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Der Israelit · 1889-12-12 · Heft 97 (12.12.1889) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 97 (12.12.1889)
Date
1889-12-12
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1694 unseres Erachtens * ein kurzer Auszug aus der fleißigen Arbeit dieselbe nur in ihrem Gefammteindruck beeinträchtigen. Gewiß stimmen viele Collegen mit uns in dem Wunsche überein, den Vortrag recht bald in einer der jüdischen Zeitschriften veröffentlicht zu sehen. — Während des genannten Vortrages brachte ein Telegramm des in St. Johann an der Saar tagenden Vereins isr. Lehrer Südwestdeutschlands „Gruß und Handschlag," die beide ebenfalls herzlichst erwiedert wurden. — Zu Punkt IY der Tagesordnung lag eine von mehreren Collegen unterstützte Resolutiou vor. „Zu Punkt 4 der Tagesordnung beantragen die Unterzeichneten folgende Erklärung: Der Vortrag des Collegen Coblenz auf der vorigjährigen Conferenz über die berufliche und sociale Stellung des jüd. Lehrers zeugt von scharfer Beobachtung und Beurtheilung der einschlägigen Verhältnisse, schildert die in der Stellung des Lehrers hervortretenden Mängel und Gebrechen in sehr lebhaften Farben und enthält für Lehrer und Gemeinden viele beherzigenswerthe Punkte. Indem die Conferenz dieses gern anerkennt, ist sie jedoch keineswegs im Stande, für jede in dem genannten Referate ausgesprochene Ansicht einzutreten, ist vielmehr überzeugt, daß über das Zutreffende mancher der geschilderten Verhältnisse, sowie über die vorgeschlagenen Mrttel zur Abhülfe die Ansichten weit auseinandergehen. Mit Rücksicht nun darauf, daß 1) durch die Drucklegung und Versendung des Vortrages demselben unter Lehrern und Gemeindevorständen die weiteste Verbreitung gegeben worden ist; daß 2) von einer detaillirten Besprechung des die allseitigen Interessen der Lehrer, Schule und Gemeinden umfassenden Gegenstandes in einer Conferenz nicht die Rede sein kann, von einer kurzen, oberflächlichen aber ein ersprießlicher Erfolg nicht erwartet werden kann, beschließt die Conferenz in eine weitere Besprechung nicht eintreten und den Gegenstand der Tagesordnung mit dieser Erkärung verlassen zu wollen." Diese Resolution fand keine Annahme, die Versammlung hielt es vielmehr für eine Ehrenpflicht, dem in der „Israel. Wochenschrift" wegen seines vorjährigen Vortrages heftig angegriffenen Collegen Coblenz das Wort zu ertheilen. College Coblenz suchte aus mehreren Nummern genannten Blattes zu erweisen, daß die Stellung deffelben den Lehrern gegenüber eine feindliche sei, welche Behauptung noch von einzelnen Collegen durch angeführte Beispiele erhärtet wurde; jedoch fehlte es auch nicht an Stimmen, die sich zu Gunsten der Wochenschrift aussprachen. Nach langer und heißer Debatte wurde mit 38 gegen 28 Stimmen nachstehende Resolution angenommen: „Die zu Dortmund tagende Conferenz israel. Lehrer Rheinlands und Westfalens spricht ihre entschiedene Mißbilligung in Bezug auf die Stellung der „Isr. Wochenschrift" gegenüber den jüdischen Lehrern aus und empfiehlt den Letzteren, die „Isr. Wochenschrift" wegen ihrer ausgesprochenen lehrerfeindlichen Stellung so lange nicht zu lesen oder zu unterstützen, bis sie ihre ungerechtfertigten Angriffe gegen den Lehrerstand unterläßt." — Eine herzliche Erquickung nach den vorangegangcnen heißen Scenen brachte Punkt 5 der Tagesordnung, das Referat des Collegen Cohen-Rees über „Schulbibliotheken." Die bekannte Belesenheit und Tüchtigkeit des geschätzten Referenten ließ nichts anderes, als etwas Gutes, ja Treffliches erwarten. — Herr Cohen unterzog sich seiner Aufgabe mit seltenem Sammelfleiße. Aus den Vorarbeiten auf diesem Gebiete hob der geehrte Referent hervor, daß sich die Herren Rabbiner DDr. Treitel-Karlsruhe, Münz-Gleiwitz und Bamberger-Königsberg bereits mit dieser Materie befaßt haben, woraus zur Genüge Hervorgeht, „daß die Wichtigkeit der Schulbibliotheken nicht nur in unserm engen Kreise, sondern auch von Rabbinern anerkannt ist." Herr Dr. Treidel empfiehlt in Rahmers Litteraturblatt, Jahrgang 1887, Nr. 15 und 17, nur 4 Autoren mit 5 Schriften als zur Aufnahme in Jugendbibliotheken (!) geeignet. Herr vr. Münz nennt in der „Allgemeinen Zeitung des Judenlhums", Jahrgang 1889, Nr. 2 und 6 nach der von ihm angelegten Bibliothek 46 Autoren mit 66 Werken, Herr vr. Bamberger in einer besonderen Broschüre „die Bibliothek unserer Volksschule" sogar 90 Autoren mit 127 Werken ohne die Zeitschriften, Kalender, Jahrbücher und Werke nichtjüdischer Autoren. Cohen- Rees hat die Vorarbeiten der gewiß berufenen Autoren weit überholt und nennt 170 Autoren mit 296 Werken, welche mehr als 400 Bände umfassen, als zur Aufnahme in jüdische Schul- resp. Jugendbibliotheken geeignet. Das ist eine achtunggebietende Zahl und das deutsche Jndenthum kann stolz darauf sein, daß es über solch' einen Vorrath an geistigen Nahrungsmitteln zu verfügen hat. Darum ist die oft laut werdende Klage, „es fehle uns Juden an kräftiger und leicht verdaulicher Geistes-

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