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Der Israelit · 1890-01-09 · Heft 3 (9.1.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 3 (9.1.1890)
Date
1890-01-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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39 dem höllischen Wetter einer von unseren Leuten nicht schlafen kann und er aufsteht und draußen durch den Corridor geht, wenn er da hier bei mir Deine Stimme hört —" „Schon gut, schon gut", fiel der Große ein, „ich habe doch schon gesagt, daß ich leise reden werde — aber haben Sie kein Glas Grog zur Hand? — ich bin pudelnaß und —" „Nein," eutgegnete Adolf barsch, „ich habe nichts zur Hand, gar nichts — außer das Vereinbarte — wenn ich nämlich befriedigt werde." „Auch gut — aber ich sollte denken, Sie könnten schon zufrieden sein." „Verfluchter Kerl! mit Deinem unnützen Geschwätz! — Geschwind, sag' — wo ist er?" Ter Große sah ihn herausfordernd an. „Ho, ho, Herr Adolf, wenn mau von einem ordentlichen Menschen Gefälligkeit verlangt hat, dann geht man anders mit ihm um." Adolf lachte. „Der Nazi ist stolz geworden, schau' da Einer an! — Soll ich auch nicht Sie zu Dir sagen, oder gnädiger Herr?" „Nein," erwiderte Nazi gleichmüthig, „Du können Sie zu mir sagen, wie bisher, aber anschnauzen lasse ich mich nicht mehr, das merken Sie sich." „Schon gut, schon gut, ich werde 's mir merken. Aber nun habe die Güte, mir milzntheilen, wo er sich gegenwärtig befindet?" „So," lachte der Nazi, „das klingt schon anders, wenn Sie so mit mir reden, können Sie mit mir machen, was Sie wollen. Aber schimpfen oder anschnanzen —" Adolf machte eine ungeduldige Bewegung. „Ich bitte Dich, sag' mir wo er ist." „Wo soll er sein? — Sie haben mir doch besohlen, ihn auf's Schiff zu bringen, also befindet er sich auf dem Schiff — in einem Dampfer, der von Bremen nach New-Mrk fährt." „Und wie ist's gegangen?" „Wie am Schnürchen, sage ich Ihnen. Die Sachen haben gewirkt — großartig, sage ich Ihnen." „Und —" „Sie sind vollständig anßcr'm Spiel geblieben, der Mensch hat auch keine blasse Idee, wer ihm die Geschichte cingefädelt hat." „Das haben wir doch auch so verabredet, wenn er eine Ahnung davon hätte, brauchte ich Dir keinen Heller zu zahlen." „So? — meinen Sie? — Na, mir kann's gleich sein, denn — wie gesagt, er hat keine blasse Idee von der ganzen Geschichte." „Um so besser. Aber wo sind die Karten?" „Welche Karten?" „Na, die Schiffskarten für ihn und für den Karlitschek — denn der ist doch bei ihm?" „Freilich ist er bei ihm, und dem habe ich auch die Karten gegeben." „Dummer Kerl, Du! — und auf was hinauf soll ich Dir nun zahlen?" „Bor Allem sage ich Ihnen noch einmal, daß Sie das Schimpfen bleiben lassen, und wenn Einer hier im Zimmer ein dummer Kerl ist, so bin ich's nicht, das merken Sie sich. Wie haben Sie sich denn einbilden können, daß ich Ihnen die Karten! bringen werde?" i Adolf rieb sich die Stirn. „Aber wie kann > ich Dir trauen? — wer bürgt mir, daß Du mich nicht betrügst?" „Niein ehrliches Gesicht", erwiderte Nazi, ihm! frech in die Augen sehend. „Gauner - Physiognomie", murmelte Adolf in sich hinein. „Was sagen Sie?" „Nichts — gar nichts — ich überlege nur, wie ich mir Sicherheit von Dir verschaffen kann." „Das hätten Sie sich früher überlegen sollen. Jetzt heißt's zahlen!" „Nun ja freilich — aber —" „Kein aber — ich habe gearbeitet und Sie! müssen mir nun den vereinbarten Lohn auszahlen." „Nun, nun, nur nicht so wild — ich denke ja nicht daran, Dir auch nur einen Kreuzer abzuziehen." „Aber Sie halten mich auf, obgleich Sie wissen, daß ich bis auf die Knochen durchnäßt bin und Sie mir nicht einmal ein Glas heißen Grog geben wollen. — Also, jetzt sage ich's Ihnen zum letzten Mal, entweder zahlen Sic mir augenblicklich, was Sie mir zngesagt haben, oder ich gehe morgen in aller Frühe entweder zu Ihrem Vater, oder zu dem alten Bnchholz, oder gleich auf's Gericht." „Schon gut, schon gut, Du närrischer Kerl. Hier hast Du Dein Geld, 's ist ein für alle mal — aber nun mach', daß Du weiter kommst!" „Schönen Dank, Herr Adolf, und fürchten Sie sich nur nicht, ich bin ein ehrlicher Kerl. Soll ich Ihnen vielleicht eine Quittung ansstellen?" „Scher' Dich zum Henker!" „Das sollten Sie nicht sagen, denn wenn ich zum Henker käme, könnte ich leicht schwatzen." Er lachte über seinen eigenen Witz, verneigte sich grüßend und entfernte sich auf demselben Wege, den er gekommen. * * * Frühling war's, in warmem Glanze brachen! sich die Sonnenstrahlen in der schäumenden Fluth

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