Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1890)
- Date
- 1890-01-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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falscher Frömmigkeit Mtte nicht sprechen dürfen. Herr Dr. Deutsch, besten vielseitige Bildung und jüdisch-theologisches Wissen eines dankbareren Stoffes würdig gewesen wären, hätte gerade in diesem Falle vorsichtiger sein sollen, besonders bei der Aufstellung des Satzes, daß nur der fromm ist, welcher sein äußeres Thun und Lassen mit seinem innersten Fühlen und Denken in Einklang zu bringen vermag. Selbst diese psychologische Voraussetzung wäre dem Vortragenden zu vergeben gewesen, wenn er nur nicht religiöse Eercmonien ins Lächerliche gezogen, bereits im Grabe ruhender jüdische Gelehrte ihrer religiösen Richtung wegen humoristisch behandelt hätte. Eine solche Methode in der Behandlung des Stoffes strahlte ganz eigcnrhümlich aus den Vortragenden zurück, dem Zuhörer hingegen schien cs, als ob der Dr. Deutsch aus Brüx den Dr. Deutsch aus Brünn belächelt hätte. Diese Sinnestäuschung erzeugte eben der religiöse Farbenwcchsel des Dr. Deutsch und die Pikanterieu, mittelst welcher derselbe seinen Vortrag oder vielleicht nur sich interessant zu machen glaubte, und schon deßhalb läßt dieser weniger eine ernste Kritik zu als vielmehr den Glauben, daß Herr Dr. Deutsch mit seinem Vorträge dem Vereine kaum genützt haben wird. Nach der Thatsache, daß dessentwegen bereits mehrere Mitglieder ihren Austritt angemcldet haben, läßt sich die Wirkung nicht verhehlen, welche Herr Dr. Deutsch, als nunmehriger Antipode des Rabbi Samuel Freund und Rabbi Juda Tewcles, mit deren Namen die Geschichte des Vereines „Afike Jehudah“ innig verknüpft ist, mit seiner — Lauserie erzielt hat. (Jsr. Gcnleindezcitung.) Deutschland. Königsberg, 17. Januar. Wie gewisse „Liberale" über die staatliche Gleichberechtigung der Loufessionen, über die Befähigung der Juden zu öffentlichen Aemtcrn denken, hat die am vorigen Dienstag vollzogene Wahl des Rektors der hiesigen Universität abermals bewiesen. Es galt als unzweifelthaft, daß Prof. Hermann diesmal in der Reihenfolge der Professoren zum Rektor auserseheu sein würde. Da erhoben einige nationalliberale Mitglieder des Senats in den letzten Tagen vor der Wahl Bedenken gegen Hermann, weil derselbe Jude sei. Man erzählt, es sei von einzelnen sehr „nationalen" Leuten besonders betont worden, daß der Besuch des Kaisers in Königsberg im Laufe deS Jahres zu erwarten sei, und „man könne doch Sr. Majestät nicht Namens der Universität einen Rektor jüdischer Konfession vorstellenl" Anfangs erregte diese Opposition selbst bei Nationalliberalen großen Unwillen, da im ganzen die früheren liberalen Traditionen an der Albertina noch nicht vertreitschket sind, aber es gelang doch den Anstrengungen der führenden Nationalliberalen, ihre Meinung durchzusetzen, und es wurde am letzten Dienstag Prof. Bezzenberger mit einer Mehrheit von drei Stimmen gewählt, obwohl Bezzenberger selbst für Hermann gestimmt hatte. Auch ein Zeichen der Zeit! — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pesth. Die Koscherflcisch- Ausschrotung hat dahier einen Conflict zwischen der isr. Religionsgemeinde und den Fleischhauern herbetgeführt. Die Gemeinde hatte die Verfügung getroffen, daß in jeder Fleischbank, in welcher Koscherfleisch verkauft wird, ein Aufseher angestellt werde, der monatlich mit 40—50 fl. zu honoriren ist. Doch ist es nicht die Gemeinde, welche diese Aufseher besoldet, sondern sie legte den Fleischbankinhabern diese Verpflichtung auf. Daruf verzichteten diese auf den weitern Verkauf von Koscherfleisch, wurden aber von der Knltusgemeinde bei der Bezirksvorstehung wegen eigenmächtiger Einstellung der Koscherfleisch-Ausschrotung verklagt. Man ist auf die Entscheidung des Gericht allgemein gespannt. F r a n k r e i ch. Paris. Die Wahl des Oberrabbiners Zadok Kahn zum Oberrabbincr von Frankreich wurde von der Regierung genehmigt. Die am 22. v. M. im Tempel in der Straße de la Victoire zu Gunsten des jüdischen Asyls in Neuilly veranstaltete Sammlung hat trotz des an diesem Tage herrschenden Unwetters eine Summe von 35,000 Fr. erzielt. Dabei verfehlen unsere Pariser Glaubensgenossen nicht, auch für allgemeine Zwecke und den Nothstand der armen Bevölkerung in ausgiebiger Weise zu spenden, lieber drei Viertel der Namen in den Sammluugslisten für die von der Influenza heimgesuchten Armen sind Juden. Spanien. In Madrid ist am 17. d. M. eine marokkanische Gesandtschaft eingetroffen, die später auch in Paris und Berlin sich einige Zeit aufzuhalteu gedenkt. Bet dieser Gesandtschaft befindet sich auch der Gouverneur der Provinz Tetuan, Sid Man Mahomed Azzogary. Wir wollen nicht verfehlen, sowohl das Central-Comite der Alliance Jsraülite zu Paris als auch den Vorstand der jüd. Gemeinde zu Berlin aufmerksam zu machen, die Gelegenheit