Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 93 (28.11.1889)
- Date
- 1889-11-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zeschurrm. und * x W FSlvklMg D. GrWs Md D. Kkvem iü Mm. Gkwrlidk md Klylllk. Hentrat-Hrgan für das orthodoxe IudentHum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Donner ft ag, de« 28. November 5650 (1889). Leitende Artikel. UereK Schirah. Mainz, 25. November. VII. (Der Lobgesang des Gan Eden.) I. »jji ’D'Bn ,p»n »wro 1DL my py p .1HJÖ HD 'NN KO» ,VDt£Q DaS Paradies spricht: „Erwache, Nordwind, und komme, Südwind, durchwehe meinen Garten, daß seine Würze fließen; es wird kommen mein Freund in seinen Garten und wird essen dessen köstliche Früchte." Wir haben nachzuweisen versucht, daß der sich über uns wölbende Himmel das Dasein Gottes verkündet, daß die Erde, die wir bewohnen, uns die immerwährende, liebevolle Fürsorge Gottes lehrt; wir brauchen wohl kaum zu sagen, daß der Lobgesang des Paradieses, dem gleich der Lobgesüng der Hölle folgt, uns die Fortdauer der Seele nach dem Tode und die dereinftige Belohnung und Bestrafung darlegt. Der Vers der heiligen Schrift (Schir Hafchirim, Cap. 4, V. 16), welchen der Verfasser des Perek Schirah dem Gan Eden in den Mund legt, bereitet dem Verständnisse große Schwierigkeiten. „Erwache, Nordwind, und komme Südwind, durchwehe meinen Garten, daß seine Würze fließen." Warum wird der Nordwind aufgefordert zu erwachen und der Südwind zu kommen? Warum heißt es „durchwehe" in der Einzahl, es müßte doch „durchwehet" in der Mehrzahl heißen? Wie ist es möglich, daß Nordwind und Südwind zu gleicher Zeit den Garten durchwehen? Der Nordwind schließt den Südwind aus und ebenso umgekehrt. Warum werden der Nordwind und der Südwind herbeigerufen und nicht auch die Winde, die von Osten und Westen wehen? „Es wird kommen mein Freund in seinen Garten und verzehren dessen köstliche Früchte." Im ganzen hohen Liede ist unter dem Freunde der allmächtige Gott verstanden, der Freund, der Geliebte Israels. Wie ziemt es sich da zu sagen, daß Er essen.soll des Gartens köstliche FrüchteP Warum hat ferner der Verfasser des Perek Schirah gerade diesen Vers ausgewählt, der anscheinend auf das Leben nach - dem Tode gar keinen Bezug hat? Ueber die Freuden des Paradieses erfahren wir durch unsere heiligen Schriften sehr wenig. Auch im Talmud und im Midrasch finden sich in Bezug darauf nur einzelne Stellen, und diese find sehr dunkel und unverständlich. Eine derartige dunkle Stelle wollen wir aufzuhellen uns bemühen; vielleicht zeigt sie uns den Weg zum Verständnisse des Lobgesanges des Paradieses. In der letzten Mischna des Traktates Ukzin, also am Schlüsse sämmtlicher Mischnajoth *), lesen wir: p'NL bch ro"pn Tny p ynrv 'n tdk yrarb ('n ’bm) inttw niübw mvjn nwo mhv p'iw orrnnsiNi ttr »am« „Dereinst wird der Heilige, gelobt sei Er, jeden einzelnen Frommen 310 Welten erben lasten, wie es heißt: Erben zu lassen meine Freunde Wesentliches, und ihre Vorrathskammern werde Ich füllen." Bartinora bemerkt hierzu, daß das Wörtchen Wesentliches, im Zahlenwerthe 310 hat. Daß dieser Ausspruch dunkel und unverständlich ist, brauchen wir nicht erst zu sagen. Bartinora erklärt ihn dahin, daß die Wonnen des *) Nach Einigen ist es eine Boraitha, welche den Mischnajoth ist angefügt worden.