Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1889)
- Date
- 1889-09-30
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1380 schäften Gottes bekannt zu machen, soweit solche dem Fassungsvermögen des Schülers angepaßt erscheinen. Dadurch wird der Kinder Blick auf Gott gelenkt und der Weg geebnet zur Erfüllung der Pflichten, die die Grundlage des jüdischen Lebens bilden. Hat das Kind in seinem Schöpfer den liebenden, sorgenden Vater erkannt, dann wird es Ihm gehorsam sein, vertrauensvoll zu Ihm aufblicken, Ehrfurcht Ihm bezeigen und dankbar sein. Schon im zartesten Alter sei das Kind bekannt zu machen mit den täglich zu beobachtenden ros», als ros% pjrun rü-ü rc. Den Pflichten gegen Gott reihen sich die Pflichten gegen unsre Nebenmenschen an. Referent entrollte ein klares Gesammtbild über den während der Schuljahre zu bewältigenden Stoff im Religionsunterrichte. Der Eorreferent Herr Lehrer Gans, Niederaula, erklärte sich mit dem Referenten in den Hauptpunkten einverstanden, glaubte jedoch, daß angesichts der engbegrenzten Zeit, über die der Lehrer in der Schule für den Religionsunterricht verfüge, das Ziel, wie es der Referent erreicht wissen will, etwas zu weit gesteckt sei. Herr Dr. Cahn dankte Herrn Nußdaum für den wohldurchdachten und mit Geschick ausgeführten Vortrag. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß Herr Kreisvorsteher Stern hier und Herr Grüne bäum die Versammlung mit ihrer Anwesenheit beehrten. Nachdem der amtliche Theil erledigt, wurde ein gemeinschaftliches Mahl in der Restauration Birkenrot eingenommen und eine wohlthuende, Weitere Stimmung machte sich bald geltend. Am Schluffe erhob sich Herr Dr. Cahn "'r, um in einer ausgezeichneten Rede, der alle Anwesenden mit ungetheilter Aufmerksamkeit folgten, des Lehrers Wirken außerhalb der Schule zu zeichnen. Ausgehend von dem Worte lanp d»3 l^nnn 'n 'rr-pIO zh nvrr" führte der Herr Provinzialrabbiner in geistreicher Weise aus, wie nur das Bewußtsein Gott gedient zu haben, den Menschen erhebe und Freude in seinem Herzen Hervorrufe. Nicht rühme der Reiche sich seines Reichthums, nicht der Starke seiner Stärke, nicht der Weise seiner Weisheit, sondern nur der darf sich rühmen, der erfüllet hat das nnp dps Mnnn. Es ist mir nicht vergönnt, den schönen Vortrag auch nur fragmentartig wiederzugeben, doch hoffe ich, daß Herr Dr. Cahn Veranlassung nehmen werde, die Ausführung weitern Kreisen durch den Druck zugänglich zu machen. Eine besondere Freude sollte der Lehrer noch harren. Ein edler Gönner hatte 5 Exemplare des rrn von Hirsch zum Zwecke der Verkeilung an Lehrer dem Herrn Rabbiner Dr. Cahn '"j zur Verfügung gestellt, und da mehr als 10 Lehrer anwesend waren, mußte das Loos entscheiden, wer in den Besitz eines Exemplars gelangen sollte. Dem anonymen Spender sei auf diesem Wege aufrichtiger Dank gezollt. Mus r»vr Pvuxis. Es wurde unlängst in der pädagogischen Beilage dieser Blätter das in der Bibel vorkommende Wort 'wV unter Citirung von mehreren Uebersetzern mit „Auge" verdeutscht, und diese Uebersetzung auf unsere beim Morgengebet zu sprechende Benediction ruo yu uw übertragen. Poetisch angelegte Naturen könnten darauf hin den prosaischen Hahn aus dem Gebetbuch streichen und die Kinder in der Schule die Stelle: „Der gegeben hat dem Auge die Naturkraft" rc. rc. übersetzen lassen. Dieser Irrung muß nothwendig vorgebeugt werden. Es ist nämlich dem in der Sprache des Talmuds Eingeweihten bekannt, daß es in der Bibel eine Menge Wörter gibt, die im Talmud eine weitere Bedeutung haben. Der Beispiele sind es so viele, daß man nicht erst darauf hinzuweisen hat. Ebenso im vorliegenden Falle. Mag oas Wort w in der Bibel mit Auge, Herz oder Geist übersetzt werden, in unserer rois heißt es unstreitig Hahn. In mra Fol. 60, Col. 2 heißt es in Erwähnung der übrigen Benediktion. xv'!? Mwin b)p vuw »3 'Dts6 iru *itw Tna. Derjenige, welcher hört die Stimme des Hahns, möge sprechen: Gelobt ist, der dem Hahn die Natureinsicht gegeben hat, zu unterscheiden zwischen Tag und Nacht. In n"-> Fol. 26, 2 ist deutlich angegeben, daß man in manchen Gegenden zum Hahn ">2w sage (vielleicht von frOD schauen, fsiehe *»"Ecn] abgeleitet). Der Hahn ruft uns durch seine Stimme, zum Dienste Gottes aufzustehen, er ist von Gott mit der Naturkraft beschenkt worden, die ersten Lichtstrahlen des Tages zu erblicken, noch ehe der scharfsichtige Mensch sie wahrzunehmen vermag. Er ist deßhalb die Weckuhr für den, der im frühesten Grauen des Tages sich erheben und in das Haus des Ewigen gehen möchte. Er ruft aber auch endlich den Faulen zu: „Wie lange Fauler willst Du liegen, wann willst Du aufstehen von Deinem Schlafe?" (rro p-,s) Die Wichtigkeit dieser n3"o ist gewiß hoch zu schätzen. E. Eich st etter, Eppingen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" und „Jeschurun"Schottstraße Nr. 2, Mainz Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz.