Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 99 (19.12.1889)
- Date
- 1889-12-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2448021--29187-2476907- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXX. Jahrgang. M »9. Israelit««-. Zeschurun. Zkltschüst M FSrdrnulg Md. GMrs unö jöd. febens in Haus. Gemeinde nni> Kchnle. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von vr. Lehman» in Mainz. Donnerstag, den 19. Dezember 5650 (1889). Da mit dem 1. Januar 1890 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement zeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Die nächste Nummer (eine Doppelnummer) erscheint Dienstag den 24. Deze Leitende Artikel. Zum 31. Jahrgänge. „Der Israelit", seit dem 1. Januar des nun bald verflossenen Jahres mit dem „I esch ur u n" vereinigt, beginnt demnächst sein viertes Jahrzehnt. Große, mächtige Ereignisse, welche sich in den vergangenen drei Jahrzehnten vollzogen, haben auch Israel nicht unberührt gelassen. Wie unsere Weisen lehren, ist Israel das Herz der Menschheit, und wie das Herz durch alles, was im ganzen Organismus vorgeht, in Mitleidenschaft gezogen wird, so kann auch JSrael von den weltgeschichtlichen Ereignissen nicht unberührt bleiben. Vor dreißig Jahren befanden wir uns noch inmitten der Emancipationsbestrebungen, denen im Laufe der Zeit die völlige Gleichstellung in bürgerlicher und politischer Beziehung folgte. tpp’zj ,tgn n'Jö pw 3py’ '121 rv.Vtta 2pv’ Jedoch, wie unser Vater Jakob vergebens die ersehnte Ruhe fand in dem Lande, in welchem seine Väter als Fremdlinge geweilt hatten, so erging es auch unserem Geschlechte. Die EmancipationsbcstrebNngen hatten nicht wenig dazu beigetragen, viele unserer Brüder und Schwestern der heiligen Religion unserer Väter zu entfremden. Man meinte, man müsse alles spezifisch Jüdische aufgeben, um die vollständige Gleichberechtigung zu erlangen. Damals erhoben wir warnend und bittend unsere Stimme und mahnten zur Rückkehr. Die Edelsten und Besten unseres Volkes standen uns hilfreich zur Seite, und unter göttlichem Beistände ist es gelungen, viele unserer Glaubensbrüder und Schwestern erfolgreich zum Bewußtsein der Aufgabe unseres Volkes zu erwecken, die Vergangenheit unserer ruhmreichen Ahnen in Er innerung zu bringen, für die erhabene Zukunft der Nachkommen Jakobs zu begeistern. — Wir find jedoch weit davon entfernt, unsere geringe Wirksamkeit zu überschätzen. Die religiösen Zustände der Gegenwart sind in vielen Beziehungen noch trauriger als sie vor dreißig Jahren gewesen. Der Abfall und die Sünde mehren sich auch heute noch. Die ehrwürdigen, großen Männer, welche aus einer anderen Zeit zu uns herüberragten, sind der Mehrzahl nach vom Schauplatze ihrer irdischen Tätigkeit abberufen worden. Die Heranwachsende Jugend wird auch heute noch, trotz einer vorausgegangenen religiösen Erziehung dem Gesetze unseres Gottes vielfach entfremdet. Dagegen sind jedoch, Dank dem Allgütigen, wiederum junge Männer erstanden, welche die Fahne des gesetzestreuen Judenthums Hochhalten. Während vor dreißig Jahren die Gemeinden das Bestreben hatten, bei jeder Vacanz eine sogenannte „liberale" Wahl zu treffen, so daß in großen und kleinen Gemeinden die Rabbiner und Lehrer nur zu oft zu Verführern des Volkes wurden, so sind seitdem viele Gemeinden zum Bewußtsein erwacht, daß es nur gut gethan ist, ihre religiösen Angelegenheiten den Händen gottesfürchtiger Männer anzuvertrauen. Im Laufe der Zeiten wird unter göttlichem Beistände der Umschwung ein vollständiger werden. Diese Aussicht ist eine ungemein trostreiche inmitten so vieler trauriger Erscheinungen der Gegenwart. — Der Rückschlag auf die Emancipationsbestrebungen und ihre Erfolge ist nicht