Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1890)
- Date
- 1890-01-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Srilagk ju.yK 6 des „3srnelit“&„Iefthurun Zeitungsrrachrichteu und Correspoudenzen. D c n L f ch l a u d. Berlin. Der Frau Lina Morgenstern, Vorsitzenden des Vereins der Berliner Volksküchen, ging nachstehendes kaiserliches Handschreiben zu: „Ich glaube im Sinne der von uns tiefbetrauerten Kaiserin Augusta zu handeln, wenn ich den Verein der Berliner Volksküchen, sowie die Anstalten, deren Protectorin die Hohe Heimgegangene war, Meines warmen, dauernden Interesses versichere. Ich erfülle damit eine heilige Pflicht gegen die theure Entschlafene, deren aufopfernde Liebesarbeit sich in diesen Vereinen und Anstalten so lange segensreich bethätigte. Berlin, den 9. Januar 1890. Auguste Victoria, Kaiserin und Königin. An die Vorsitzende des Vereins der Berliner Volksküchen aus dem Jahre 1866, Frau L. Morgenstern." Berlin, 8. Januar. In der städtischen Schuldeputation wurde heute die Antwort des königlichen Proviuzial-Schulkollegiums au die Deputation, betreffend den Fall B o r e t i u s, mitgetheilt. Dasselbe stellt sich nicht auf den Standpunkt der städtischen Schuldeputation, welche in einem ausführlichen Berichte beantragt hatte, Fräulein Boretius wegen der Zurückweisung jüdischer Schülerinnen zu rektifiziren. Das Prov.-Schul-Kollegium findet keine Veranlassung zu Maßnahmen gegen Fräulein Boretius, da ein Einspruch der Eltern auf Aufnahme ihrer Kinder in eine bestimmte Privatschule nicht anerkannt werden könne, die Anmeldung und Zulassung der Zöglinge bei Privataustalteu vielmehr der Vereinbarung der Betheiligten überlassen bleiben müsse. Ohnedies könne eine prinzipielle Ausschließung jüdischer Schülerinnen seitens des Fräulein Boretius nicht behauptet werden, da eine weitere Zulassung derselben erst beanstandet worden sei, nachdem die Zahl jener Schülerinnen ein Drittel der Gesammtfrequenz der Anstalt reichlich überschritten hätte, während zur Zeit noch ein Fünftel der Schülerinnen der jüdischen Religion angehöre. Erst wenn für jüdische Eltern bezüglich der Unterbringung ihrer Töchter in höheren Mädchenschulen nachweislich Schwierigkeiten sich Herausstellen sollten, würde die etwaige Aufnahme entsprechender, die Zulassung jüdischer Schülerinnen fordernder Bedingungen in künftig zu ertheilende Konzessionen in Erwägung kommen. Dessen bedürfe es zur Zeit nicht, da die jetzt angestellten Ermittelungen ergeben! hätten, daß im November 1889 die hiesigen öffentlichen und privaten höheren Mädchenschulen unter 17.000 Schülerinnen von 3457 jüdischen Mädchen besucht worden seien, und daß noch etwa 8000 Plätze und zwar 900 allein im Westen Berlins für einen zu erwartenden Zuwachs zur Verfügung ständen. Einer aus der Mitte der städtischen Schuldeputation gegebenen Anregung, über diese Angelegenheit an den Minister zu berichten, wurde aus dem Grunde keine Folge gegeben, weil, wie versichert wurde, vorausgesetzt werden könne, daß das Schreiben des Proviuzial-Schulkollegiums nach eingeholter ministerieller Zustimmung erlassen sek. Ein Mitglied der Deputation beschränkte sich schließlich darauf, den Unterschied hervorzuheben, der zwischen dem in einer ähnlichen Angelegenheit erlassenen Reskript des Kultusministers Falk und dem vorliegenden bestehe, woraus sich ergebe, daß die Unterrtchts-Verwaltung jetzt in ganz andere Bahnen einlenke. Berlin. Das„Berl. Tagbl." berichtet, der Kaiser habe den Wunsch ausgesprochen, daß die „Kreuzzeitung" und Stöckers „Volk" in den Kasernen und Offizierscasinos nicht gehalten werde; außerdem habe der Kaiser die „Kreuzzeitung" von allen kaiserlichen Schlössern verbannt. Für die „Kreuzzeitung" wäre dies ein harter Schlag, da das Blatt in diesen Kreisen viel gelesen und gehalten wird. Oberglogau, 11. Jan. Dem mit Emin Pascha nahe verwandten Ehepaar Broschwitz ist anläßlich der goldenen Hochzeit bei der Feier in der Synagoge ein kaiserliches Glückwunschschreiben und die Jubiläums-Medaille überreicht worden. Lauenburg i. Pom. Ueber die Wahl unseres neuen Rabbiners des Herrn Dr. Mannheimer, Zö gling des unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer stehenden Rabbiner-Seminars, wurde in diesen Blättern bereits berichtet. Am ersten Chanuka-Abend traf Herr Dr. M ann h e imer hier ein, und wurde nach den üblichen Empfangsfeierlichkeiten in die Synagoge geführt, wo er nach