Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1890)
- Date
- 1890-01-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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beim Erlernen jeder andern fremden Sprache, durch Memoriren die Vokabeln sich fest cinprägen, weshalb es am zweckmäßigsten sei dem Uebersetzen ein Vokabularium zu Grunde zu legen. Als ein sehr praktisches Lehrbuch empfiehlt Redner die „T'sillah K'zarah" von Dr. Rahmer, da dieselbe nicht nur eine für die verschiedenen Altersstufen richtige Stoffauswahl, sondern auch ein Vokabularium enthält. Um jedoch das Kind mit dem Inhalte der T'sillah ganz und gar vertraut zu machen, sei es von großem Nutzen, wenn man, namentlich in der Oberklasse, auch auf die Entstehung unserer wichtigsten Gebete und deren Verfasser etwas näher eingehe. Als ein für diesen Zweck zur Vorbereitung für den Lehrer sehr brauchbares und zugleich belehrendes Buch empfiehlt Redner „das Gebetbuch und der Religionsunterricht" von M. Mannheimer, cm. Rabbinatsverweser und Religionslehrer in Darmstadt (Selbstverl. des Verfasser-). Ferner empfahl Redner „das synagogale Gebet in seiner geschichtlichen Entwickelung von Dr. M. Duschak (Jllnstr. Monatshefte für die gesummten Interessen des Judenthums, Vaud I Seite 83 ff. 1865) als für diesen Zweck sehr geeignet. Mit dem Hinweise auf die segensreichen Folgen, die aus einer solchen Behandlung der T'sillah ersprießen würden, schloß der Redner seinen gediegenen Vortrag, für welchen er den Beifall der Versammlung erntete. Nach einer sehr lebhaften Debatte, au welcher sich vorzüglich die Herren Lehrer Levy-Nordeu, Gotthelf-Geestemünde, Flcischhacker-Harbnrg, Landrabbiner Dr. Guttmann-Hildesheim, Landrabbiuer Dr. Gronemann-Hannovcr, Seniinardirektor Dr. Kroner- Hannover und a. m. beteiligten, wurden schließlich folgende Thesen angenommen: 1) Zur lebendigen Theilnahme am Gottesdienste, sowie bei den religiösen Hebungen im Hause ist Kenntniß und Verständnis; der T'sillah, sowohl in ihrem Inhalte, wie in ihrer Anwendung erforderlich. 2) Daher bildet das Lesen und Uebersetzen der T'sillah, sowie die gottesdienstliche Anwendung derselben einen Hauptunterrichtsgegenstand des jüdischen Religionsunterrichts. 3) Zur Erlangung eines richtigen und geläufigen Lesens der hebräischen Gebete ist cs erforderlich, daß der Leseunterricht auf die ganze Schulzeit ausgedehnt und in methodischer Weise mit Beachtung der grammatikalischen Lescregeln ertheilt werde. 4) Das Uebersetzen der Gebete hat im zweiten Schuljahre seinen Anfang zu nehmen und muß daun 83 die ganze Schulzeit hindurch regelmäßig werden. 5) Um das Ziel dieses Unterrichtsgegenstandes, Kenntniß der wichtigsten täglichen, Sabbat- und Festgebete, zu erreichen, ist es erforderlich, daß der Unterrichtsstoff in konzentrischen Kreisen auf die einzelnen Klassen oder Abtheilungen vertheilt werde, damit in den folgenden Abtheilungen das Pensum der vorhergehenden wiederholt und von neuem befestigt werden kann. 6) Als Vorbereitung und Nachübung ist den Schülern ein geeigneter Leitfaden in die Hand zu geben; das Uebersetzen selbst hat jedoch aus der Tifillah zu erfolgen. 7) Neben einem geläufigen Lesen und ^gründlichen Uebersetzen der Gebete ist stets auf ein richtiges Verstäudniß derselben hinznarbeiteu. 8) Sowohl beim Lesen, wie beim Uebersetzen der Gebete sind die Schüler mit unserem Gottesdienste bekannt zu machen und unausgesetzt zu einem richtigen Gebrauche der T'sillah beim öffentlichen Gottesdienste, wie bei den religiösen Uebungeu im Hause auzuleiteu. Hiermit schloß Mittags 1 Uhr die Vormittagssitzung. j Fortsetzung der Verhandlungen Nachmittags 3i/2 Uhr. Der Tagesordnung entsprechend ertheilte der Vorsitzende deni Lehrer Levisohn-Werdeu das Wort zu seinem Referate: Warum erscheint eine alljährliche GeneralversammluugderMitgliedcr unserer Unterstützungs- I lasse resp. Berathnng über dieselbe wünschenswcrrh, und welche Mittel und Wege sind zur j Förderung dieser Kasse in Anwendung zu bringen 2" In seinem mit vielem Fleiße ausgearbeitcten Vortrage führt der Referent Klage darüber, daß im ganzen nicht genug geschehe, um den Fond der .Kaffe zu erweitern. Gegenüber anderer Pensiouskassen für jüdische Lehrer in Deutschland, sowie der Unterstütznngskasse für Seminaristen der jüd. Lehrerbildungsanstalt zu Hannover, geschehe von unserer Kaffe nach außen hin viel zu wenig, um dieselbe zu heben. Referent fordert die Mitglieder auf, in ihren Gemeinden sowohl, wie auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit für die Kaffe Propaganda zu machen, und gibt Mittel und Wege an, wie dieses zu geschehen sei. Referent erntete für die in seinem Vortrage ertheilten Rathschläge die un-