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Der Israelit · 1890-01-20 · Heft 6 (20.1.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 6 (20.1.1890)
Date
1890-01-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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.'3"_‘?j^5-/ 70 brauchen keine gestempelte Religion (auf die gestempelten Schulzeugnisse anspielend). Es sei Pflicht der Eltern ihre Kinder in der Religion im Hause unterrichten zu lassen. Diese, unter allgemeinem Mißfallen aufgenommenen Worte wurden von Herrn Wilhelm Pappenheim treffend zurückgewiesen, indem er an den Lector Friedmann die Frage gestellt, ob man den Unterricht im Lateinischen und Griechischen auch auS der Schule weisen solle, weil sie „gestempelt" werden. Nachdem noch Herr Dr. Bloch, und unter großen Beifall gesprochen, versuchte es Rabbiner Schorr den Lector Friedmann zu vertheidigen, indem er behauptete, daß er (Schorr) als Religionslehrer es am Besten wisse, daß die zwei Religionsstunden in der Woche viel zu wenig seien, um das Kind in die Bibel im Urtexte einzuführen. Da aber der Schulrath bisher die Vermehrung derselben verweigert, daher habe Herr Friedmann den Schwerpunkt auf den häuslichen Unterricht verlegen wollen. Ueberdies werde diese Meinung von vielen Eltern, wenn auch nicht mit derselben Absicht unterstützt, welche über Ueberbürdung der Kinder klagen und da es mit der Redncirung der anderen Gegenstände nicht gehe, so ergeht es dem Religionsunterricht, wie dem Propheten Jona, der kaum das Bekenntniß ’-oy gemacht, sogleich in's Meer geworfen wurde. Nachdem noch meherere Redner gesprochen, schloß der Präsident, der Cultusvorstand Dr. Grünfeld, die von den Herren Cultusvorstehern, den Herren Baurath Stiaßni, Biach und anderen Honorationen äußerst zahlreich besuchte Versammlung. Lö. Italien. Rom. Aus Rom kommt die traurige Nachricht von dem Tode des bekannten Rabbiners Cav. Moses Ascarelli. Es ist dies ein schwerer Verlust für die israelitische Gemeinde in Rom, deren Leuchte und Schmuck der Verstorbene war. In ihm vereinigten sich große Kenntniß der weltlichen und geistlichen Wissenschaften, ein Herz von Gold, welches seine Geisteseigenschaften in einem noch helleren Lichte erscheinen ließ.; Er verläßt diese Welt in einem noch jungen Alter, wo er noch der römischen Gemeinde bedeutende Dienste hätte leisten können, so wie auch der Sache des Judenthum's, dessen eifriger Vorkämpfer er stets gewesen. Frankreich. Paris. Rabbinatsassessor Mayer wurde mit dem Orden der Ehrenlegion decorirt. — Der hiesige Arzt Dr. Arnold Netter ist von der > türkischen Regierung beauftragt unter dem Protectorate der französischen Regierung in Beyrouth (Syrien) eine Schule der Medicin zu errichten. Paris. Dr. Emil Berger wurde wegen seiner hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen zum Offizier der französischen Akademie ernannt. England. Aus London, 2. ds., wird gemeldet: Die Königin hat den Bankier Sir Albert Sassoon in den Baronetsstand erhoben. Er besaß bereits als Inhaber des Commandeurkreuzes des Ordens vom Stern von Indien die Ritterwürde, die indeß nicht erblich ist. Rußland. Petersburg. In Rußland, wo die Juden täglich gedemüthigt und erniedrigt werden, wo man sie verfolgt und aller Rechte beraubt, leisten unsere Glaubensgenossen eine größere „Blutsteuer" als die anderen Konfessionen des Landes. Nach der neuesten Statistik dienen in der russischen Armee etwa 100,000 Judeil. Jeder 41. jüdische Einwohner ist Soldat, während von den christlichen Unterthanen des großen Czarenreiches nur jeder 61. der Armee angehört. Dorpat. Die israelitischen Studenten an der hiesigen Universität, Heinrich Higier, Heinrich Kohn und Ramm ans Warschau erhielten für die besten gelehrten Arbeiten je eine goldene Medaille. A s i e n. Bagdad. Entgegen einer früheren Nachricht ist zu berichten, daß der durch seine jüngst an hiesigen Juden begangenen Gewaltsmaßregeln bekannt gewordene Gouverneur Mustapha Assym Pascha durch seine Versetzung von hier eine Beförderung erlangt hat. A m e r i k a. New-Nork, 11. Jan. Eine Anzahl hervorragender Israeliten, welche sich den Schutz ihrer eingewanderten Glaubensgenossen angelegen sein läßt, gründete vorige Woche die „Montefiore and Lady Judith Hebrew Association of the City and County of New-York“, nachdem folgende Beschlüsse gefaßt worden waren: „Die Zukunft des jüdischen Einwanderers verdient die ernste Erwägung jedes Israeliten. Wir sind deßhalb zusammengekommen, um die Wohlfahrt Derer zu fördern, welche wegen ihrer Religion in

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