Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 100-101 (24.12.1889)
- Date
- 1889-12-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1743 Du sprachst von Deinem mütterlichen Erbtheil — wenn wir rechnen würden, ich glaube nicht, daß Deine Forderung an mich noch irgend von Belang wäre." „O, Papa, o!" „Lassen wir die Sache gegenwärtig auf sich beruhen. Um jedoch wieder auf jenen unglückseligen Fall zu kommen, sage mir aufrichtig, Haft Du je Nachtheiliges über Steinheim gehört?" „Gehört? — nein, Papa, gehört habe ich nie etwas Nachrheiliges über Deinen Excassier. Das ist übrigens sehr'natürlich, war es doch allgemein bekannt, daß Steinheim Dein und des alten Buchholz bevorzugter Liebling gewesen ist; wer hätte cs da gewagt, in unsernr Hanse Nachtheiliges über ihn zu reden?" „Und außerhalb unseres Hauses? — hast Du von irgend Jemanden je Nachtheiliges über ihn gehört?" „Ich müßte lügen, wenn ich das behaupten wollte — aber warum fragst Du nur, was ich über ihn gehört habe? — warum fragst Du nicht, was ich von ihm gesehen habe?" „Was willst Du damit sagen?" fragte Bärwald betroffen, „hättest Du je Unrechtes von ihm gesehen?" „C’est celon“, erwiderte der junge Mann achselzuckend, „was ich Unrecht ricnne, habe ich nie von Steinheim gesehen, ob aber Du cs nicht als Unrecht betrachtet hättest, daß er so gut wie ich hakbe Nächte bei verbotenem Spiele verbracht hat?" „Steinheim hätte gespielt? — und das sagst Du mir erst jetzt?" „Wenn Du mich früher danach gefragt hättest, hätte ich cs Dir früher sagen können." Bärwald blickte noch immer zweifelnd auf den Sohn. „Ich kann cs nicht glauben." Adolf lachte. „Das ist eben der Grund, weßhalb ich Dir nicht früher gesagt habe, daß Dein vielgeliebter Steinheim nicht nur ein Spieler ist — das hätte in meinen Augen nichts zu sagen, ich liebe gleichfalls die Aufregung des Spiels — aber Steinheim war in jüngster Zeit fast beständig ein unglücklicher Spieler — das Härte ich Dir allerdings mittheilen sollen. — Aber, wie gesagt, ich wußte im Vorhinein, daß Du meinen Worten keinen Glauben schenken werdest — obgleich Du doch wissen müßtest, daß trotz mannigfacher Fehler, die ich weder in Abrede stellen kann noch will, Tu nie ein unwahres Wort von mir vernommen hast." Der Vater richtete einen forschenden Blick auf den Sohn, dieser wechselte die Farbe, hielt jedoch den Blick standhaft aus, ohne die Augen niederzuschlagen. „Es ist wahr, auf Lügen habe ich Dich nie ertappt — woraus freilich noch nicht folgt, daß — aber sage mir aufrichtig, Adolf, sprichst Du im Ernst? — ist Steinheim ein Spieler? und hat er in jüngster Zeit viel verloren?" „Du -wirst mir doch nicht Zutrauen, Papa, daß ich in derartigen Dingen scherzen könnte? — Das wäre doch schmählichste Verleumdung." Bärwald schüttelte den Kopf. „Nein," sagte er, „das traue ich Dir nicht zu. — Damit wäre freilich alles erklärt — wenn er, wie Du sagst, unglücklich gespielt hat." „Das 'weiß ich mit Bestimmtheit." „Dann — dann — alle Umstände weisen mit erdrückender Deutlichkeit hin auf seine Schuld — nur ich konnte nicht daran glauben — aber freilich, wenn er ein Spieler ist, — das ändert die ganze Sachlage — daun wäre es Wahnsinn, ihm einen Vorsprung von drei Tagen zu gewähren, damit er den Raub in Sicherheit bringe — dann kann ich seine unglückliche Frau nicht schonen — habe ich doch von vornherein nur dann zu warten versprochen, wenn sich nicht neue Anhaltspunkte für seine Schuld ergeben würden. — Aber wenn Du ihn als Spieler und zwar als unglücklichen Spieler kennst —" „Heber diesen Punkt ist fein Zweifel möglich." „Dann ist es auch nicht schwer, an seine Schuld zu glauben — dann wäre es das Geratheuste, sofort die Anzeige zu erstatten. — Ist Buchholz noch nicht zurück?" „Schwerlich, die Steinheim schien sehr aufgeregt und der Alte hat von jeher eine Faible für die hübsche, blonde Frau, er wird vermuthlich noch lange bei ihr sitzen und sie zu trösten versuchen. Aber, was willst Du im Augenblick von dem Buchholz? — wenn Du erlaubst, Papa, so erstatte ich die Anzeige. Ich bin mit allen Nebennmständen so vertraut wie er." „Das ist wahr. Also, wenn Du willst, gehe sofort." „Sehr wohl, Papa, ich eile." Im Stillen triumphirte der junge Mann. Es war in den Morgenstunden des folgenden Tages. Bärwald befand sich in seinem Arbeitszimmer; die mit der ersten Post eingelaufenen Correspondenzen lagen vor ihm, als die Thür hastig aufgerissen wurde und der alte Buchhalter mit allen Zeichen heftigster Erregung in das Zimmer trat. „Ist das mit Ihrer Zustimmung, Herr Barwald?" rief er, auf ein Zeitungsblatt deutend, das er in der Hand hielt.