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Der Israelit · 1890-01-23 · Heft 7 (23.1.1890) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 7 (23.1.1890)
Date
1890-01-23
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Die Wasserversorgung der Stadt Jerusalem in geschichtlicher und topographischer Darstellung. Von Baurath C. Schick in Jerusalem. (I. Fortsetzung.*) ■-- —- Im Allgemeinen ist das Cisternenwasser gut und kühl, und demjenigen der einmal daran gewöhnt ist, schmeckt es oft besser als manches Quellwasser, hauptsächlich auch desshalb, weil es, unmittelbar geschöpft, frischer ist als das durch einen, wenn auch noch so kurzen Transport lau gnwordene Quell wasser. Damit das Wasser aber gut und frisch bleibe, müssen die Cisternen mit einem dicken Steingewölbe überdeckt sein, und es darf weder das Sonnenlicht eindringen, noch allzuviel Luftzutritt stattfinden. Grösse, Form und sonstige Beschaffenheit der Cisternen sind sehr verschieden. Die kleinsten derselben fassen bloss 100 Kubikfuss Wasser, während einzelne der grössten bis zu 100,000 und noch mehr aufnehmen können. Die meisten aber haben einen Raumgehalt von 800 bis 3000 Kubikfuss, der für eine massig grosse Familie das ganze Jahr hindurch ausreicht. Was die Form der Cisternen betrifft, so ist das Viereck oder besser Parallelogramm als _Grundriss^ vorherrschend, namentlich bei allen in neuerer Zeit gebauten. Es giebt indessen besonders unter den älteren auch runde und vieleckig gestaltete Cisternen. Der Bauart nach sind die Cisternen in vier Classen einzutheilen. a) Solche, die gänzlich in den Felsen gehauen sind, müssen als die ältesten gelten und stammen jedenfalls aus jüdische^zum Theil sogar aus kanaanitiseher Zeit. Wegen ihrer Dauerhaftigkeit sind sie bis auf unsere Tage wohlerhalten und im Gebrauche geblieben. Alte Ortslagen lassen sich stets an diesen Cisternen erkennen. Da sich im palästinensischen Kalkgebirge das weiche Gestein {Me/ek) zumeist von einer härteren Felsschicht (Mezze) überlagert findet, haben die Erbauer solcher ausgehöhlten Cisternen in die harte Felsendecke ein rundes Loch von ungefähr zwei Fuss Durchj messer senkrecht und so tief eingehauen, bis der weichere Kalkstein erreicht wurde; in diesem wurde dann das Loch mit grosser Leichtigkeit nach allen Seiten hin erweitert und mit nahezu senkrechten Wandlungen nach unten hin vertieft, so dass die ganze Aushöhlung eine flaschenartige Form bekam. Die Tiefe des unteren weiteren Theiles übersteigt in der Regel beträchtlich dessen Breite; doch sind diese Er- •) 8. Nr. 382. I Weiterungen oft sehr unregelmässig. Bei den allergrössten Cisternen, welche hierher gehören, findet man die Felsendecke gestützt durch massive Pfeiler von ausgespartem Gesteine und mitunter auch eine in den Felsen gehauene Treppe zum Hinuntersteigen angebracht, sowie in der Regel eine grössere Anzahl von Mundlöchern. Da der Kalkstein meist porös und mit Spalten durchsetzt ist, wurden diese Cisternen von oben bis unten mit einem undurchlässigen Mörtel gut cementirt. b) die Cisternen der zweiten Gattung sind ganz ähnlich wie die vorigen in den Felsen gehauen, jedoch enger (nur 8 bis 10 Fuss weit) und nicht zunächst für Regenwasser, sondern zur Ansammlung des aus dem Gesteine selbst rinnenden und tröpfelnden Wasser bestimmt. Sie sind desshalb bloss in ihrem unteren Theile cementirt, während weiter herauf die nackte Felswand in Schichten gelagert sichtbar ist. Diese nennt man „Brunnen“ (arab. Bir, pl, Bijar) im eigentlichen Sinne des Wortes; es giebt deren auch in Jerusalem einige, und der Bir Bjjub, der alte Bjn Rogel (Walkerquelle), gehört selbst zu dieser Gattung. — Auf diese beiden Arten von Cisternen spielt wohl Jiremiah an, wenn er (Cap. 2,13.) sagt: „Die Quelle lebendigen Wassers haben sie verlassen, um sich Brunnen (Cisternen) zu hauen, geborstene Brunnen, welche kein Wasser halten“, d. h. nicht oder schlecht cementirte Cisternen, aus denen das Wasser durch die Risse des Gesteins oder des Mörtels hinwegsickert. Die Oeffnungen dieser Cisternen konnten mit einem schweren, durch das öftere Hin- und Herbewegen abgerundeten und so der Kugelform sich nähernden Steine verschlossen werden, den hinwegzuwälzen es eines starken Armes bedurfte (vegl. Gen. 29, 2—3.). c) Die dr i tt e Klasse bilden Cisternen, welche schachtartig, meist viereckig, seltener rund, in den Felsen gehauen, oder mit senkrechten Wandungen aufgemauert und mit einem Verschlüsse von Felsblöcken oder Steinplatten versehen, bisweilen aber auch in der Weise bedeckt sind, dass querüber ein oder zwei und mehr Bogen gewölbt waren, aut welchen die Steinplatten dann ruhten. Derartige Cisternen gehören jedenfalls einer späteren Zeit an. Es giebt unter

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