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Der Israelit · 1890-02-06 · Heft 11 (6.2.1890) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 11 (6.2.1890)
Date
1890-02-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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189 der Journalist, „nach Angaben der Antisemiten, Frankreich, welches in die Hände der Juden gefallen sei, wiedergewinnen." — „Die Juden sind aber kein Volk vom nationalen Standpunkte. Von diesem Standpunkte gibt es keine Juden mehr in Frankreich, wie es keine Romanen, Griechen, Kymrer und Westgothen gibt. Es gibt nur eine jüdische Religion, deren Bekenner man seit Jahrhunderten geschändet hat. Es handelt sich aber nicht um einen Kreuzzug, sondern um eine Bekämpfung der Religion." — Das Gespräch wendete sich dann zu einer Versammlung,"'welche in Nenilly stattgesnnden und wo Herr Drmnont gegen Rothschild gehetzt hatte. Jules Simon meinte, es sei Pflicht des Procurators der Republik, in einem solchen Falle cinzuschreiten, da man nicht das Recht habe, einen Bürger, auch wenn er reich sei, dem öffentlichen Hasse preiszugeben. Als dann der Journalist davon sprach, daß ein Rechtsgelehrter, Herr Jonvencel, sich der Bewegung angeschlossen habe, meine Simon scherzhaft: „Dieser Herr erinnert* mich an den berühmten Juristen Dupin, welcher fand, daß in dem Prozesse, welchen seinerzeit Pilatus gegen den Stifter der christlichen Religion angestrengt hatte, sieben Nullitätsgründe ausfindig zu machen seien, so daß man noch jetzt den Juden eine Gegenklage anhängen könne." — „Nicht doch, Herr Jouvenccl ist ein Freidenker; er greift nicht die Religion der Juden an, sondern glaubt nur, daß dieselben schon zu mächtig seien. Da sie alles Geld besitzen, wäre es denn klug, ihnen auch noch die Macht zu geben? — „Sieglauben also wirklich, daß die Juden allein das Kapital in Frankreich besitzen? Gibt es nur einen Rothschild, der reich ist? Wie viele sind denn unter den Direktoren der großen Credit-Jnstitute Israeliten? . . . Und dann, wenn man schon demIKapital den Krieg machen7will, warum erklärt man sich nicht freiwillig als Sozialisten?" — „Es ist aber evident, daß die Juden Geldmenschen sind." — „Ja, wenn sie nicht zufällig Soldaten sind, wie die Generale See, Levy und so viele Andere, die sich tapfer gehalten haben, oder wenn sie nicht zufällig Mediziner, Advokaten, Beamte sind. . . In Frankreich sind die Juden ebenso Franzosen wie die Katholiken, sie sind den öffentlichen Gesetzen unterworfen und müssen somit auch an allen Rechten des republikanischen Regimes theilhaben. Sie sind mit uns gleich und sind daher so frei wie wir, und durch ihr Talent wie durch ihren großen Wohlthätigkeitssinn haben sie sich rechtmäßig den Titel als unsere Brüder erworben. Uebrigens ist dieser Kampf, welcher die Juden den niedrigsten Leidenschaften preisgeben will, schon sehr alt. In meiner Jugend bereits versuchte ein Vorläufer des Herrn Drumont die öffentliche Meinung Frankreichs^gegemdie^Jsraeliten aufzuregen." — „Glauben Sie, daß sich in Wahrheit bei uns eine antisemitische Partei bilden könnte?" — „Es hat ja auch den Boulangismus gegeben. Das schien ebenso unwahrscheinlich." — „Wohl, der Boulangismus konnte zur Roth doch für eine politische Partei, für eine Liga der Unzufriedenen gelten." — „Und ist die Liga der Intoleranz nicht möglich?" — „Also Ihre Schlußmeinung?" — „Ist, daß alle Menschen gleich und Mitmenschen sind, einerlei, ob sie getauft oder beschnitten worden sind." England. London, 4. Februar. In dem gestern Abend stattgehabten Council Meeting kam ein Condolenzschreiben der Synagogen-Gemeinde Hannover anläßlich des Heimganges unseres^"8i 2*, zur Verlesung, das an Lord Rothschild, President of the United Concils, adressirt war. In dem Berichte über das Leichenbegängniß hat Ihr , Berichterstatter vergessen zu bemerken, daß dasselbe auch an der Hambourg-Synvgoge vorüberging und an deren geöffneten Thüren zehn Minuten anhielt. — In genannter Synagoge wird Sonntag, 16. Februar,^ ein nsv.i von Reo. Speiers gehalten werden. London. Mit lebhaftem Bedauern haben wir den Tod des bescheidenen, frommen und uneigennützigen Herrn Jakob Apfel, der ein Alter von 74 Jahren erreichte, anzuzeigen. Der Verstorbene versäumte nie während seines ganzen Lebens und selbst in seinen: hohen Alter nach der Dukes Place- Syuagoge, iu Stunde vor Oeffnung der Thüren, zu kommen. Er war eines der ältesten Mitglieder dieser Gemeinde, sehr geachtet und von Allen verehrt. Er war auch einer der Gründer des Pariser Beth Hamidrasch im Jahre 1845. Dieses Bet- und Lehrhaus, in Gemeinschaft mit den verstorbenen Herren Tedesco und Feder mann begründet, steht gegenwärtig unter der Leitung der Herren Rabbiner Weißkopf und Dr. Klein. Der Beerdigung wohnten Rev. Speiers und Rev. Hast und viele Freunde bei. L. M.

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