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Der Israelit · 1890-01-23 · Heft 7 (23.1.1890) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 7 (23.1.1890)
Date
1890-01-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. Zweite Beilage zu M 7 des „Israelit" L „Ieschurun". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Treuchtlingen, 17. Januar. Der :ny mo» (18. The bet) war für unsere Nachbargemcinde Pappenheim ein '.-iu '22 vr, ein Tag schweren und herben Verlustes. Der in weiten Kreisen bekannte und hochgeachtete Herr David Feuchtwanger schied nach kaum dreitägigem Unwohlsein ganz unerwartet und plötzlich ans diesem Leben im Alter von nicht ganz 60 Jahren. Nicht allein seine Familie, sondern insbesondere die kleine jüdische Gemeinde, deren Vorstand der Heimgegangene länger als 20 Jahre gewesen, vor allem aber die Armen und Nothleidenden haben durch den Tod dieses frommen, wohlthätigen, echten Jehudi einen unersetzlichen Verlust erlitten. Herr Lehrer Heß von hier sprach am Grabe tiefempfundene, warme Worte der Anerkennung der Tugenden und edlen Eigenschaften des Verewigten. Schon in frühester Jugend verlor erden Vater, und seine Mutter erzog ihn zu einem frommen Jüngling. Als solcher half er ihr die unmündigen Geschwister, an denen er auch später mit aller Liebe hing, ernähren und erziehen. Er war nicht allein ein ,treuer, sorgsamer Gatte, ein liebender, aufopfernder Vater, der seine Töchter zu würdigen Frauen in Israel erzog, ein strebsamer Arbeiter, ein treuer Bürger des Staates und der Gemeinde, sondern auch Vater der Armen und Hilfsbedürftigen. Seine Wohlthätigkeit kannte keine Grenzen und er beschränkte sie nichtblos auf seine Nähe, sondern auch auf die weiteste Ferne, besonders auf npnpn fix erstreckte sich dieselbe in hohem Maße. Aber nicht allein den Lebenden erzeigte er non, sondern auch den Tobten; denn überall war er zur Hand, wo eine niLv zu erfüllen war. Er war der kleinen Gemeinde, die nicht pIv zählt, für welche er stets zu sorgen strebte, die letzte feste Säule, die nun gefallen. Die Stadt Pappenheim ehrte ihn dadurch, daß er 18 Jahre lang Mitglied des Collegiums und Armenrathes war. In welch' hohem Maße er sich die Liebe seiner Mitbürger und Mitmenschen erworben hatte, bezeugte das überaus große Leichenbegängniß, wozu sich fast alle Mitglieder hiesiger Gemeinde, der Stadtrath und dasCollegium und fast sämmtliche Einnahme der Stadt eingefunden hatten. Seine Gottesfurcht und Frömmigkeit war keine äußerliche, sondern eine wahre und aufrichtige. Von dieser zeugte ganz besonders seine Demuth und ^Ergebung in des Allmächtigen Rathschluß, als ihm vor 7 Jahren ein hoffnungsvoller Knabe von 5 Jahren, der letzte von sieben Söhnen, unerwartet schnell entrissen wurde, welcher der L>tolz seines Alters war, und die Hoffnung, daß er der Träger seines Namens und Erhalters seines Hauses werden sollte. Der Allgütige tröste die tieftrauerude Familie und Gemeinde und schenke ihnen die Kraft, den schweren Schicksalsschlag zu tragen, wie der Verstorbene es that, in Demuth und Ergebung. Sein Andenken wird ein stets gesegnetes bleiben, -"ss: n. H. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 19. Januar. Einer der gefeiertsten und berühmtesten Cantoren und Sänger seines Zeitalters, der weit über die Grenzen unserer Monarchie hinaus anerkannt gewesene pensionirte Oberkantor der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Professor Salomon Sulzer ist vergangenen Freilag Nachts im Alter von 85 Jahren gestorben. Allgemeine Trauer herrscht in der hiesigen Gemeinde, welche einen schmerzlichen Verlust zu beklagen hat. Obwohl wir einer anderen religiösen Richtung als der verstorbene Oberkantor, welcher der erste Reformator des altjüdischen Gottesdienstes gewesen, angehören, können wir uns es doch nicht versagen, dem Dahingeschiedenen als Künstler, Sänger, Mensch und nationalen Juden einen warmen Nachruf zu widmen. Salomon Sulzer wurde im Jahre 1805 in Hohenems in Tirol geboren. Er bekundete schon als Kind musikalisches Talent, und seine Eltern ließen ihm eine sorgfältige Erziehung zu Theil werden. Schon im Alter von 15 Jahren trat er in den Dienst der israelitischen Gemeinde von Hohenems, wo er auch bald darauf zum Cantor avancirte. Im Jahre 1825 wurde er als Obercantor der ersten Synagoge in Wien angestellt. Seit dem Antritte seines Amtes lebte und wirkte Sulzer in Wien, seiner zweiten Vaterstadt; er bewegte sich in den vornehmsten Gesellschafts- und Kunstkreisen, und der alte Mann mit den scharfausgeprägten Gesichtszügen, dem weißen Haare, das ihm über den Nacken wallte, war eine stadtbekannte Figur in Wien geworden, hatte allenthal-

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