Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 80-81 (8.10.1889)
- Date
- 1889-10-08
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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1393 eingefunden, ohne Ausnahme Anwärter auf eine Erbschaft von hundert Millionen Gulden, die sie im fernen Westen Amerikas, in San Francisco, zu erlangen hoffen, und zwar im Wege der Gründung einer Actien-Gesellschaft, deren einziger Zweck darin bestünde, die Rechtsstreitigkeitcn einzuleiten und zum gedeihlichen Ende zu führen. Diese Wahl der Associations-Idee für solche Zwecke wurde nicht hier getroffen, sondern von einem speculativen Amerikaner ersonnen, und als vor Monaten zum erstenmale davon in den Zeitungen die Rede ging, glaubte man allgemein, daß es sich um einen gut ersonnenen Scherz handle. Die Leute aber, die sich heute zur Tagung zusammenfanden, machten Ernst mit dieser Actien-Gesellschaft. Vor einiger Zeit starb in San Francisco ein Mann Namens Leidersdors, und hinterließ ohne Nachkommenschaft ein Vermögen von mehr als fünfzig Millionen Dollars, das auf einen Capitän Tolson übergegangen ist. Der Advocat, der die heutige Versammlung einberufen hatte, verlas mehrere vom Rabbinate der Gemeinde Assod ausgestellte Urkunden, aus denen hervorgeht, daß der Erblasser thatsächlich ein Ungar gewesen und daß die meisten seiner Angehörigen in Ungarn, theilweise aber auch in Nikolsburg wohnten. Es wurde auch nachgewiesen, daß Leidersdorf mehreren dieser Verwandten vor einigen Jahrzehnten Geld über's Meer geschickt hatte. Die Versammlung beschloß, alle Schritte zur Erlangung der großen Erbschaft, die widerrechtlich an Capitän Tolson gelangt sei, zu unternehmen, und beauftragte mit der Einleitung der Action den mehrfach erwähnten Rechtsfreund. Aufgabe desselben ist es zunächst, sich mit allen Interessenten ins Einvernehmen zu setzen, die nöthigen Daten zu beschaffen und sodann mit dem Newyorker Insassen Ulmer in Verbindung zu treten, der mit dem Anbote hervorgetreten ist, für die Erwerbung dieser Erbschaft mit amerikanischem Gelde eine Actien - Gesellschaft zu gründen. Wie lange es wohl dauern wird, bis die erste Dividende vertheilt werden kann? England. London, 29. September. Die gestern in der „Guildhall" stattgefundene Wahl eines Lord Mayor fiel auf unseren Glaubensgenossen den Sheriff Sir Henry Aaron Jsaacs. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß die Wahl eines jüdischen Lord Mayors zu den epochemachenden Ereignissen der Geschichte der Juden Englands gehört. Sir Henry ist allgemein beliebt und bewies in der Stöcker'schen Angelegenheit, daß er inyb mv am bewahrheitet, indem es seinem Einflüsse zu danken war, daß Stöcker während seines Aufenthaltes in London nicht in das Mansion - House (Rathhaus der Stadt) zur öffentlichen, judenfeindlichen Predigt zugelaffen wurde. Die feierliche Jnstallirung und der Festumzug finden am 9. November statt. London, 30. September. Die Schneidermeister des Ostends hielten am Samstag eine Versammlung ab, welcher der Abgeordnete Samuel Montague und mehrere Geistliche des Distrikts beiwohnten. Schließlich fand der Vorschlag Annahme, den bestehenden Lohnstrcit einem Schiedsgericht znr Entscheidung zu unterbreiten. Die Meister schlugen den Arbeitern die folgenden Herren zu Schiedsrichtern vor: Earl von Dunraven (Vorsitzender des parlamentarischen Ausschusses zur Untersuchung des Schweißsystems), Bischof von Bedford, Dr. Gaster, Rabbiner der portugiesischen Synagoge, Pastor Scott von der Kirche des Spitalfields und Lord Rothschild. Es striken 10,000 Personen, zum großen Theil arme polnische Juden. ie Frequenz an der Anhalt. Bauschule zu Zerbst hat nach Einrichtung weiterer Abtheilungen und Fachklassen sich abermals so gehoben, daß die Stadt für das kommende Wintersemester ein weiteres Gebäude für die Zwecke der Bauschule schleunigst einrichten mußte. Man hat daher bei diesem raschen Wachsthum jetzt einen größeren Neubau, der ca. 400 Schülern Platz bietet, in Aussicht genommen. Briefkasten der Redaction. W. in G.: Hier in Mainz sagt man es; anderswo nicht. N. N. in N.: Ueber Zuverlässigkeit einer jüdischen Restauration in Aschaffenburg wenden Sie sich an den dortigen Herrn Rabbiner, was um so nöthiger als das Fleisch dortselbst bei allen jüdischen Metzgern gezeichnet werden muß. Wochen - Kalender. Mittwoch, 9. Oct., 14. Tischri n"yi niDD my Donnerstag, 10. Oct., 15. Tischri rvOCTl '{4 DV Freitag, ll. Oct., 16. Tischri rviDDl ‘2 DV Samstag, 12. Oct.. 17. Tischri nbnpi ö"nnV Sabbat-Ausgang 5 Uhr 55 Min. (Mainzer Uhr). Sonntag, 13. Oct., 18. Tischri I Montag, 14. Oct., 19. Tischri s lyinn Sn Dienstag, 15. Oct., 20. Tischri s Mittwoch, 16. Oct., 21. Tischri rrjn Nin 'tnn Donnerstag. 17. Oct., 22. Tischri msy '1'H Freitag, 18. Oct.. 23. Tischri '-an nNTi 'mn 'notff Samstag. 19. Oct., 24. Tischri 3-3 n"HDD Sabbat-Ausgang 5 Uhr 45 Min. (Mainzer Uhr.)