Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 93 (28.11.1889)
- Date
- 1889-11-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1612 * mit einem seiner Vorgänger gleichen Namens," dem Verfasser des MegiperSchlaulnoh, dem Großvater des Frankfurter Rabbiners gleichen Namens, des Verfassers des Pne Jehauschua. Der Rabbi Josua Heschel, von welchem hier die Rede ist, ist weniger durch die von ihm hinterlassenen Werke als durch seine großen Schüler in der Welt bekannt. Der größte unter diesen war Rabbi Sabbatai Cohen, Verfasser der Commentare zum Joreh Deah und Choschen Mischpat (jrra tib», abgekürzt yv Schach) und anderer Werke. Auch Rabbi Sabbatai, zur Zeit unserer Erzählung ein noch junger Mann, hatte vor den Kosaken entfliehen müssen und irrte unstät in der Welt umher. So kam er nach Holleschau in Mähren und bewarb sich daselbst um die vacante Rabbinerstelle. Die israelitische*Gemeinde zu Holleschau fragte bei dem Landesrabbiner an, ob sie den Fremden, der ihnen ein tüchtiger Gelehrter zu sein scheine, engagiren sollte. UmIdiese Zeit begab es sich, daß derMabbiner von Krakau nach Wien reiste, um daselbst bei der damals in der Kaiserstadt blühenden israelitischen Gemeinde zu Gunsten der zahlreichen Armen und Elenden in Polen, die durch den Krieg an den Bettelstab gebracht waren, Unterstützungen zu veranlassen. Aus dem Wege nach Wien kam Rabbi Joschua Heschel nach^ Nikolsburg und besuchte^ den Landesrabbiner. Dieser fragte im Laufe des"Gesprächs, ob der Rabbiner von Krakau einen gewissen Rabbi Sabbatai Cohen kenne, der, ein Flüchtiger, sich um die Stelle in Holleschau bewerbe. Da sprang Rabbi Josua Heschel auf und rief: „Mein Schüler, Rabbi Sabbatai Cohen? Wisse, das ist der größte Mann unserer Zeit! Und der soll Rabbiner in Holleschau werden? Die Stelle ist viel zu gering für ihn; viel eher wäre das Landrabbtnat inMikolsburg für ihn .geeignet. Du könntest ja dann statt seiner nach Holleschau gehen", fügte er lächelnd hinzu. Auch Rabbi Menachem lächelte. Aber in seiner Demuth und Bescheidenheit berichtete er den Ausspruch des Krakauer Rabbiners nach Holleschau, und die israelitische Gemeinde daselbst übertrug in Folge dessen das vacante Rabbinat dem zugereisten Flüchtling. Als dieser vernahm, daß sein geliebter Lehrer in Nikolsburg verweile, lies er zu Fuß dorthin, um den Hochverehrten zu begrüßen. Da kamen nun in Nikolsburg drei Männer zusammen, deren Gelehrsamkeit das gesammte Gebiet der unendlich großen rabbinischen Literatur umfaßte. Da wurden die größten und tiefsten Ideen gegenseitig eingetauscht, die schwierigsten talmudischen Probleme gelöst. Aber auch des Dranges und der Noth der Zeiten wurde gedacht, und Rabbi Menachem Mendel erzählte von dem Unglücke des jetzigen Rabbiners von Trebitsch und von dessen bedauernswerthen, jungen Tochter. „Hum", sprach Rabbi Josua Heschel, „der Agunah kann geholfen werden. In Krakau sind zwei Männer zugereist, welche mir meldeten, daß sie zugesehen haben, wie ein Kosak dem Rabbi Jakob, dem Eidam des Rabbi Ephrajim Cohen, den Kopf abgeschlagen hat. Daß sich Gott unser erbarme! Aber, man wird ihr erlauben können, sich wieder zu verheirathen. Schreibet dem Rabbiner von Trebitsch, daß er nach Krakau komme; in vier Wochen hoffe ich wieder zu Hause zu sein." Als Rabbi Josua Heschel seine Reise nach Wien sortsetzte, wurde seinem ehemaligen Schüler der Abschied sehr schwer. Weinend folgte er dem Wagen, der den geliebten Lehrer fortführte. Der Landesrabbiner schrieb sofort nach Trebitsch und meldete, was er gehört hatte. (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reicks-Mark, für'8 Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Allchhan-rt M bestehen bei G. F. Kleinacker« Fripstg, Koßplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenben. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Perek Schirah. — Die Schaffung eines preußischen Staatsjudenthums. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Mannheim. Leipzig. Mühlhausen im Elf. — Belgien: Brüssel. — Frankreich: Paris. — Feuilleton: Mirel. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Vom Neckar. Aus der Prov. Posen. — — Oest. - Ung. Monarchie: Wien. Pesth. Budapest. — Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" und „Jeschurun" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchbruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.