Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1890)
- Date
- 1890-01-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Beilage ju M 8 -es „Israelit" L „Jeschurun". Leitender Artikel. Literarischer Wericht. Die dem Raume entnommenen Synonyma für Gott in der neu-hebr. Literatur. Von Dr. E. Landau. Zürich 1888. Cäsar Schmidt. 8. Es ist bekannt, daß die hebr. Literatur sich einer großen Menge umschreibender Ausdrücke für den Gottesnamen bedient; die dem Raume entnommenen copv, ru'ap zu erklären, bildet das Thema der vorliegenden Schrift. Die einfache Erklärung Geigers, daß die religiöse Scheu vor der Anwendung und dem Aussprechen des Gottesnamens nach umschreibenden Ausdrücken suchen ließ, verwirft der Vers., und er versucht mit dem Aufgebot eines sehr gelehrten Apparates die Frage auf andere Weise zu lösen. Auch die Erklärungen, die darauf Hinweisen, daß der für Gott gedachte Raum in ganz natürlicher Gedanken-Kombination zur Bezeichnung Gottes selbst wurde, will der Vers, nicht als allein bestimmend gelten lassen. Der Vers, sucht deßhalb einen fremden Einfluß nachzuweisen, welcher die Umschreibung durch und oipo veranlaßt habe und findet diesen in den Lehren des Zend-Avesta, wonach Himmel und Raum selbst als Gottheiten galten, und zwar sei cs R. Akiba, der mit Parsen verkehrt habe, gewesen, der diese Vermittlerrolle gespielt habe. Wir glauben, daß gerade im Gegentheil, wäre diese parsische Vorstellung bekannt gewesen, man sich mit aller Macht dagegen gewehrt hätte, diese Bezeichnungen aufkommen zu lassen. Es ist ein ganz natürlicher Gedankenvorgang und eine natürliche Wortübertragung, wie wir sie bei allen Völkern finden, den Himmel als den gedachten Wohnsitz Gottes als Bezeichnung für diesen zu verwenden und so diese beiden Begriffe zu vermischen. Gingen doch die Griechen sogar so weit, diese Begriffsverwechslung auch umgekehrt durchzuführen, daß sie den Himmel Zeus nannten: „ein freundlicher Zeus lächelt auf die Erde hernieder;" liegt es da nicht sehr nahe, daß die Juden, die sich ängstlich scheueten Gottes Namen durch unnöthiges Aussprechen zu entweihen — und wir theilen in dieser Beziehung vollständig Geigers Ansicht — den Himmel, der so oft im bildlichen Sinne als Gottes Wohnung bezeichnet wird: d'öb' ll'von oder pnt^’ D'Dtta u. dgl. nt., als Bezeichnung für Gott anzuwenden? Will derVerfasfer es nicht zugeben, daß Dipo aus 'n oipo oder dem als cij?p Gezeichneten Tempel entstanden sek, so geben wir ihm recht; doch wir sehen nicht ein, daß dieses Wort, das niemals so wie O'vw populär geworden ist, nicht aus der philosophischen Denkweise und Denkkraft der Rabbincn entstanden sein soll. Mit welchem Rechte der Vers, diese philosophische Denkkrast den Rabbinen abspricht, ist uns nicht erfindlich. Dem, was der Vers, über rrap sagt, kömmt wir im Ganzen und Großen beistimmen. Was der Vers, über d'W n* sagt, zeigt sich schon durch die Uebersetzung „Die Hände des Himmels" als falsch. ’T ist hier zur einfachen Präposition geworden und D’Dff ’td nrvD heißt nicht „Tod durch die Hände des Himmels", fotiberit Tod durch unmittelbares Eingreifen Gottes im Gegensatz zum Tod durch menschliches Gericht. Vgl. die Ausdrücke »v hs» D’Bff ’T N3\ ran. Unter der Aufzählung der verschiedenartigen Bezeichnungen für Gott in der Einleitung fehlen die Bctheucrungs - Ausdrücke 'n» oma«i Sabb. 22 a und Gittin 58 a. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. 8. Frankfurt a. M. Die segensreiche Thätigkeit des hiesigen jüdischen H a nd werkerVereins scheint über das Weichbild unserer Stadt hinaus nicht genügend bekannt zu sein, so daß es im Interesse der hiesigen auf Stellung wartenden Lehrlinge sowohl als auch in dem Lehrlinge suchender Meister angczeigt scheint, einen größern Leserkreis auf denselben aufmerksam zu machen. Der hiesige Verein verschafft jungen aus der Schule entlassenen Leuten Stellen und versorgt sie während der Lehrzeit mit der nöthigen Kleidung. Solchen, die zur Zufriedenheit ihrer Meister ihre Lehrzeit vollendet haben, wird auch weitere Unterstützung gewährt. Die Unterbringung solcher Lehrlinge hat aber, namentlich wegen der religiösen Verhältnisse ihre Schwierigkeiten, da an sabbatfreien Stellen, will man sich aus unsere Stadt und die nächste Umgebung nur beschränken, Mangel ist. Dieser Mangel kann gehoben werden, sobald alle jüdische Hand-