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Der Israelit · 1889-10-31 · Heft 85 (31.10.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 85 (31.10.1889)
Date
1889-10-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX. Jahrgang. M 85. Israelit«»Zeschurun. Wschrift jut FSrdmng jüd. Geistes unö |nü. Kedros in Hans. Grwriniie nnd Kchnlr. Kentrat-Organ für das orthodore Zudenthum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 31. Oktober 5649 (1889). LeitenderArtikel. Uerek Schiray. Mainz, 24. Dttobev. III. (Das Loblied des Himmels.) ntryDi nnu d’-iddd Dnwn : onow D”w .ypnn tjd vt Die Himmel sprechen: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und das Werk Seiner Hände verkündet das Firmament." (Psalm 19, V. 2.) Die Grundlage aller religiösen Forschung ist die Lehre von dem Dasein Gottes, dem Schöpfer des Weltalls. Dieses Bewußtsein, diese Ueberzeugung muß uns unerschütterlich feststehen, wie es heißt: „Auf allen deinen Wegen erkenne Ihn, und Er wird ebenen deine Pfade!" Wenn uns nun Gott auch Seine Thora gegeben hat, so hat sich doch Gott uns und allen Menschen in Seiner Schöpfung offenbart und uns die Wege angegeben, wie wir Ihn und Sein Wirken auch ohne die sinaitische Offenbarung zu erkennen vermögen. Die Offenbarung durch die Natur ist weder durch die Zeit noch durch den Raum beschränkt; sie ist für jedes Zeitalter und aller Orten ein offenes Buch, in welchem jeder lesen kann, der darin zu lesen versteht. Die Gesetze der Schöpfung, alle mit Weisheit gemacht, werden offenbar jedem Denker. Durch sie kann Jeder, der die Wahrheit sucht, das Dasein des allgewaltigen Schöpfers erkennen und Seine Wege erforschen. „Wenn ich erschaue Deine Himmel, das Werk Deiner Finger, Mond und Sterne, die Du begründet hast" (Psalm 8, V. 4), so muß in mir der Gedanke erstehen, daß der sich über uns wölbende Himmel und die großen Wellkörper, die an ihm mit genauester Regelmäßigkeit ihre Bahnen ziehen, sich unmöglich selbst können ausgespannt, gemacht und eingesetzt haben. Jedes Gebäude, das wir erblicken, läßt in uns die Frage nach dem Baumeister erstehen, der es eingerichtet hat. Je größer und herrlicher das Gebäude ist, welches wir bewundern, desto mehr werden wir den Ruhm des kunstreichen Baumeisters verkünden. Wenn wir einen schönen Palast betrachten, wenn unser Auge sich an der kunstvollen und doch einfachen Form des Baustyls erquickt, wenn wir die innere Einrichtung in Augenschein nehmen und staunend sehen, wie jedes Einzelne ebenso schön wie zweckentsprechend gemacht ist worden, dann erzählt uns gleichsam der wundervolle Bau den Ruhm und die Ehre des kunstverständigen Baumeisters. Um wie viel mehr erzählen uns die Himmel die Ehre Gottes, der diese gewaltige Wölbung nicht nur erbaut, sondern auch erschaffen hat, der nicht nur den Plan gemacht, sondern, Er allein, die gesammte Ausführung vollbrachte und das Material dazu aus dem Nichts hervorgerufen hat! Auf diese Weise hat unser Vater Abraham den einzigen, allmächtigen Gott erkannt, auf diese Weise kann heute noch jeder Mensch zu der wahrhaften Gotteserkenntniß gelangen. „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und Seiner Hände Werk zeigt an das Firmament." Es ist eine Eigenthümlichkeit der poetischen Theile der heiligen Schrift, daß in dem zweiten Theile des Verses mit andern Worten ungefähr dasselbe gesagt wird, wie im ersten Theile. Man nennt diese dichterische Ausdrucksweise den Parallelismus. Derselbe ist jedoch nicht nur eine dichterische Form, sondern enthält gerade durch den Wechsel der fast gleichbedeutenden Worte die herrlichsten und erhabensten Gedanken. Es kömmt nur darauf an, die Begriffe mit einander zu vergleichen

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