Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1890)
- Date
- 1890-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 3 XXXI. Jahrgang. Israelit»„* Zeschurun. leitfdjrift jur FSrdMllg D. deines unti iiiii. fcbens in Uns. Gemeinde imü Klynie. Gentrat-Hrgau für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegeben von Dr. Lehman» in Mainz. Donner st ag, den 9. Januar 5650 (1890). I I Mainz, den 7. Januar. Von Berlin meldet der Telegraph, daß Ihre Majestät, die erste Kaiserin des neuen deutschen Reichs, heute Nachmittag 4 Uhr 30 Min., aus dem irdischen Leben ist abberufen worden. Die hohe Frau war fast sechs Jahrzehnte lang die treue Lebensgefährtin des Kaisers Wilhelm I., des Begründers des neuen deutschen Reiches und boUe somit auch ihren Antheil an den ruhmvollen Thaten ihres großen Gemahls. Sie war es, welche die Erziehung ihres einzigen Sohnes, des unvergeßlichen K aiser Friedrich, so gestaltete, daß die ganze Welt zu diesem erhabenen Helden, zu diesem edlen Dulder voll Bewunderung emporschauffe. — Mit tiefer Wehmuth erfüllt diese Todesnachricht die Herzen der Söhne und Töchter des deutschen Vaterlandes. Wir Israeliten haben noch besondere Ursache, das Andenken der Verewigten zu ehren. Kaiserin Augusta war stets von einer toleranten Gesinnung beseelt und hat derselben bei vielen Gelegenheiten Ausdruck gegeben. Auch jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten, namentlich in Berlin, war die hohe Frau eine hochherzige Beschützerin. — Die Verewigte war eine Enkelin des Großherzogs Earl August von Sachsen-Weimar, der durch sein intimes Freundschaftsverhältniß zu dem Dichterfürsten Göthe einen so großen Einfluß auf die Entwickelung der deutschen Literatur übte. Kaiserin Augusta marin gewissem Sinne als eine Schülerin Göthe's zu betrachten. Der Geist des Wohlwollens gegen alle Menschen, der Geist der allgemeinen Menschenliebe, welcher den großen Dichter in so hohem Maaße auszeichnete, war auf die hohe Verklärte « übergegangeu, die unter den Augen Göthe's hcrangewachsen und der er eines seiner Gedichte gewidmet hat. In diesem Geiste der allgemeinen Menschenliebe hat die Verewigte ihre einzige Tochter, Ihre Königliche Hoheit die Frau Großherzogin von Baden, erzogen, und alle Welt weiß, wie diese erhabene Fürstin, vereint mit ihrem hohen Gemahl, Liebe und Wohlwollen allen Menschen gegenüber übt. Möge der allgütige Gott der vielgeprüften hohen Frau Trost senden, sowie allen, die um den Heimgang der allverehrten Kaiserin trauern, namentlich der durch diesen harten Schlag aufs Neue so schwer! geiroffcueu Kaiserin Friedrich, sowie unserem glor- , reichen Kaiser Wilhelm II. und dessen erlauchten Gemahlin. Hoffen wir zu Gott, daß der erhabenen kaiserlichen Familie nach den harten Schicksalsschlägen der jüngst verflossenen Jahre künftig nur Freudiges beschieden sein möge! — Aerek Schiray.*) Mainz, 6. Januar. XI. (Der Lobgesang der Wüste.) I. .rt'srnc mem nmy rvsn “imo d*.bw’ „Freudvoll wird sein Wüste und dürres Land, und es wird frohlocken die Einöde und wird blühen wie eine Lilie." (Jesaias, Eap. 35, V. 1.) Ehe wir zur Erklärung des Lobgesanges der Wüsre schreiten, müssen wir den Ausspruch des Propheten Jesaias, der ihr in den Mund gelegt wird, einer genauen Betrachtung unterziehen, da die *« Tie neueingelreteneu Abonnenten, welche die Anfänge dieser Abhandlungen von der Expedition verlangen, erhalten dieselben franco und gratis.