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Der Israelit · 1889-10-24 · Heft 83 (24.10.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 83 (24.10.1889)
Date
1889-10-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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selben sind mit Eisengittern und Läden, versehen. Als am vergangenen Mittwoch gegen 4 Nhr Nachmittags das Bureau für drei Tage geschaffen wurde, hinderte die Dicbe nichts uwhr> ihren Plan zur Ausführung zu bringen. Sv bohrten eine weite Oeffnung in den Plafond, durch welche sie sich mittelst einer Strickleiter in das Kassenzimmer herabließen. Ihre erste Sorge war, die Wertheim'sche Kaffe zu erbrechen; offenbar standen ihnen die besten Instrumente zu Gebote. Nach den Aussagen von Fachmännern waren die Einbrecher auch wohl geübt. In den rechten Thürflügel der Kaffe bohrten sie eine längliche Oeffnung, die bis zum oberen Verschluß reicht, worauf sie die zwischen den beiden Schlössern eingelegte Eisenplatte gänzlich durchbrachen und entfernten. Nach dieser mindestens vierundzwanzig Stunden in Anspruch nehmenden Arbeit konnten die Gauner den Inhalt der Kaffe an sich nehmen. Sie entwendeten 6300 Napoleond'or, welche sich in 63 festgewickelten und gepackten Rollen befanden, ferner 120,000 noi in rumänischen Bankbiüeten nebst zwei Päckchen mit Bijouterien, die sich bei dem Bankier in Depot befanden und einen Werth von circa 30,000 Francs repräsentiren. Damit schienen aber die Diebe nicht ganz zufrieden gewesen zu sein, denn sie versuchten, sich auch des Inhalts der nebenstehenden Kaffen zu bemächtigen, der auf Millionen geschätzt wird; allein diese Kaffen leisteten ihnen Widerstand. Die Diebe entfernten sich mit der geraubten Beute, von Niemanden bemerkt, wie sie gekommen waren. Staatspapiere, welche in großen Summen in der Kaffe lagen, ließen sie unberührt. Man nimmt an, daß es mindestens drei Leute waren, die sich an dem Verbrechen betheiligten, und daß sich dieselben am Donnerstag Abends mit demselben Zuge, der die Ex-Königin Natalie von hier nach Bukarest brachte, aus dem Staube gemacht, so daß bis zur Entdeckung der That zwei volle Tage und Nächte verstrichen. Als Sonntag Früh der Diener beim Oeffnen des Comptoirs die erbrochene Kaffe wahrnahm und dem Chef von dem Geschehenen Mittheilung machte, constatirte dieser zu seinem nicht geringen Schrecken den Abgang einer Viertelmillion Francs in Baarcm. Die eifrigsten Bemühungen der Polizei, der Diebe habhaft zu werden, waren bis jetzt ohne Resultat. Der Verdacht lenkte sich auf einige Griechen, die sich hier ohne Stellung Herumtrieben und seit einigen Tagen verschwunden sind. England. London, 29. September. Gestern wurde unser Glaubensgenosse Sir Henry Aaron Jsaacs offiziell zum Lord Mayor von London erwählt. Der feierliche Umzug im goldenen Wagen durch die Stadt findet am 9. November statt. Sir Henry wohnte nwn twn dem Gottesdienst in der Dukes- Placc-Synagogc bei. Deutschland. Berlin. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde soll sich durch Anstellung deS Hilfs- Vorbetcrs Dragotschin ohne Genehmigung des Ministers des Innern, und der Sänger Dragotschin durch Annahme dieser Stellung strafbar gemacht haben. Im März v. I. hielt der Vorstand eine Sitzung ab, in welcher u. A. auch die Anstellung eines Hilfs-Vorbcters auf der Tagesordnung stand. Es wurde vorgeschlagen, dem Mitangeklagten Dragotschin, der sich damals vom Hof-Opernsänger Rothmühl ausbilden ließ, dadurch unter die Arme zu greifen, daß man demselben die Hilfs-Vorbeterstelle zukommen lasse, und dieser Vorschlag wurde auch angenommen. Im Juni fand die Rcpräsentanten-Sitzung statt, an der sämmtliche Vorstands- Mitglieder theilnahmen, und bei dieser wurde die Anstellung des Dragotschin beschlossen. Dem Letzteren wurde in einer, vom Herrn Justizrath Meyer Unterzeichneten Zuschrift die Mittheilung, daß er als Hilfs-Vorbeter mit einem Jahresgehalt von 2300 Mark angestellt sei und den demnächst auf Urlaub gehenden Vorbeter Friedmann vertreten könne. Hieran war aber die Bedingung geknüpft, daß er sofort ohne Entschädigung entlassen werden könne, falls das Polizei-Präsidium seine Zustimmung versagen solle. Dieser letztere Fall trat ein, die Genehmigung wurde nicht ertheilt, weil Dragotschin die vorschriftsmäßigen Papiere aus seinem Heimathsorte in Rußland noch nicht beschafft hatte. Da derselbe aber bereits mehrfach Dienste als Vorbeter geihan, so erblickt die Anklagcbehörde in der Anstellung des Dragotschin einen Verstoß und in der Annahme der Stelle seitens des Letzteren ebenfalls. Die Verlheidigung gab den Sachverhalt im Wesentlichen zu, bestritt aber einerseits, daß die aushilfsweise Dienstleistung als eine Annahme der Beamtenstcllung anzusehen, und andererseits, daß der gesammte Vorstand für das nur vom Herrn Justizrath Meyer Unterzeichnete Schriftstück verantwortlich zu machen sei. Auf den Antrag des Staatsanwalts Krobitzsch beschloß der Gerichtshof, die Sachen zu vertagen und zum nächsten Termine den Justizrath Meyer und den Hilfs-Vorbeter Dragotschin persönlich zu laden, sowie dem Erfteren aufzugeben, die Protokolle aus jenen Sitzungen dem Gerichtshöfe zu unterbreiten, damit der Wortlaut der Beschlüße festgest'ellt werden könne.

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