Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-02-03 · Heft 10 (3.2.1890) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 10 (3.2.1890)
Date
1890-02-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448035--29450-2477182
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

172 gesetztes Verfahren hätte den Werth deS Gesetzes anullirt. Ein neuer Ministererlaß gibt demselben eine ganz andere Auslegung. In Zukunft werden Kinder und Wittwen eines Mannes, der das Aufenthaltsrecht außerhalb des den Israeliten zugewiesenen Rayons besaß, aus ihrem Wohnort gewiesen werden, wenn sie selbst nicht in der Kategorie stehen, die das freie Recht in Rußland genießt. In Wadowice, Galicien, wird jetzt ein großer Prozeß verhandelt, in welchem zahlreiche österreichische Beamte, wie auch eine Anzahl Israeliten verwickelt sind. Dieser Prozeß wird von der antisemitischen Presse in Rußland ausgebeutet und besonders von der „Nowoie Wremia", die sich seit lange durch ihre Angriffe gegen die Juden auszeichnet. Die Zeitung berichtete allen Ernstes, daß die „All. Jsr." dem Untersuchungsrichter 200,000 Gulden angeboten habe, wenn er nicht alle Einzelheiten des Falles veröffentlichen wolle, doch habe sich dieser -geweigert. Selbstredend ist an der Sache kein wahres Wort. (Schluß folgt) England. London, 30. Januar. Der feierliche Trauergottesdienst für den dahingeschiedenen Chief Rabbi r» fand heute Nachmittags 4 Uhr in erhebender und höchst ergreifender Weise statt. Der Lord Mayor mit den Sheriffs und der Kaplan erschienen in Amtstracht; die rothen, goldgestickten Mäntel gewährten einen höchst imposanten Eindruck. Mehrere Staatsbeamte, der Recorder, Mitglieder des Parlaments, mehrere christliche Geistliche, von denen wir den Rev. Charles Voysey (Oberhaupt der Unitarians), Rev. Hadden (Chaplin des Lord Mayors), Rev. Dodd (Curate von St. Botolph, Aldgate) bemerkten, Mr. Sasson, Mocatto, Montefiore, Samuel Montagu, die Cohens und die Vorstände sämmtlicher Synagogen, (orthodox und reform, spanisch, polnisch und holländisch), alle Vereinsvorstände, Schulinspectors, Parnossim der Chevrath und öffentlichen Wohlthätigkeitsanstalten, Jew's College und eine große Anzahl von eingeladenen Freunden waren anwesend. Der Almemar war von sämmtlichen Predigern und Reverends, sowohl der orthodoxen als der Reformgemeinde, sowie der spanisch und portugiesischen Gemeinde, der Chevroth (Rev. Kohn Zedek) und holländischen rfcnp, die sämmtlich im Ornate erschienen, besetzt. In der Vorsteher-Box saßen die Hauptmitglieder des Councils der United Synagogue (Mr. Benjamin Cohen, Noah Davis, Maurice Hart) und Mr. Rosenfeld und Marks als die Vorsteher der Dukes Place- Gemeinde. Besonders interessant war es, die Box links der heiligen Lade von Männern einer total entgegengesetzten religiösen Richtung besetzt zu sehen; der Rev. B. Spiers, i"n des Beth-Din, und Dr. Friedländer saßen neben Professor Marks, geistliches Oberhaupt der Reformgemeinde. Nur die mit besonderen Eintrittskarten Versehenen hatten Zutritt zur Synagoge; dennoch war dieselbe noch mehr angefüllt als selbst an den heiligsten Festtagen. Das Innere war schwarz decorirt und die Beleuchtung genau so, wie am -nsa qv, was uns an das nn*c msoD D’pnsr erinnerte. Nachdem der Rev. Mr. Hast, Oberkantor, das Minchah-Gebet vorgetragen hatte, begann die Feier mit einem Choralgesang des Psalm XV. ohne Harmonium oder Orgelbegleitung, da es nicht in Harmonie mit der Ansicht des sel. Chief Rabbi gestanden hätte, selbst bei außergewöhnlichen Gelegenheiten Synagogengesänge mit Musik zu begleiten. Nach dem Choralgesange folgte die herrliche, ausführliche und gediegene Trauerrede des Nev. Mr. Singer. Dieser gewandte Prediger schilderte das Leben und Wirken unseres Chief Rabbis in getreuen Zügen, indem er Rabbi Gamliel's Worte: „Ich übergebe dem Oberhaupt der Gemeinde keine Herrschaft, sondern eine Knechtschaft" anführte. — Der edle Seelenhirt war kein stolzer, selbstsüchtiger Herrscher, sondern ein Diener seiner Gemeinde. Unter Anderem erzählte der Redner, daß ein Reformer den Chief Rabbi einst bat, das Tischgebet nach der Mahlzeit abzukürzen, worauf derselbe fragend entgegnete: „Sprechen Sieden Segensspruch vor der MahlzeitAls dies verneint wurde, bemerkte der Chief Rabbi in seinem stets heiteren Humor: „Dieser Segensspruch besteht doch nur aus zehn Worten und ist Ihnen zu lange, wie soll ich Ihnen da helfen können!" Nach eingehender Schilderung der vielseitigen Leistungen des unvergeßlichen Dr. Adler schloß der Redner mit einem tiefergreifenden Gebete, wonach Rev. Hast ruDJ nnuD vortrug. Als die Worte: "]br\w ’m-io 'n imo p;ru 'n ain inio gesprochen wurden, entrollten heiße Thränen den Augen aller Freunde, welche herzzerreißende Scene sich bei dem am Schluffe der Feier im d’d» □nmn^one gesungenen oViy jhn wiederholte. Jeder, der den Edlen kannte, mußte unwillkürlich fühlen, daß derselbe dreifach groß war; groß als Oberhaupt der bedeutendsten Gemeinde in Israel iv; groß als Talmudist e r st e n Ranges und, was Alles überragt, groß als Mensch in seiner Menschenliebe. Ein jedes Mitglied der Gemeinde erblickte in ihm seinen Freund, seinen Vater, der uns leider entrissen wurde! h? p' imz>T

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.