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Der Israelit · 1890-01-23 · Heft 7 (23.1.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 7 (23.1.1890)
Date
1890-01-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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sich die Herzogin, die ihrer Niederkunft entgegensah, in großer Gefahr. Die Aerzte erklärten, nicht helfen zu können. Dr. Adler ließ seine Gemeinde in die Synagoge rufen, und man betete in heißer Andacht für das Leben der geliebten Fürstin. Die Gebete fanden Erhörung, die Herzogin war gerettet. Der Vice-König überschickte dem Rabbinen ein Dankschreiben und eine Börse mit 100 Friedrichsdor. Dr. Adler schickte das Geld mit der Bitte zurück, es an die Armen vertheilen zu lassen. — Als im Jahre 1837 die Königin Victoria den englischen Thron bestieg, hörte die Personalunion auf, da nach dem in Hannover giltigen salischen Gesetze Frauen von der Regierung ausgeschlossen sind. In Hannover bestieg Ernst August, bis dahin Herzog von Cumberland, den Thron, und der Herzog von Cambridge kehrte nach London zurück. Im Jahre 1845 starb der Oberrabbiner von London, Rabbi Salomon Herschel Berliner, und die Vorsteher der Gemeinde sahen sich nach einem Nachfolger des Verewigten um. Als der Herzog von Cambridge davon hörte, fuhr er zu den Vorstehern, um ihr Augenmerk auf den Mann zu lenken, den er in Hannover so hoch hatte schätzen lernen. Wir wollen nicht sagen, daß diese hohe Empfehlung maßgebend war; vielleicht hätte es derselben gar nicht bedurft, denn die Gelehrsamkeit und Frömmigkeit des Hannoverischen Landrabbineu wurden überall gerühmt. Im Jahre 1846 trat Rabbi Nathan Adler sein Amt in London an. In den ersten drei Jahren durste er noch in deutscher Sprache predigen; aber schon früher hatte er die englische Sprache derart erlernt, daß ihm das Predigen in derselben keine Schwierigkeiten mehr bereitete. Seitdem stand Rabbi Nathan den religiösen Angelegenheiten der englischen Juden vor, allgemein verehrt und beliebt. Auf wifsenschaftlichem Gebiete hat sich Rabbi Nathan Adler durch seinen Commentar auf den Targum Onkelos, ruw, ein bleibendes Denkmal gesetzt. In der Führung der Rabbinats-Geschäfte stand ihm in den letzten Jahren sein zweiter Sohn, vr. Hermann Adler als Delegate-Rabbi zur Seite. Ein wohlgelungenes Portrait des Verewigten brachten wir bereits in Nr. 41 von 26. Mai 1887, weßhalb wir heute von der Wiedergabe seines Bildniffes absehen. Möge der Allgütige die trauernde Familie trösten; den britischen Gemeinden wünschen wir indeß, daß ihre Wahl eines Nachfolgers in diesem so wichtigem Amte eine ebenso glückliche sein möge, wie zur Zeit, da sie dem Wunsche eines Herzogs von Cambridge Folge gegeben. 'TP "DT^ 'Ferek Schiray. xni. (Der Lobgesang der Felder.) I. Mainz, 20. Januar, .ruona Q'üv po ,p» id» ddddd ‘i tcnow r\rw „Die Felder sprechen: Der Ewige, mit Weisheit hat Er gegründet die Erde, Er richtet ein die Himmel mit Vernunft." (Mischte, Cap. 3, V. 19.) Es ist ein herzerfreuender Anblick, welchen die wogenden Kornfelder im Frühsommer bieten. Hochaufgeschossen sind die Halme, und auf ihnen wiegen sich die blüthenreichen Aehren. Der Wind streift über das Gefilde, so daß die sich beugenden und sich wieder erhebenden Halme einen Anblick bieten gleich den Wellen des MeereS. Nicht nur das Auge wird erquickt, auch die Vorstellung erfreut uns, daß hier das Korn reift, aus dem das Hauptnahrungsmittel der Menschen, das Brod, gewonnen wird. Diese Kornfelder singen dem Schöpfer des Weltalls ein Loblied: „Der Ewige, mit Weisheit hat Er gegründet die Erde, Er richtet ein die Himmel mit Vernunft." Warum den Feldern gerade dieser Vers aus den Sprüchen des weisen Königs in den Mund gelegt wird, das bedarf der Erklärung und der Erörterung. Daß wir uns von den Früchten des Feldes ernähren können, dazu find drei Factoren nothweudig: die Erde, aus deren Schooß die Pflanzen hervorwachsen; der Mensch, der den Erdboden bearbeitet, pflügt, säet, egget, gätet u. s. w., und endlich der vom Himmel herniederströmende Regen, welcher den Schooß der Erde befruchtet und den Pflanzen die Nahrung bietet. Von allen lebendigen Geschöpfen ist nur der Mensch zur Arbeit berufen; alle die anderen Wesen ernähren sich von dem, was die Erde ihnen freiwillig bietet oder sie verzehren einander. Der Mensch dagegen muß den Boden bearbeiten, damit er ihm dasjenige hervorbringe, was er zu seines Leibes Nahrung braucht. Diese Bestimmung ist schon gleich bei der Schöpfung ausgesprochen, wie es heißt (1. B. M., Cap. 2, V. 15): „Und es nahm der Ewige, Gott, den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bearbeiten und ihn zu hüten." Wir sehen also, daß die Bearbeitung des Bodens durch den Menschen sogar im Paradiese nicht unterlassen werden sollte. Durch den Sündenfall wurde die Arbeit nur erschwert und vermehrt. — Daß die drei von uns angeführten Faktoren für die Gewinnung der Feldfrüchte noth-

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