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Der Israelit · 1889-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1889)
Date
1889-09-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1368 gen, um gegen die fluchwürdigen Angriffe der UN' lautern Anttfemttengesellschaft energischer Vorgehen zu können. N. D. Oberhaufe«. Eine aufregende Scene spielte sich am 28. Sept. gegen Abend im städtischen Bich- Hofe Hu Elberfeld ab. Daselbst sollte ein Stier im Gewichte von über 1000 Pfund geschlachtet werden. Man'hatte dem Tbiere, wie dies meist geschieht, eine MaSke aufgesetzt. Daffelbe sollte erschoffen werden. Der Schuß verfehlte leider sein Ziel, und anstatt in das Gehirn drang die Kugel in die Zunge. Durch den Schmerz wüthend geworden, riß sich der Stier von den Stricken los und raste durch das Schlachthaus, alles, was ihm in den Weg kam, über den Haufen werfend. Die in dem Schlachthaus befindlichen Metzger wußten sich nur mit Noth in Sicherhett zu bringen; viele von ihnen mußten an den Aufzugstricken emporklettern, um nicht von dem wüthenden Stiere aufgespießt zu werden. Nach einiger Zeit gelang es, laut der Elberf. Ztg., den Stier zur Ruhe zu bringen und ihm durch einen wohlgeztelten Schuß den Garaus zu machen. — Da nun seit neuerer Zeit von den deutschen Thierschutzvereinen, nachdem das Pariser Klatschblatt „Figaro" einen Artikel unter der Spttzmarke „das koschere Fleisch" gegen daS rituelle Schächten gebracht hatte und den auch viele im Rheinland erscheinende Blätter mit mächtigen Seitenhteben gegen die „barbarische Thierquälerei" des SchächtenS abgeschrieben hatten — auch wieder lebhaft gegen den rituellen Schächteakt agitirt wird, so fragen Wir einmal bei allen toleranten Menschen an. ob derartige Zustände, wie solche oben geschildert, auch jemals beim Schächten vorgekommen find oder überhaupt Vorkommen können? Fast, scheint eS, daß unsere deutschen Thierschutzvereine mehr Antipathie gegen die Juden, als Sympathie für die Ochsen haben. A. Stern, Lehrer. Schweiz. Bern, im September. Der hiesige israelitische Eultüsveretn, hat durch Herrn Alt-Nationalrath Sali Rekurs beim h. Bundesrath einreichen lassen, gegen das Schächtverbot der Regierung des Cantons Bern. Hoffen wtt, daß der h. Bundesrath in dieser Frage einen der Humanität nicht widersprechenden Standpunkt einnehme und keine Unterdrückung der gewährleisteten freien Religionsausübung gutheißen werde. Oesterr.'Ungar. Monarchie. Kraka«, 22. September. Herr S. M. Lewin, unseren Lesern bekannt aus dem vorigen Jahrgang des „JSraelit", Mitarbeiter hervorragender Organe ist, ungeachtet seines sechsjährigen, makellosen Wirkens in den Staaten der österreichischen Monarchie, Mittwoch, 18. d. M., unter dem gänzlich unbegründeten Verdachte, staatsfeindlichen Wirkens, über eine Anzeige von anonymer Seite, von einer Polizei-Commission heimgesucht und nach einer vorgenommenen Revision seiner sämmtlichen Papiere, die nach den persönlichen Aussagen des Polizei- Commiffärs Koserzecowsky in Krakau nichts Gravirendes ergeben hat, als Anszuweisender verhaftet worden. Seinem Begehr, ihm zur Regelung seiner privaten Angelegenheiten eine kurze Frist auf freiem Fuße einzuräumen, ist ungeachtet der Vorzeigung seines rumänischen Paffes zurückgewiesen worden. Von Einleitung einer gerichtlichen Untersuchung gegen ihn wurde Mangels aller Beweise Abstand genommen, dessen ungeachtet seine Ueberführung in Polizei-Gewahrsam angeordnet, woselbst er sich bis S a m st a g, 20. d. M. befand, an welchem Tage er, ohne Rücksicht seines Einwandes religiöser Natur, mittelst eines Geheiminspektors bis zur nächsten, von ihm gewählten Grenze geschafft, und dann freigelassen wurde. Auf seine Anfrage über die Gründe dieser Ausweisungsmaßregel wurde ihm bedeutet, daß in diesen bewegten Zetten auch auf die Denunctatton eines Anonymus vorgegangen werden müffe und Unschuldige mit Schuldigen zu leiden haben. Wie Herr Lewin annimmt, ist seine wohlgemeinte Brandmarkung öffentlicher Schäden in Galizien, die von allen Seiten mit großem Wohlgefallen ausgenommen wurde, die Veranlassung zu einer Verfeindung mit polnischen Behörden, deren Schüren und Verhetzungen seine Ausweisung zur Folge hatte. — Die Angelegenheit, die dem Urtheile der Oeffentlichkeit übergeben wird, erregte am Verhaftungsorte in Krakau, namentlich in liberalen Kreisen, das größte Aufsehen. Wir werden noch darauf zurückkommen. Briefkasten der Redaetion. Allen verehrten bekannten und unbekannten Freunden, die uns mit Glückwünschen zum Jahreswechsel beehrten und erfreu* ten, statten wir hiermit unser» herzlichsten Dank ab und wün* scheu roiü no’nn -im Wochen - Kalender. Freitag» -*• Oktober. 9. Tischri I"' my Samstag, 5. Oktober, 10. Tischri "n&2 Dl’ Gabbat-AuSgang 0 Uhr 10 Min. (Mainzer Uhr.)

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