Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 100-101 (24.12.1889)
- Date
- 1889-12-24
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2448022--29233-2476954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4« Der Verein THTO HERDn in Jerusalem. Hier wurde ein Verein gegründet, der sich keine geringere Aufgabe gestellt hat als die, unsere heilige Sprache, das einzige nationale Gut, das wir uns aus unserer glorreichen Vergangenheit erhalten haben, zur Muttersprache der jüdischen Bevölkerung Palästinas zu machen. Dass ein solches Bestreben ein heiliges und hoch verdienstliches ist, dürfte wohl Jedem einleuchten, dessen Herz noch warm für’s Judeni thum schlägt, Jedem, der ein warmes Interesse für jüdische Geschichte und Literatur sich bewahrt hat. Welcher Jehudi möchte nicht Freude und Genugthuung darüber empfinden, neue Hoffnung für Israels Zukunft daraus schöpfen, dass die hebräische Sprache wenigstens im heiligen Lande noch als eine lebendige existire, und zwar nicht bloss bei den Gelehrten und in den Schulen, sondern auch im Munde der Kinder, die ihre ersten Worte bereits in der heiligen Sprache stammeln, in dem Munde einer über 50,000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung! Das Ziel ist zweifellos ein erhabenes und würdiges, allein ist dasselbe auch erreichbar? Nun, wer die hiesigen Verhältnisse kennt, wer die Vorgänge in Palästina während des letzten Decenniums beobachtet hat, wer die hiesigen modernen Schulen und diejenigen der jüdischen Kolonien besucht und mit Freuden wahrgenommen hat, dass die meisten Zöglinge sich bereits des Hebräischen als Muttersprache bedienen oder wenigstens sich bedienen können, der dürfte an dem Erfolge dieses neuen Bestrebens keinen Zweifel hegen. Wohl ist die Aufgabe, welche der Verein sich gesetzt hat, keine leichte, allein bei einem ernsten Streben, mit der nöthigen Energie und Ausdauer und mit Anwendung der richtigen Mittel verbunden, kann das schliessliche Gelingen nicht ausbleiben. Programm des Vereins. Der Verein zur Pflege und Wiederbelebung der hebräischen Sprache, "rrn“Q HDtTw? identificirt sich mit keiner speciellen Richtung oder Klasse und verfolgt lediglich den Zweck, die Sprache unserer Väter zur Mutter- und Verkehrssprache für die gesammte jüdische Bevölkerung Palästinas zu machen. Dadurch soll dem Jargon, dem deutschen sowohl wie dem spanischen, der das Ansehen der Juden Palästinas j in den Augen der Gebildeten herabwürdigt, ein I Ende gemacht und die Scheidewand, welche zwischen Aschkenasim und Sefardim besteht, beseitigt werden. Die Mittel, welche sich der Verein zur Erreichung dieser Aufgabe bedienen wird, sind die folgenden: Der Verein wird Lehrerinnen anstellen, welche sowohl in den „Chedarim“, als auch in Privathäusern die hebräische Sprache lehren und die hebräische Conversation pflegen werden. Der Verein wird dafür sorgen, dass in den Talmud Torah-Schulen die Unterrichtssprache ausschliesslich hebräisch sei*), und wird in diesen Schulen auch besondere Lehrer i für hebräische Sprache und Konversation an-! stellen. Der Verein wird ein literarisches Comitü einsetzen, welches kleine hebräische Wörterbücher herausgeben und die Sprache mit neuen Wortbildungen bereichern wird. Die Leitung der Geschäfte liegt in der Hand eines Centralcomites, welches aus seiner Mitte eine literarische Commission wählt. An der Spitze des Vereins steht Herr Dr. J. d’Arb ela Bey, Chefarzt des Rothschil d’s chen Hospitals; das engere Comit6 besteht aus den Gründern des Vereins; den Herren BenJehuda, Chaim Hirschen- | 8 o hn, C hach am Jakob Meir und C h. Halmi. Das hiesige Rabbinat empfiehlt den Verein aufs Wärmste; derChacham Baschi, Herr Oberrabbiner Panisei, schreibt unter den Aufruf: „Der Verein will uns unsere Krone, unsere hebräische Sprache zurückgeben, wahrlich, ein erhabenes Unternehmen. Möge er das sich gesteckte Ziel erreichen, auf dass wir Alle eine Sprache und gleiche Gesinnungen haben!“ Herr Rabbiner Eli schar, Vorsitzender des Rabbinats-Collegiums, schreibt: „Obwohlich alt und sehr in Anspruch genommen bin, schliesse i ich mich doch dem Vereine an. Mögen dessen! guten Vorsätze zur Ausführung und die hebräische : Sprache zu ihrem alten Glanze gelangen!“ Herr Nissim Back, Vorsteher der Cbassidim-Gemeinde, empfiehlt den Verein mit den I Worten: „Das Unternehmen spricht für sich selbst. Gebe Gott, dass wir Alle eine Sprache haben! Möge dem Vereine der Segen des Himmels und die Hilfe der Menschen zu Theil i werden!“ *) In der sephardischen Talmud Torah-Schule; ist dies bereits auf Vereinskosten geschehen und verspricht den besten Erfolg.