Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 99 (19.12.1889)
- Date
- 1889-12-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1724 stellt keine Uebung und kein Unterricht an das Nervensystem so hohe Ansprüche, als gerade das Klavierspiel. Wer zur Musik nicht besondere Veranlagung hat, der wird es nach jahrelanger Mühe, auf welche er die schönsten Stunden geopfert har, nur zu einer automatenhaften Fertigkeit bringen, die mit der Uebung einer Kunst nicht nur keine Verwandtschaft hat, sondern der Fähigkeit schlichter musikalischer Empfindung geradezu verderblich ist, und viele kostbare Stunden, die er nutzbringender hätte verwerthen können, find umsonst vergeudet. Wir haben nicht verfehlt, diese Gründe, welche gegen die erweiterte Einführung dieses Unterrichtszweiges sprechen, an hoher Stelle vorzutragen. Da nun aber trotzdem der vollkommene Musikunterricht staatlicherseits gefordert wird, so werden wir uns in Zukunft bemüssigt sehen, um nicht das ganze erste Jahr mit Etüden und trockenen Fingerübungen ausfüllen zu müssen, von den eintretenden Schülern zu verlangen, daß sie bei der Aufnahme die Kennt- Niß der Grundelemente — Haltung, Noten, Striche und Töne — mitbringen, um auf dieser Grundlage leichter fortbauen zu können. Die günstigen Erfolge des abgelaufenen Jahres — es haben sämmtliche Zöglinge des Oberkurses ihre Austrtttsprüsung bestanden — haben uns wieder den Beweis geliefert, daß unsere Thätigkeit eine bisher bestandene Lücke in der Zahl der vorhandenen Mittelschulen in wirksamer Weise ausfüllt. Um so mehr glauben wir uns zu der Hoffnung berechtigt, daß wir durch recht zahlreiche Unterstützungen in den Stand gesetzt werden, den Betrieb dieser Anstalt in immer bessere und erfolgreichere Bahnen zum Wohle und zum Heile der Gesammtheit zu leiten. Freudenthal, 17. Dezember. Ueber die Ju biläumsfeierlichkett des hiesigen Kirchen- und Stiftungspflegers, Israel H e rr m a n, ist folgendes zu berichten: Am Sonntag Abend brachte der Liederkranz dem Jubilar ein Ständchen. Am Montag früh begab sich das Kirchenvorsteheramt in die Wohnung des Jubilars und überreichte unter den herzlichsten Glückwünschen einen silbernen Pokal. Nun folgte der Ortsvorsteher mit einer Deputation der bürgerlichen Kollegien. Abends vereinigten sich die bürgerlichen Kollegien, das Kirchenvorsteheramt und eine Anzahl Bürger zu einem Festmahl im Gasthaus zum Lamm. Während des Essens wurden verschiedene Toaste ausgebracht. Der Ortsvorstand gedachte Sr. Majestät unseres geliebten Königs Karl. Alsdann folgten Lehrer Rosenberger dahier und Herr Rothschild, Sekretär der Kgl. Jsr. Oberkirchenbehörde in freier Rede auf den Jubilar, während Lehrer Spatz von Afaltrach, ein Großneffe des Jubilars, dies in gebundener Rede that. Nach dem Essen erschien der Gesangverein und bei dessen fröhlichen Weisen ging die Zeit rasch dahin. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Strakonitz, 1b. November. Der Elende, der kürzlich in unsere Synagoge eingebrochen, alle Silbergegenstände geraubt, die Thorarollen zerfetzt und besudelt hat, ist in der Person des achtzehnjährigen Schustergesellen Stetka in Budweis verhaftet worden. Am 14. d. M. legte sich die ganze Gemeinde wegen der Entweihung des Gotteshauses und der Thorarollen einen freiwilligen Fasttag auf. an welchem die Selichot am 17. Tamus gesagt wurden. England. London, 21. November. Dem Blaubuch über das Unterrichtswesen, das soeben dem Parlament zugegangen ist, entnehmen wir folgende statistische Daten über die jüdischen Freischulen. Die Gesammtzahl der die Schulen in England und Wales besuchenden Kinder beträgt 4,687,510, von denen durchschnittlich 3.614,967 also 77% täglich eine Unterstützung erhalten, die Zahl der Kinder in den jüdischen Freischulen beläuft sich auf 3193, davon werden 3127 also 940/0 unterstützt. Türkei. Nach einer der „Pol. Korr." aus Konstantinopel Von „besonderer" Seite zugehenden Meldung hat der Sultan in Folge der Berichte, die ihm über die vor einiger Zeit ftattgehabten Exzesse der mohamedanischen Bevölkerung Bagdads gegen die dortigen Inden direkt zugegangen sind, den Auftrag ertheilt, den gewesenen Generalgouverneur von Bagdad, Mustafa Assynu Pascha, der gegenwärtig die Stelle des Gouverneurs von Adana bekleidet, in Anklagezustand zu versetzen, da derselbe angeklagt ist, dfe muselmanische Bevölkerung zu den Exzessen gegen die Juden aufgemuntert zu haben. Ferner hat der Sultan die Entsendung einer Spezialkommisswn nach Bagdad angeordnet, welche schon in den nächsten Tagen ihre Reise dorthin antreten soll, um an Ort und Stelle eine eingehende Untersuchung der enwähnten Vorfälle vorzunehmen und! festzuftelleu, ob und welche Beamten ein Verschulden an denselben trifft.