Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 97 (12.12.1889)
- Date
- 1889-12-12
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2448019--29167-2476885- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1695 nahrung, die, eigenem Boden entsprossen, den Geist unserer Jugend anzuregen, ihr Herz zu veredeln, ihren Willen zu lenken, ihr Wissen zu mehren, ihre Mußestunden fruchtbringend, erheiternd auszufüllen geeignet erscheinen könnte," nicht berechtigt. „Auf unserem eigenen Boden ist neben den bessern klassischen Schriften vorurtheilsloser deutscher Geistheroen des Guten genug gewachsen. Wir haben nicht nöthig, den Vorwurf des Propheten auf uns zu beziehen, „daß unsere Geistesnahrung nur fremden Ursprungs sei." Sache des Lehrers, resp. Schulleiters ist es nun, aus der Fülle des Vorhandenen das herauszusuchen, was seiner Schule und der geistigen Befähigung seiner Schüler entspricht, und die Gemeinden zur Errichtung solcher Bibliotheken anzuregen. Die Mühe des Lehrers wird tausendfach gelohnt durch den Segen, den ihm eine „gut eingerichtete und mit Verständniß geleitete Schul- und Jugendbibliothek" trägt. Referent unterscheidet nun, dem Zwecke solcher Bibliotheken entsprechend, 3 Gruppen, nach welchen er seine Zusammenstellung geordnet: 1. Unterhaltungslitteratur, 2. belehrende Literatur und 3. Erbauungsliteratur für Freud und Leid. Hieran schließt sich 4. die Literatur der Zeitschriften, Kalender und Jahrbücher, die die 3 genannten Gruppen in sich vereinigt. — Eine scharfe und abschließende Grenze konnte selbstverständlich bei dieser Eintheilung nicht innegehalten werden, da kein Litteraturerzeugniß genau genommen nur einem Zwecke dient. Nur der vorherrschende Charakter einer Schrift war für den Referenten bestimmend, ihr einen Platz in einer der genannten Rubriken anzuweisen. — Daß der Referent auch die besseren Werke unserer deutschen Klassiker, sowie die beliebtesten Volksschriften, nicht ausschließt, ist bereits gesagt. Eine Auswahl solcher Schriften erheischt jedoch große Sachkenntniß und noch größere Vorsicht. — Es sei an dieser Stelle auf die Broschüre des Herrn vr. Bamberger-Königsberg hingewiesen, der in dem derselben beigegebenen Verzeichniß eine Anzahl solcher Schriften nennt. Referent hat den lobenswerthen Grundsatz befolgt, sich über jeden religiösen Parteistandpunkt zu stellen. Seine Zusammenstellung ist rein objektiv und hat weder mit der Orthodoxie noch mit der Reform etwas zu schaffen. Er schließt: „Es muß diese Zusammenstellung einem wohlassortirten Waarenlager gleichen, in welchem nicht nur der Reiche mit kostbaren Sammet- und Seidenstoffen, sondern auch der Arme mit halb- und baumwollenen Stoffen versorgt werden kann; oder wenn Sie lieber wollen, einer Apotheke, in welcher nicht nur lebenerweckende und lebenerregende, sondern auch einschläfernde Medikamente sich finden. Es ist aber von allen angeführten Schriften keine so gehalten, daß sie nicht auch eine gewisse, wenn auch nur geringe Dosis unterhaltenden, belehrenden oder erbauenden Stoffes enthalten sollte... mein Wunsch ist nur der, daß ein gütiges Geschick die Wahl des Lehrers auf das Beste lenken möge. Eine Kritik an den einzelnen Schriften zu üben, war nicht meine Aufgabe; nur aus diesem Grunde beschränke ich mich ausschließlich darauf, die mir am meisten und für die verschiedensten religiösen Richtungen am geeignetst scheinenden Werke nach ihren Titeln in alphabetischer Ordnung nach dem Namen der Verfasser aufzuführen. Sehe Jeder, wie er's treibe: Sehe Jeder, wo er bleibe, Und wer steht, daß er nicht falle!" Stürmischer Beifall folgte den interessanten Ausführungen des geschätzten Referenten, und wir können nicht umhin, den uns vielfach ausgesprochenen Wunsch, das Verzeichniß durch den Druck vervielfältigt zu sehen, an dieser Stelle zu wiederholen. Punkt VI. der Tagesordnung, die „freien Besprechungen", mußte der vorgerückten Zeit wegen ausfallen. Der Conferenzort für's nächste Jahr wurde nicht bestimmt, vielmehr wurde dem Vorstande'anheimgegeben, sich dieserhalb mit Lehrern und Gemeinden in Verbindung zu setzen. Auf die Tagesordnung der nächsten Conferenz wurde gestellt: Eine Probelektion in Biblischer Geschichte, zu halten von dem College«, an dessen Platze die Conferenz stattfindet, und ein Vortrag desCollegen Spier-Bocholt über: „Die gesetzliche Stellung der jüd. Schule in Preußen, besonders in Rheinland und Westfalen." Zum Schluß der Versammlung übergehend, dankte der Vorsitzende nun der Gemeinde Dortmund noch einmal für die überaus herzliche Aufnahme, die sie der Conferenz bereitet, und besonders den Familien, die mit seltener Gastfreundschaft die Theilnehmer an derselben bewirthet. Weiter dankte der Vorsitzende dem D. I. G. B. für den gewährten Reisezuschuß, seinen Collegen im Vorstande, wie auch den Schriftführern für die Unterstützung, die sie ihm in der Führung seines schwierigen Amtes haben zu Theil werden lassen. — Mit tiefbewegter Stimme nahm der Vorsitzende nun Abschied von den Kollegen und deutete darauf hin, daß die 34. Jahres-